zur Joyn Startseite

Meinungsstück: Nostalgie-Serie gegen Reboot

Gen Z vs. Generation X: Wie schlägt sich "Kommissar Rex" heute? Zwei Perspektiven auf einen Klassiker

Aktualisiert:

von Andreas Ilmberger

"Kommissar Rex": Was kann das Reboot mit Maximilian Brückner (r.) im Vergleich zum Original mit Tobias Moretti?

Bild: Joyn Redaktion


Ein Klassiker wird abermals wiedererweckt und dürfte Fans in Nostalgie schwelgen lassen: Kommissar Rex kommt mit sechs neuen Folgen wieder in SAT.1. Die Joyn-Redaktion verrät, ob das Reboot treue Anhänger und jüngere Generationen gleichermaßen abholt.

- Anzeige -
- Anzeige -

TV-Kritik von Andreas Ilmberger: Die neue Kommissar-Rex-Staffel im Vergleich zur Original-Serie aus den 1990ern

In trüben Zeiten wie diesen schreibt es sich SAT.1 auf die Fahnen, wieder mehr Feel-Good-Unterhaltung in die gute Stube zu bringen. Deshalb haucht man dem laut Sender weltweit berühmtesten TV-Hund Kommissar Rex (ganz ruhig, Lassie!) neues Leben ein und lässt ihn zusammen mit Kommissar Max Steiner (Maximillian Brückner) in sechs Remake-Folgen in Wien auf Verbrecherjagd gehen.

Die Pilotfolge gefiel mir auch richtig gut. Vor allem der ausgewählte Vierbeiner erfüllt wirklich alle Erwartungen vollends: vom Hundeblick über den Fang seiner Wurstsemmel bis hin zum Niederstrecken der bösen Jungs. Sein Herrchen Max Steiner gibt ebenfalls eine gute Figur ab und ist in meinen Augen ein würdiger Nachfolger für die Kommissar-Rex-Ikonen Richie Moser (Tobias Moretti) und Alex Brandtner (Gedeon Burkhardt). Zudem ist Wien als Kulisse ohnehin ein Traum und die Produzenten wissen das gebotene Flair gut in Szene zu setzen. Übrigens startete sowohl die allererste Kommissar-Rex-Folge wie auch die Pilotfolge des Remakes mit einem Bombenanschlag in einem Wiener Kaffee am Stephansplatz und beide Plots schielen ins Spionage-Milieu … Zufall oder Huldigung?

Fazit von Andreas: Früher war mehr Wiener Schmäh

Am Ende der Folge "Wien sehen und sterben" macht sich Erleichterung breit. Sie haben es Gott sei Dank nicht verbockt. Im Gegenteil, die Pilotfolge macht Lust auf mehr. Aber! An die Originalserie aus den 1990ern reicht das Remake in meinen Augen nicht heran. Die alten Folgen strahlten mehr typischen Wiener Schmäh aus, nahmen sich nicht so ernst und zeigten einfach mehr Augenzwinkern.

Hinzu kommt, dass heutzutage alles politisch korrekt sein soll. So muss etwa die Wurst auf Rex‘ Semmeln ganz hundegerecht salzfrei sein, der alte Rex hätte dankend abgelehnt. Kommissar Steiner darf auch kein Lotterleben mehr wie seine Vorgänger führen: Exfrau (Marie Burchard) und Tochter (Sophie Borchhardt) hemmen seine Abenteuerlust. Statt mitten in Wien wohnt er in einer alten Villa im Weinberg, bei der man sich fragt, wie er sich diese exklusive Immobilie bei einem Polizistengehalt leisten kann. Und Steiners Chef ist natürlich in modernen Zeiten eine Chefin, namentlich Major Evelyn Leitner (Doris Golpashin). Kann man so machen, dann aber bitte nicht so kalt und farblos wie bislang gezeigt. Ähnliches gilt auch für Steiners Partner Inspektor Felix Burger (Ferdinand Seebacher). Burger ist bestimmt die Traumvorstellung aller Schwiegermütter, wirkt aber auch glattgebügelt wie ein Hochzeitshemd. Man wünscht sich ein wenig die Schrulligkeit eines Ernst Stockingers (Karl Markovics) zurück.

Vielleicht ist es aber auch ungerecht, eine Neufassung durch die Nostalgiebrille zu betrachten. Nicht umsonst lautet ein Spruch: In der Erinnerung bekommt ein rostiges Dach einen goldenen Anstrich. Halten wir einfach fest, dass das Remake von "Kommissar Rex" gut funktioniert. Und wenn man die alten Staffeln nicht kennt, funktioniert es noch etwas besser.


Wird "Kommissar Rex" Gen Z-lerin Filiz Tamara Boğa begeistern?

"Also es geht um einen Mordfall, einen um die 40-jährigen Kommissar und seinen süßen Schäfer-Hundi ..." So ähnlich habe ich meinen Freund:innen "Kommissar Rex" angeteasert. Auf den ersten Blick scheint daran nichts besonders spektakulär. Auch die Reaktionen blieben eher nüchtern. Ausgenommen vom Hund, dieser scheint Interesse zu wecken. Sofort folgen Fragen: "Wie? Ein echter Hund?", "Spielt der in jeder Folge mit?", "Wie haben die den dressiert?". Auch für mich war Rex ein ausschlaggebender Grund, mir die Serie anzuschauen. Das und die Tatsache, dass ich mich noch vage an den Röhrenfernseher meiner Tante erinnere, worauf die Serie in Dauerschleife im Hintergrund lief. Gelegentlich habe ich mich sogar aufs Sofa gesetzt und nebenbei das Geschehen am Bildschirm verfolgt - am liebsten die Action-Szenen mit dem intelligenten Vierbeiner.

- Anzeige -
- Anzeige -

90er-Flair at its best

Die allererste Folge der Original-Serie löst daher direkt Retro-Feeling aus: Das Intro könnte nicht mehr 90er-Jahre sein. Sofort zaubern mir die kitschigen, aber auch irgendwie liebevollen Darstellungen der Schauspieler:innen und Rex natürlich ein Lächeln ins Gesicht. Eventuell hat auch das Wurstbrötchen, das immer wieder über den Screen fliegt, einen Teil dazu beigetragen. Konträr zum "Heile Welt"-Intro geht es in den ersten Minuten direkt ab: Ein Bombenanschlag, schreiende Leute, die versuchen zu fliehen, eine Verfolgungsjagd mit Schießerei. Ich war überrascht, wie der Anfang mein Interesse geweckt hat.

Direkt fällt mir auf, wie viel actionreicher die erste Folge im Vergleich zur aktuellsten wirkt. Rex ist mittendrin im Getümmel und bekommt sogar eine Schusswunde ab, die nicht zu übersehen ist. Mein Tierherz blutet bei dem Anblick. Kommissar Richie kommentiert nur trocken: "Der Hund ist auch verletzt, vielleicht kann man sich später um ihn kümmern." Ganz so sympathisch wie der neue Kommissar ist dieser also nicht. Auch sein leichter Nackenklatscher und Tritt in den Hintern eines fremden jungen Langfingers lässt sehr auf den Charakter aber auch den damaligen Zeitgeist schließen. Aber keine Sorge - der Kommissar und Rex werden später, wie man erahnen mag, unzertrennlich!

Dennoch glaube ich, dass selbst diese kleinen Auffälligkeiten einige heutige Tier- und Kinderschützer nach Luft schnappen lassen. Der allgemeine Ton ist eben sehr roh und schroff, wie man es aus vielen alten Serien kennt. Heute im deutschen TV fast unvorstellbar und für manche bestimmt gewöhnungsbedürftig. Bringt man das Geschehen jedoch in den Kontext der Zeit, hat der Gesamt-Vibe etwas sehr Reales und Echtes an sich. Ich kann nachvollziehen, warum die Leute damals den kühlen Kommissar und seinen Vierbeiner in ihre Herzen geschlossen haben. Generell bekomme ich das Gefühl, dass die Beziehung der beiden in der älteren Fassung mehr im Vordergrund stand. So sieht man zum Beispiel eine herzerwärmende Szene, in der Rex seine Decke holt, um sich neben dem Kommissar ans Bett zu legen und nicht alleine einschlafen zu müssen.

Vom einsamen Wolf zum Familienvater:

In der neuesten Auflage von "Kommissar Rex" merkt man sofort den Unterschied zwischen den beiden Kommissaren. Kommissar Max ist Familienvater (mit absoluten Dad-Vibes), lebt in einem wunderschönen Zuhause und scheint allgemein etwas empathischer als sein Vorgänger. Wie seine Familien-Wohnsiedlung, macht auch die neue Fassung vielmehr den Eindruck eines ruhigen Vorstadt-Dramas. Und ja, ich weiß, dass diese ebenfalls in Wien spielt. Trotz des ebenso ereignisreichen Einstiegs, konnte mich die erste Folge der elften Staffel dieses Mal nicht lange halten. Setting und Cast haben mir einfach zu wenig Ecken und Kanten. Aber: Vielleicht ist das auch die Stärke der neuen Staffel. Das Duo ist bereits ein eingespieltes Team und kann sich blind aufeinander verlassen. Der Fokus liegt mehr auf dem Plot selbst und ist leichtere Kost. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen wirken weniger dramatisch. Für alle, die also ein Abendprogramm zum Entspannen brauchen, ist das wohl die bessere Wahl.

Filiz' Fazit

Erstaunlicherweise hat mich die alte Version mehr gepackt als die neue - trotz moderner Technologie und Setting, sowie zeitgemäßem Umgangston. Oder vielleicht gerade deshalb. Alles wirkt insgesamt nahbarer und nicht perfekt, aber auf eine gute Art! Auch wenn sich das Reboot vom Original so sehr unterscheidet, wie die Wiener Extrawurst von der salzfreien Hundewurst in der Semmel, glaube ich, dass Fans mit der neuen Fassung ein Stück Nostalgie serviert bekommen und eventuell eine neue Comfort-Binge-Serie.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken