Veralteter TV-Kult?
Springfield in der Krise: Haben "Die Simpsons" nach über 30 Jahren ihre Seele verloren?
Veröffentlicht:
von Martin HaldenmairImmer noch gelb und chaotisch - aber auch noch gleich gut - "Die Simpsons"?
Bild: © und TM Twentieth Century Fox Film Corporation - Alle Rechte vorbehalten; © 2021 Fox Media LLC. All rights reserved.; Mit KI-Unterstützung generiert
Warum sollte jemand nach 37 Jahren der Gleiche sein? Auch die Serie "Die Simpsons" hat sich über diese guten dreieinhalb Jahrzehnte verändert - zum Guten oder zum Schlechten? Unser Autor hat - ay caramba - eine Meinung!
Das Geheimnis der Simpsons? Itchy & Scratchy
Machen wir's wie Bart und Lisa: Schauen wir "Itchy & Scraty", den Lieblings-Cartoon der Kinder in Springfield. Eine gute, alte, ultra-gewalttätige Slapstick-Geschichte, in der eine psychotische Cartoon-Maus immer wieder neue Wege findet, eine Cartoon-Katze zu verstümmeln.
Er erinnert an Tom & Jerry und noch eine Menge andere Katz-und-Maus-Cartoons mit einer Prise anderer verrückter, brutaler Serien der frühen 1990-Jahren. Und das ist der Clou: "Itchy & Scratchy" ist keine Parodie auf eine einzelne Serie, sondern auf ein ganzes Genre - und gleichzeitig etwas Eigenständiges.
Genauso läuft es, wenn "Die Simpsons" gut sind: Sie sind klar ihr eignes Ding in ihrer eigenen verrückten Welt und gleichzeitig sehr vertraut. "Die Simpsons" parodieren dabei nie 1:1 eine reale Geschichte oder einen bestimmten Film, sondern streuen unglaublich viel zusammen. Und über die Gemeinsamkeiten der Zutaten kommen sie an das Wesentliche ran. So bekommen sie Biss! Und so konnten "Die Simpsons" auch so viele seltsame Ereignisse vorhersagen!
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Die Simpsons - das sind wir
Was für eine Chaos-Familie: Für welchen Blödsinn hat Homer sich nicht schon begeistert, welche Katastrophen hat Bart mit einem anfangs harmlosen Streich angerichtet und wie viele Grabenkämpfe hat Lisa schon mit einer gut gemeinten Beschwerde eröffnet? Warum mögen wir sie dennoch? Weil wir diese Charaktere sind - wenn sie gut geschrieben sind.
Wir sind Lisa, die es ja gut meint, aber oft die Leute nervt. Wir sind Bart, der nie so ganz irgendwo reinpasst. Wir sind Homer, der sich gern mal viel zu schnell für irgendeinen Unsinn begeistern lässt. Wir sind Springfield, wo immer es auch liegen mag. Zumindest, wenn die Charaktere bei aller Übertreibung noch menschlich sind.
Kein Scherz: Auf Joyn findest du viele schräge Cartoon-Serien
"Was ist dir lieber: Dass ich es ordentlich erledige oder schnell?"
Problem: Diese Charaktere machen nicht mal einfach so alles, was sich eine Autorin oder ein Autor ausdenkt. Man kann mit ihnen nicht einfach jede Geschichte erzählen. Was passiert also, wenn man diese Grenze streicht? Dann heißt's: Bühne frei für "Jerkass Homer"! So nennen die Fans die Version von Homer, die nicht nur einfach naiv ist, sondern geradezu aggressiv dumm und selbstsüchtig. Mit ihm ist jede Wendung der Geschichte gleich wahrscheinlich. Ähnliches passiert anderen Figuren. Und wenn die Autorinnen und Autoren dann auch noch unbedingt beweisen wollen, dass die Serie relevant ist, parodieren sie einfach direkt einen Film oder eine Serie.
Damit hat man die verklemmte Schublade der Schreibarbeit erfolgreich aufgesprengt, so wie Homer in der Folge "Oh mein Clown Papa", aus der das Zitat oben stamm. Aber leider liegt nun das schöne "Simpsons"-Wohnzimmer in Trümmern. Mit diesen Leuten haben wir nicht viel gemein. Lachen können wir noch über sie, aber nicht mit ihnen. Die Geschichten betreffen uns nicht, also haben sie keinen Biss. Richtig schlecht sind sie nicht, aber nur eine blasse Kopie ihrer selbst. Die Serie wird: "Laaaaaaaaaangweilig"!
"Laaaaaaangweilig"?
Als Fan hat man's leicht: Man kann sich beschweren und fordern, dass die Verantwortlichen für jeden noch so kleinen Fehler gefeuert werden. Das geht schnell. Aber jetzt muss ich doch selbst auch ordentlich - oder zumindest gerecht) - sein. Nicht, dass wir alles wegsprengen. Vielleicht bringe ich ja Frieden und Liebe:
"Die Simpsons" sind weiterhin in Ordnung. Die Macher haben auch inzwischen die "Jerkass"-Einstellung bei Himer wieder zurückgedreht. Ich kann sie immer einschalten und mich so nebenbei unterhalten lassen. Es gibt auch immer wieder tolle Folgen und brillante Momente - leider nur nicht mehr in der Dichte wie früher.
Das bedeutet aber auch: Sie könnten besser, oh so viel besser, sein! Wenn sich die Macher die Zeit nehmen würden, "die Simpsons" die Familie Simpsons sein zu lassen, nicht einfach eine Kollektion von zufälligen und schnell alternden Gags. Denn ich als Fan würde gern nicht einfach nur nebenbei unterhalten werden, sondern wieder in Springfield mit dabei sein. Ich wäre gern wieder "Die Simpsons"!
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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