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Verzicht auf Botox und Co.

"Lena Lorenz"-Star Eva Mattes rechnet ab: Warum der Jugendwahn die Filmbranche blind macht

Veröffentlicht:

von Annalena Graudenz

Die Schauspielerin Eva Mattes steht für Natürlichkeit.

Bild: picture alliance / ZB | Thomas Schulze


Eva Mattes steht aktuell wieder für die ZDF-Reihe "Lena Lorenz" vor der Kamera. Gleichzeitig kritisiert sie den aus ihrer Sicht übertriebenen Fokus auf Jugendlichkeit in Film und Fernsehen.

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Es geht immer um die Jugend

Mit bemerkenswerter Offenheit spricht Eva Mattes im Interview mit "t-online" über ein strukturelles Problem: "Wir haben so einen Zwang, unbedingt jung sein zu müssen", sagt sie und trifft damit einen Nerv. Für Mattes ist klar, dass diese Fixierung zu kurz greift und einen großen Teil des Publikums einfach ausblendet.

Gerade in einer alternden Gesellschaft sei es widersprüchlich, Geschichten fast ausschließlich aus der Perspektive junger Menschen zu erzählen. Ältere Zuschauer:innen seien genauso interessiert, sich auf dem Bildschirm zu erkennen, würden aber oft schlicht nicht mehr mitgedacht.

Zu wenig Rollen, zu wenig Geschichten

Besonders deutlich wird Mattes beim Thema Rollenangebote. Frauen jenseits eines bestimmten Alters würden häufig auf stereotype Figuren reduziert. "Es stimmt, dass man oft nur noch Mutter oder Großmutter spielt", erklärt sie. Eine Entwicklung, die Mattes nicht nur persönlich betrifft - sie sieht darin auch ein grundsätzliches Problem.

Dabei gäbe es aus ihrer Sicht genügend Stoff. Geschichten über Neuanfänge, über Liebe im Alter oder über Lebensbrüche. "Warum nicht einmal ein Kinofilm über eine Frau in meinem Alter, die sich noch einmal verliebt?", fragt sie. Solche Perspektiven seien rar, obwohl sie das Leben vieler Menschen widerspiegeln.

Authentisch statt künstlich

Auch beim Thema äußere Erscheinung positioniert sich Mattes. Eingriffe wie Botox lehnt sie entschieden ab. "Mir wurde noch nie nahegelegt, so etwas zu machen - im Gegenteil", sagt sie. Stattdessen bekommt sie oft positive Rückmeldungen für ihre Natürlichkeit. Für Eva Mattes gehört das Altern zum Leben dazu - sichtbar und unverstellt. "Ich möchte einfach so alt werden, wie ich eben alt werde", betont sie. Diese Haltung wirkt in einer Branche, die häufig auf Perfektion und Jugendlichkeit setzt, fast wie ein Gegenentwurf.

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Karriere zwischen Filmgeschichte und Fernsehen

Mattes begann ihre Laufbahn im Umfeld des Neuen Deutschen Films in den 1970er-Jahren und arbeitete unter anderem mit dem Regisseur Werner Herzog zusammen. Die beiden waren auch privat ein Paar und haben eine gemeinsame Tochter. Einem breiten Publikum wurde sie später als Kommissarin im Konstanzer "Tatort" bekannt.

Parallel blieb sie dem Theater treu und widmete sich immer wieder literarischen Stoffen, etwa mit Programmen über Mascha Kaléko. Diese Vielseitigkeit ist ein Markenzeichen ihrer Karriere und vielleicht auch ein Grund dafür, dass sie sich nie vollständig den Trends der Branche unterworfen hat.

Eva Mattes: "Kein Bedürfnis nach Dauerpräsenz"

Privat setzt Mattes bewusst auf Distanz zur Öffentlichkeit. Soziale Medien spielen für sie keine Rolle. "Ich habe kein Bedürfnis nach dieser Dauerpräsenz", so Mattes. Stattdessen zieht sie sich nach Dreharbeiten gern in ihr Zuhause zurück, wo sie im Garten neue Energie tankt.

Nach ihrer Trennung von Herzog lebte Mattes 30 Jahre mit dem Künstler Wolfgang Georgsdorf zusammen, mit dem sie einen Sohn hat, der ebenfalls als Schauspieler arbeitet.

Ein Plädoyer für mehr Vielfalt

Mit ihren Aussagen liefert Eva Mattes mehr als nur persönliche Einblicke - sie formuliert ein Plädoyer für mehr Mut zu anderen Geschichten und für mehr Sichtbarkeit jenseits jugendlicher Ideale. Sie ist sich sicher: Gute Geschichten kennen kein Alter.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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