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Steile These

Warum die "Rosenheim-Cops" gar keine Polizisten sein müssten

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Das denkt Filmkritikerin Antje Wessels über die Kultserie "Rosenheim-Cops".

Bild: ZDF und Linda Gschwentner, privat


Würden die "Rosenheim Cops" auch als "Rosenheim-Firefighters", "Rosenheim-Chefs" oder "Rosenheim-Construction-Workers" funktionieren? Filmkritikerin Antje Wessels sagt ganz klar: ja!

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Die Erfolgsformel der "Rosenheim-Cops" scheint auf den ersten Blick denkbar einfach: ein Mord, ein Ermittler:innen-Team, ein paar Verdächtige und am Ende die Auflösung - fertig ist der Krimi. Na ja, so ist eigentlich jeder Krimi. Doch je mehr Folgen ich mir angesehen habe, desto häufiger stelle ich mir folgende Frage: Braucht es den Krimi-Aspekt überhaupt für den Erfolg? Oder anders formuliert: Wäre die ZDF-Serie "Rosenheim-Cops" nicht eigentlich genauso erfolgreich, wenn die Hauptfiguren gar keine Polizisten wären?

Eine gewagte These, aber wenn wir ehrlich sind, stehen die Mordfälle doch sowieso nicht im Mittelpunkt der Serie. Zumindest nicht in der Weise, wie wir es von klassischen Krimis gewohnt sind.


"Die Rosenheim-Cops" siehst du täglich um 16:10 Uhr


"Die Rosenheim-Cops": Die Fälle sind wichtig, aber längst nicht das Wichtigste

Natürlich gäbe es ohne die Verbrechen keine Handlung. Irgendeinen Anlass braucht es schließlich, um die Figuren miteinander in Kontakt zu bringen. Doch wer regelmäßig "Die Rosenheim Cops" einschaltet, tut das wohl kaum, weil er unbedingt herausfinden möchte, wer den örtlichen Brauereibesitzer oder die Betreiberin eines Landgasthofs auf dem Gewissen hat. Das Publikum kommt vermutlich vor allem wegen der vertrauten Gesichter und der gemütlichen Atmosphäre. Der Mordfall fungiert eher als Weichensteller und sorgt dafür, dass sich die Figuren begegnen, während durch die bekannte Krimi-Dramaturgie zumindest ein bisschen Spannung entsteht. Doch das emotionale Zentrum der Serie bilden seit jeher die Menschen in Rosenheim.

Ich gehe sogar noch weiter: Die Kriminalfälle sind vollkommen austauschbar. Nicht, weil sie zwingend schlecht geschrieben wären. Sondern weil sie für die Identität einer Folge nicht ausschlaggebend sind. Skurrile Dorfbewohner:innen, schlagfertige Dialoge oder amüsante Situationen im Kommissariat: Darum geht’s! Sei doch ehrlich: den Täter oder die Täterin hast du doch schon mit Rollen des Abspanns wieder vergessen.

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Rosenheim ohne Polizei? Natürlich würde das funktionieren!

An dieser Stelle wage ich deshalb eine steile These: Die "Rosenheim-Cops" würden vermutlich auch als "Rosenheim-Firefighters", "Rosenheim-Medics" oder in weiteren Berufen funktionieren - zwar nicht eins zu eins, aber nach ähnlichem Muster. Denn die eigentliche Stärke der Serie liegt ja eben nicht in der Polizeiarbeit, sondern mit einem von lieb gewonnenen Figuren bevölkerten, in sich geschlossenen Milieu. Und ob das nun Polizist:innen, die Belegschaft eines Hotels, die Mitarbeiter:innen eines Krankenhauses oder die Angestellten des ortsansässigen Rathauses sind: völlig egal! Die Zutaten wären dieselben. Denn Konflikte, die eine Serie tragen, finden sich überall. Was übrigens auch erklärt, weshalb auch nahezu jede Berufsgruppe ihre eigene Serie hat, aber das ist ein anderes Thema ...

Ein wichtiger Spannungstreiber würde ohne die Polizeiarbeit natürlich wegfallen. "Die Rosenheim Cops" wäre dann halt keine Krimiserie mehr. Aber es gibt so viele Beispiele für langlebige Erfolgsformate, in denen die Atmosphäre deutlich wichtiger ist als die Geschichten. Dass das hier genauso ist, erklärt auch, warum die zahlreichen Personalwechsel innerhalb der Serie erstaunlich gut verkraftet wurden. Ermittler:innen kommen und gehen, aber die Grundstimmung bleibt. Ein weiteres Indiz dafür, dass der wahre Star der Serie nie die Ermittlungsarbeit war, sondern das waschechte Rosenheimer Lebensgefühl.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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