Lebenslange Folgen
ARD-Experte Dr. Eckart von Hirschhausen bekam ADHS-Diagnose bei Dreharbeiten
Aktualisiert:
von Martin MeyerDr. Eckart von Hirschhausen (l.) leidet an einer lebenslangen Erkrankung, die ihn immer wieder vor Herausforderungen stellt.
Bild: picture alliance / SULUPRESS.DE | Marc Vorwerk, picture alliance / Zoonar | Berit Kessler
Er klärt als Arzt und Entertainer im TV über verschiedene Gesundheits-Themen auf. Aber auch Dr. Eckart von Hirschhausen selbst hat eine Erkrankung, die ihn sein ganzes Leben begleitet. Wie wirkt sich sein ADHS aus und welche Vorteile sieht er auch darin?
2023 produzierte Dr. Eckart von Hirschhausen eine Dokumentation über ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung). Im Rahmen der Dreharbeiten ließ er sich selbst testen und stellte fest, dass er ebenfalls betroffen ist. In einem Interview mit der Zeit berichtet er, dass er schon länger den Verdacht gehabt hatte.
Schon zu seiner Schulzeit standen in seinem Zeugnis Sätze wie "Eckart ist ein ständiger Unruheherd". Er habe sich schnell gelangweilt und dann Quatsch gemacht.
So erlebt er ADHS im Alltag
Schon viele Prominente haben ihre ADHS-Diagnose öffentlich bekannt gemacht. Darunter Stars wie Emma Watson, Justin Bieber und Heidi Klum. Die Symptome sind aber nicht bei jeder Person gleich ausgeprägt.
Was ADHS für Hirschhausen bedeutet, erzählt er ebenfalls im Interview: "Ich bin einerseits impulsiv. Und wenn ich mich konzentriere, dann vergesse ich auch alles um mich herum, das nennt sich Hyperfokus. Dann blende ich den nächsten Termin oder Abgabezeitpunkt aus oder die Tatsache, dass die nächste Verpflichtung nicht dort stattfindet, wo ich gerade bin, sondern mehrere Kilometer entfernt. Ich wundere mich dann manchmal über mich selbst, wie man so doof sein kann."
Bei TV-Produktionen mit 100 Beteiligten könne das schnell zu Problemen führen. Das sehe er inzwischen klarer als früher.
Beim ADHS-Test beantwortete der Arzt einen Fragebogen gemeinsam mit seiner Frau. Durch ihre äußere Perspektive seien einige Auffälligkeiten noch klarer geworden, wie er verrät: "Da kam einiges zusammen. Von "Ich verliere Dinge, die wichtig sind", "Ich plane nicht im Voraus", "Ich bin immer auf Achse, wie von einem Motor getrieben", "Mir fällt es schwer abzuwarten, bis andere ausgesprochen haben. Ich falle anderen ins Wort".
Es gibt auch positive Seiten
Der Komiker sieht aber auch Vorteile. Er habe durch ADHS "die Fähigkeit, schneller Dinge miteinander zu verknüpfen, über Themen und Schubladen hinweg."
Ich habe verschiedene Karrieren parallel gemacht, bin immer wieder hin und her gesprungen zwischen den Rollen, als Arzt, Wissenschaftsautor oder Kabarettist.
Anfangs habe er noch versucht, die Rollen als Arzt und Comedian zu trennen. Er fürchtete, als Arzt weniger ernst genommen zu werden, wenn alle von seinen Comedy-Auftritten wüssten. Ein Irrtum. "Der Erfolg kam, als ich die Welten miteinander verknüpft habe", resümiert Hirschhausen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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