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Berufsverbot als Wendepunkt

Wie "In aller Freundschaft"-Gästin Petra Nadolny schon vor der Wende aus der DDR ausreiste

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Petra Nadolny ist heute als Schauspielerin und für ihre Parodien bekannt.

Bild: Imago / Gartner


Mit ihren Parodien in "Switch reloaded" wird Petra Nadolny einem Millionenpublikum bekannt. Doch ihr Weg ins Fernsehen beginnt ganz anders: als Journalistin in der DDR.

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Petra Nadolny: Von "Switch reloaded" bis zur Sachsenklinik

In der Sachsenklinik begegnet Eike Voss (Jan Hasenfuß) einer Frau, mit der er nicht gerechnet hat. Der Judoka kommt mit einer gerissenen Achillessehne ins Krankenhaus. Dort trifft er auf seine Schwiegermutter Claudia Hegebart (Petra Nadolny), zu der er lange keinen Kontakt hatte. Eike möchte das Grab seiner verstorbenen Frau auflösen lassen, Claudia will dagegen die letzte Ruhestätte ihrer Tochter bewahren. Doch als sie ihm ein Geheimnis anvertraut, beginnt Eike, seine Entscheidung zu hinterfragen.

Ein Millionenpublikum kennt Petra Nadolny vor allem aus der Comedy. In den ProSieben-Serien "Switch" und "Switch reloaded" schlüpft sie in die Rollen prominenter Frauen und parodiert unter anderem Elke Heidenreich, Nina Hagen und Ursula von der Leyen. Ihre Wandlungsfähigkeit prägt diese Auftritte maßgeblich. Weniger bekannt ist ihr Weg dorthin: Bevor sie sich als Schauspielerin etabliert, arbeitet Nadolny in der DDR zunächst als Journalistin.


Erlebe Petra Nadolny in der Dramedy-Serie "Die Läusemutter"


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Petra Nadolny: Vom Journalismus in der DDR zur Schauspielerei

Petra Nadolny wächst in Wilhelminenthal bei Jarmen in Mecklenburg auf. Ihr Vater führt Filme vor, ihre Mutter leitet den örtlichen Konsum. So heißt in der DDR der Laden der genossenschaftlichen Handelskette, in dem die Menschen Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen.

Nadolny darf ihren Vater zu Filmvorführungen in den Dorfgasthöfen begleiten. Sie sieht manche Filme mehrfach, bis sie die Dialoge ihres Leinwandhelden Gojko Mitić mitsprechen kann. Doch sie träumt nicht davon, selbst Schauspielerin zu werden. Ihr Berufswunsch ist ein anderer: Sie will Journalistin werden. 1976 beginnt Nadolny ein Redaktions-Volontariat bei der "Freien Erde" in Neubrandenburg, der heutigen Regionalzeitung "Nordkurier". Im September 1979 geht sie nach Leipzig und studiert Journalistik an der Karl-Marx-Universität. 1983 schließt sie ihr Studium ab und arbeitet als Redakteurin beim "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel".

Dort erlebt sie, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen. In der Redaktion geht es um Probleme, in den veröffentlichten Artikeln dagegen um Erfolge. Der Widerspruch zwischen dem, was sie erlebt, und dem, was sie schreiben soll, lässt sich für sie nicht länger übergehen. Über ihre Erfahrungen spricht sie auch 2012 in der Sendung "So gesehen - Talk am Sonntag": "Wenn ich in die Redaktion gegangen bin, war nur von Problemen die Rede, geschrieben wurden aber nur Erfolgsberichte."

In diesem Film-Drama spielt Petry Nadolny eine Direktorin:

Petra Nadolny: Berufsverbot in der DDR und ein Neuanfang im Westen

1985 stellen Petra Nadolny und ihr Mann einen Ausreiseantrag. Beide engagieren sich in der oppositionellen Szene und erhalten Berufsverbot. In dieser Situation gründen sie in Leipzig eine freie Theatergruppe. Hier entdeckt sie die Schauspielerei für sich.

Doch zunächst muss sie sich um eine Stelle bemühen. Sie geht zur staatlichen Arbeitsvermittlung. Ein Arbeitsamt, wie man es heute kennt, habe es in der DDR "eigentlich gar nicht" gegeben, erzählt sie 2011 in einem Interview mit dem Online-Videoportal "lettra.tv". Am Schreibtisch sitzt eine Frau, die ihr verblüffend ähnlich sieht - zumindest, was die Frisur angeht. Beide tragen den Afro-Look, der in den Achtzigern angesagt ist. Nadolny hat allerdings feines Haar, was die Sache für sie besonders komisch macht: "Mit meinen dünnen Haaren muss man sich das mal vorstellen: alles kleine Löckchen." Die Schauspielerin findet das "total absurd".

Doch es sollte noch skurriler werden. Die Sachbearbeiterin erzählt ihr, dass sie selbst bald in den Westen gehen will. Sie hat jemanden kennengelernt, der dort lebt. Nadolny erinnert sich: "Ich dachte: 'Ey, was geht'n hier ab?'" Ausgerechnet auf dem Amt trifft sie auf eine Frau, die ähnliche Pläne hat wie sie. Die beiden verstehen sich auf Anhieb - nicht zuletzt, weil sie dasselbe Ziel vor Augen haben.

1988 darf die Schauspielerin mit ihrem Mann und ihrer Tochter in die Bundesrepublik ausreisen. Die Familie zieht nach Nordrhein-Westfalen. Dort setzt sie ihre Theaterarbeit fort und gründet eigene freie Gruppen. Ein Jahr später fällt die Mauer. Für Nadolny bedeutet das, ihre Eltern wiedersehen zu können. Es sei "ein Geschenk der Geschichte", dass sie sie nach nur einem Jahr wieder in die Arme schließen kann, wie sie rückblickend erzählt.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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