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TV-Fiesling

"Frühling"-Gaststar Gerd Anthoff: Wieso spielt er so gern den Schurken?

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von teleschau

Der schurkische Wüterich: Gerd Anthoff wurde als grantlerischer Schurke in Serien wie "Der Bulle von Tölz" bekannt. Auch in "Frühling" spielte er einen Fiesling.

Bild: ZDF/Barbara Bauriedl


Natürlich spielt Gerd Anthoff auch in "Frühling" einen Bösen. Mit seinen Rollen als Antagonist etablierte sich der Münchner als Kotzbrocken vom TV-Dienst. Immerhin: In seiner dauerhaftesten Rolle, wenn auch am Theater, spielte er einen Guten.

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Viele Fans sind der Meinung, dass die "Frühling"-Episode "Wenn die Zeit stehen bleibt" eine der stärksten, wenn nicht gar die beste in der 15-jährigen Geschichte der ZDF-Erfolgsserie um Dorfhelferin Katja Baumann (Simone Thomalla). Vielleicht liegt's an Gerd Anthoff. Der spielt darin mal wieder ein Ekelpaket, nämlich Hansi Lorenz. Der ist ein schmieriger Politiker, der früher seine Tochter missbrauchte und deshalb mit Katja Baumann aneinander geriet. Jetzt kehrt er nach Frühling zurück. Todkrank und gewillt, ein letztes Geständnis abzulegen.

Die "krasse Folge", so ein Fan-Kommentar, wird am Sonntag, 2. August, ab 20:15 Uhr im ZDF-Livestream auf Joyn wiederholt. Bei der Erstausstrahlung waren sich die Fans zwar uneins, ob "das besonders harte Thema" überhaupt zum wohligen Heimatfeeling von "Frühling" passe, bei einem Aspekt gab es bei den Kommentaren in den sozialen Medien eine klare Mehrheit: "Die Schauspieler waren großartig." Das ist nichts Neues für Gerd Anthoff, denn wenn er Kotzbrocken spielen darf oder muss, blüht er richtig auf. "Was meinen Sie, wie viel Spaß es macht, Ekel zu spielen", erklärte er in einem Interview mit dem "Münchner Merkur".

Gerd Anthoffs Spezialgebiet: Bösartigkeit unter der Maske aus Liebenswürdigkeit

Mit unsympathischen, arroganten, bösen und schlitzohrigen Figuren wurde Anthoff im Fernsehen zum Star. In der Familien- und Kriminalserie "Löwengrube" (1990 bis 1992) war er 22 Folgen lang der Amtmann Dehnlein, und der "schwimmt nicht gerade auf der Sympathiewelle", räumte Anthoff selbst im Gespräch mit "Bayerische-Kultserien.de". Seinen Durchbruch im TV-Business brachte ihm die Rolle des arrogant-intriganten Bauunternehmers Toni Rambold, den er von 1996 bis zum Serien-Ende 2009 in 18 Episoden spielte. Er spiele die Unsympathischen lieber, weil "die etwas undurchsichtigen Personen besseres Schauspiel-Futter sind", sagte Anthoff gegenüber "Bayerische-Kultserien.de".

Dabei entstand das Faszinosum, dass Anthoff zwar Schurken oder Fieslinge mimt, die dann aber doch nicht gänzlich böse rüberkämen. In "Unter Verdacht" spielte er an der Seite von Senta Berger 30-mal den korrupten Kommissariats-Leiter Dr. Claus Reiter. Über ihn sagte er gegenüber dem "Münchner Merkur": "Ich bin nicht durchgehend fies und oberflächlich. Ich versuche, der Figur doch auch einen Hintergrund zu geben, die Beweggründe für ihr Verhalten durchscheinen zu lassen: Angst und Minderwertigkeitsgefühl! Es war mir wichtig, dass die Bösartigkeit des Dr. Reiter unter einer Maske aus Liebenswürdigkeit verborgen ist. Eine wunderbare Herausforderung für einen Schauspieler."

Die Ehefrau eines Kollegen habe ihm mal gesagt, dass sie großer Fan von Toni Rambold aus dem "Bullen von Tölz" sei. Warum? "Der ist so ein Arschloch, aber ich liebe ihn."

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Seine Tante Fanni brachte Gerd Anthoff zum Theater

Die Fähigkeit, einen Aggressiven, einen Schurken glaubhaft zu spielen, hat der gebürtige Münchner Gerd Anthoff (79) am Theater gelernt, und zwar von keinem Geringeren als dem schwedischen Kult-Regisseur Ingmar Bergman ("Das Schweigen", "Fanny und Alexander"). Der war wegen Steuerproblemen nach München übersiedelt und arbeitete bis 1985 am Residenztheater, wo auch Anthoff seit 1970 festangestellt war.

In dem Stück "Nora" war Anthoff als Erpresser Krogstad eingeteilt. "Bergman hat bestimmt, dass die Rolle vom Scheitel bis zur Sohle mit Aggressionen ausgefüllt sein musste", erzählte Anthoff in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Das Problem sei gewesen, dass er, Anthoff, eher ein sanfter Mensch gewesen sei.

Das habe Bergman erkannt und deshalb "bei jeder Probe unterschwellig eine ungeheure Aggression ausgestrahlt - gegen alles und jeden". In dieser aggressiven Atmosphäre kippte bei Anthoff der Schalter. "Ich war plötzlich wie der Fisch im Wasser", berichtete er der "Süddeutschen". "Seit dieser Zeit kann ich die Aggressionen auf der Bühne ausleben."

Sieh Gerd Anthoff in "Der Tölzi" als zwielichtigen Bauunternehmer im Stream auf Joyn

Den Heiligen Nantwein spielte Gerd Anthoff im "Resi" fast 1.000 Mal

Anthoff kam 1946 im Herzen Münchens, im Westend, zur Welt. Er stammt aus einfachen Verhältnissen. Mit dem Theater hatte niemand zu tun - außer seine Tante Fanni. Aber die ging auch nicht interessehalber ins Residenztheater, sondern jobbte da als Garderoben-Frau und brachte ab und zu Freikarten mit. So fand Anthoff zum Theater. "Ich liebte den Glanz, das Licht, das Glitzern." Der Wunsch wurde schnell konkret: Er wollte Schauspieler werden.

Zwar begann er, den Eltern zuliebe, noch eine Lehre bei einer Versicherung, aber die brach er nach drei Monaten ab. Er bekam 1964 ein Stipendium beim Bayerischen Rundfunk "zur Förderung des einheimischen Sprecher- und Schauspielernachwuchses" und wurde von Schauspieler-Granden wie Gustl Bayrhammer und Fritz Strassner sowie von Eva Vaitl gefördert. Und die vermittelte ihn 1970 ans "Resi". Da blieb er bis 2012.

Ein Highlight in Sachen Qualität wie Quantität war seine Rolle in "Der Brander Kaspar und das ewig' Leben". Darin spielte er schon bei der Premiere 1975 die Rolle des Nantwein, eines Heiligen, der Karten spielend und Weißwürste essend die Toten im Paradies begrüßt. Danach spielte er die Rolle fast 1.000 Mal.

Gerd Anthoff: "Der Rummel um Schauspieler ist mir suspekt"

Anthoff ist introvertiert. Über sein Privatleben sagt er nichts. Bekannt ist nur, dass er immer noch in München lebt, ein paar Kilometer, am Westpark, von seinem alten Viertel, dem Westend, entfernt. Und: Er ist oder war mal verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Auf roten Teppichen sieht man ihn selten. "Wenn es geht, versuche ich, den Hintereingang zu nehmen", sagte er. Auch Business-Partys oder Empfänge sind ihm eher ein Gräuel. "Der Rummel um Schauspieler ist mir suspekt", gestand er dem "Münchner Merkur", weshalb er sich, wie "Der Spiegel" mal schrieb, "dem Mediengetümmel fundamentalistisch entzieht".

Es ist grantlerische Bodenständigkeit, wenn er sagt, dass er im Zweifel immer eine "ordentliche Wirtschaft" einem gehypten In-Restaurant vorzöge. "Ich bin nie gewaltig aus meiner kleinbürgerlichen Herkunft ausgebrochen", zeigte er sich gegenüber der "Süddeutschen" unaufgeregt ehrlich.

Anthoff, der unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, war zuletzt in einer Episode von "Watzmann ermittelt" (2024) zu sehen. Theater spielt er nicht mehr. Für TV-Rollen sei er bedingt offen. Denn: "Ich bin ein berüchtigter Neinsager." Wenn ihm die Rolle nicht gefällt, übernimmt er sie nicht.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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