Klare Ansage
"Schade, schade, schade": Andy Borg rechnet mit KI-Einsatz in der Musik-Branche ab
Aktualisiert:
von C3 NewsroomAndy Borg steht seit Jahrzehnten auf der Bühne und blickt kritisch auf den zunehmenden Einsatz von KI in der Musik.
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Matthias Wehnert, Viktor - stock.adobe.com
Vier Jahrzehnte Bühnenerfahrung – und trotzdem kann selbst Andy Borg nicht immer erkennen, ob hinter einem Song noch ein Mensch steckt. Der Schlagerstar beobachtet den zunehmenden Einsatz von KI in der Musikbranche mit großer Skepsis. Besonders eine Entwicklung ärgert ihn.
Ein neuer Song landet im Büro, Andy Borg hört gemeinsam mit seiner Frau hinein – und zunächst klingt alles so, wie es klingen soll. Doch inzwischen kann sich hinter Melodie, Stimme und Arrangement etwas ganz anderes verbergen: Künstliche Intelligenz (KI).
Genau diese Entwicklung beschäftigt den 65-Jährigen. Seit mehr als vier Jahrzehnten steht Borg auf der Bühne und hat in dieser Zeit erlebt, wie sich die Musikbranche verändert hat. Dem zunehmenden Einsatz von KI bei der Produktion neuer Songs kann er allerdings wenig abgewinnen.
Im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Blick" macht der Sänger deutlich, wie sehr ihn die Entwicklung stört. Viele Stücke würden seiner Ansicht nach inzwischen eher konstruiert als tatsächlich komponiert.
Wie die Suche nach neuen Songs abläuft, beschreibt Borg so: "Wie andere Schlagerfuzzis sammeln auch wir das ganze Jahr über Lieder, bekommen Vorschläge für das nächste Album zugeschickt."
Neue Songs kommen plötzlich aus dem Computer
Unter diesen Vorschlägen befinden sich laut Borg mittlerweile auch Demoaufnahmen, bei denen nicht mehr zwingend Menschen für Gesang und Arrangement verantwortlich sind. Stattdessen kann KI zum Einsatz kommen.
Melodien und Texte lassen sich dabei nach bestimmten Vorgaben generieren. Am Ende steht ein fertiger Entwurf, der so überzeugend klingen kann, dass selbst ein erfahrener Musiker wie Andy Borg nicht sofort merkt, wie er entstanden ist. Und genau das sorgt bei ihm für besonderen Unmut.
Selbst Andy Borg fällt auf KI-Songs herein
Denn mehr als 40 Jahre Erfahrung im Musikgeschäft schützen offenbar nicht davor, sich täuschen zu lassen. Wenn Borg gemeinsam mit seiner Frau neue Demos anhört, erkennt auch er computergenerierte Aufnahmen nicht zwangsläufig auf Anhieb. Gegenüber der Schweizer Zeitung "Blick" erklärt er:
Das Schlimme ist, und das ärgert mich am meisten: Ich falle manchmal selber drauf rein!
Erst wenn er genauer hinhört, werde er mitunter skeptisch. Gerade die auffällige Perfektion könne schließlich verraten, dass ein Stück nicht auf herkömmliche Weise entstanden ist. Borg bedauert diese Entwicklung deutlich:
Schrecklich und schade, schade, schade – wir können es nicht verhindern.
Für Andy Borg gehört echtes Handwerk zur Musik
Für den "Adios amor"-Sänger ist Musik mehr als ein möglichst perfektes Ergebnis. Hinter einem Lied sollen für ihn Menschen stehen, die schreiben, komponieren und ihre eigenen Ideen einbringen.
Diese Haltung passt zu einer Karriere, die bereits seit mehr als vier Jahrzehnten von Musik und Unterhaltung geprägt ist. Heute erreicht Borg als Gastgeber von "Schlager-Spaß mit Andy Borg" regelmäßig ein großes Fernsehpublikum.
Dass technische Möglichkeiten auch die Musikbranche verändern, lässt sich aus seiner Sicht allerdings kaum noch stoppen. Dabei nimmt Borg auch die Branche selbst in die Verantwortung. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: "Denn, wie heißt es so schön: Die Geister, die ich rief! Wir haben uns alles selber eingebrockt."
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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