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Krimi-Klassiker neu gedacht

Mein persönliches "Tatort"-Dream-Team: Diese Ermittler:innen würde ich gern zusammen im Einsatz sehen

Veröffentlicht:

von Anne O.

Das wäre mein ideales Ermittler:innen-Team beim "Tatort".

Bild: IMAGO / Panama Pictures; michalsanca_stock.adobe.com; StudioGraphic_stock.adobe.com


Bei den typischen "Tatort"-Folgen stoße ich oft auf folgende Faust-Formel, was den Cast betrifft: Maximale Gegensätze im Team sorgen für mehr Spannung und Unterhaltung. Deshalb trifft ein spießiger Kontroletti gern mal auf die cholerische Axt im Walde. Mit der Kombi würde ich brechen.

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Nicht ohne mein Team

Wäre ich Casting Director für "Tatort", würde ich mich aus dem Infinity-Pool an Möglichkeiten für folgende Ermittler:innen-Kombi entscheiden: Hamza Kulina aus Frankfurt (Edin Hasanović) sollte mit Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln. Bei diesem Dreier-Gespann sind die Unterschiede etwas subtiler. Und damit das sympathische Trio nicht zu harmonisch aufgestellt ist, tut eine Prise Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gut, als wohl dosierter Side-Kick.

Für diese Crossover-Folge könnte Hamza Kulina bei seinen Cold-Case-Ermittlungen auf einen Täter stoßen, der sowohl in Bremen als auch in Münster und Stuttgart gemordet hat. Während seine Kollegin Maryam Azadi (Melika Foroutan) in der Mainmetropole die Stellung hält, untersucht er mit den anderen Kolleg:innen vor Ort Beweise und Spuren.

Bei dieser neuen Team-Symbiose träfen instinktives Gespür des street-smarten Kulina und eine extrem empathische Moormann auf Bootz, den korrekten Paragraphen-Reiter mit Herz. Der müsste sich gegen zwei Gefühlsmenschen durchsetzen. On top gibt es den exzentrischen aber brillanten Rechtsmediziner Boerne als kalkulierten Aufreger.

Ganz große Gefühle mit Liv Moormann

Die Seele des Ermittler:innen-Trios wäre ganz klar Liv Moormann. Immerhin zeichnet sich ihr Charakter durch eine fast schon schmerzhafte Empathie aus. Sie wirkt zwar immer sehr hart, ist aber diejenige, die die emotionalen Zwischentöne hört.

Moormann ermittelt nicht nur mit dem Verstand, sondern quasi mit dem ganzen Körper. Sie saugt die Atmosphäre wie ein Schwamm auf. So stellt sie sich mit Hoodie und Beanie oft mitten in den Raum, schließt die Augen oder starrt Löcher in die Luft, um das Opfer zu "fühlen". Auf den Stuttgarter Kollegen Bootz würden ihre unkonventionellen Methoden sehr esoterisch wirken.

Außerdem ist sie im positiven Sinne distanzlos: Die impulsive Moormann geht nah an die Menschen ran, spricht mit ihnen auf Augenhöhe. Während andere schmallippig die Kommissar-Hoheit ausspielen, hockt sie sich zu den Zeugen auf die Bordsteinkante. Sie hat schließlich eine natürliche Abneigung gegen Arroganz und Titel. Da wäre Prof. Karl-Friedrich Boerne mit seinem Fremdwort-Dropping der ideale Gegenpol. Für Moormann gäbe es dann zwei Optionen: Eskalation oder sie würde seinem hochgestochenen Vortrag einfach nur ein "Moin. Kaffee? Schwarz?" entgegensetzen.

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Der Mann der Micro-Gesten: Hamza Kulina

Kulina ist ein absoluter Teamplayer und würde mit Moormann und Bootz schnell und harmonisch zusammenarbeiten. Moormann und Kulina sind beide Gefühlsmenschen, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Während Moormann Emotionen still in sich aufsaugt, funktioniert Kulina wie ein Vulkan: Seine Gefühle sind wie ein Motor für seine Handlungen.

Wenn er etwa Ungerechtigkeit spürt, wird er sofort aktiv. Sein Gefühl treibt ihn an, Türen einzutreten oder Verdächtige körperlich zu konfrontieren. Kulina ist ein sehr physischer Ermittler, seine Gefühle übertragen sich auf seine Körperhaltung. Wenn er zum Beispiel wütend ist, wird er groß, sucht den extremen Blickkontakt und dringt in die Komfortzone des Gegenübers ein. Er weiß genau, wie Kriminelle ticken, weil er mit ihnen aufgewachsen ist. Das macht ihn härter im Urteil als Moormann. Schauspieler Edin Hasanović gelingt es, mit wenigen Worten und eindrucksvollen Gesten sehr viel Botschaft zu transportieren.

Hier kommt noch eine Collage der erwähnten Kommissare

Diese Crew wünscht sich "Tatort"-Fan und Joyn-Autorin Anne O: (v.l.): Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer), Hamza Kulina (Edin Hasanović), Sebastian Bootz (Felix Klare)

Bild: IMAGO images/Joyn Redaktion/Adobe Stock


Objektivität in zwei Varianten: Boots und Boerne

Ihnen gegenüber steht der Stuttgarter Ermittler Sebastian Bootz. Er weiß sich zu beherrschen. Bootz hat über Jahre gelernt, dass Gefühle im Polizeidienst Fehler verursachen. Er nutzt Sachlichkeit als Schutzschild.

Wenn Prof. Boerne sich regelmäßig zu lange bitten lassen würde, zum Punkt zu kommen, kann auch bei ihm der Geduldsfaden reißen. Boerne liebt ja bekanntlich den dramatischen Auftritt. Besonders wenn er ein Publikum hat, das er intellektuell dominieren kann. Er nutzt sein medizinisches Wissen nicht nur zur Aufklärung, sondern als Bühne. Niemals wird er einfach antworten: "Todesursache war Gift." Er beginnt stattdessen mit einer historischen Abhandlung über die Toxikologie im 18. Jahrhundert.

Der wunde Punkt der Ermittler:innen

Zusätzliche Spannung käme in der Folge auf, wenn Gefahr für Jugendliche im Verzug wäre. Gerade wenn die Gewaltopfer im "Tatort" jünger sind, trifft es Ermittler:innen, die Eltern sind, besonders hart. In dieser Zusammenstellung wäre das Bootz. Die Beziehung zu seinen Kindern Maja und Henri ist sein emotionaler Anker, aber auch seine Achillesferse. Er leidet oft unter dem schlechten Gewissen, nicht genug Zeit für sie zu haben, und kämpft mit den logistischen Tücken des Wechselmodells.

In der Episode "Der Inder" ging es zum Beispiel um einen indischstämmigen Jungen, der unter mysteriösen Umständen während einer Klassenfahrt stirbt. Bootz musste in die Themen Mobbing, Leistungsdruck und Ausgrenzung eintauchen. Bei Folgen wie diesen steht seine Empathie als Vater im Vordergrund. Die Hilflosigkeit der Eltern des Opfers spiegelt seine eigenen Ängste wider. Dann verliert sogar er seine übliche professionelle Distanz.

Kollegin Moormann kämpft dagegen regelmäßig noch mit ihrer eigenen Kindheit. In manchen Fällen - etwa in "Neugeboren" oder „Liebeswut“ - spielt die schmerzhafte Beziehung zu ihrer Mutter eine wichtige Rolle. In Rückblenden erfahren wir, dass die Bremer Kriminalkommissarin aus einem schwierigen sozialen Umfeld stammt. Sie nimmt eine sehr intensive, fast schon schwesterliche Rolle gegenüber jungen Opfern oder vernachlässigten Jugendlichen ein. Sie sieht in ihnen oft sich selbst.

Auch Kulina hat einen besonderen Gerechtigkeitssinn für Jugendliche, die drohen, auf die schiefe Bahn zu geraten. Vermutlich, weil er selbst diese Entscheidung treffen musste.

Fazit: Die perfekte Balance der Kompetenzen

Jede:r dieser vier Charaktere besetzt also eine psychologische Nische, die den anderen fehlt: Bootz ist der Anker, der die Struktur liefert. Durch ihn hält sich das Team ans Gesetz. Der Ermittler behält auch dann die Ruhe, wenn es brenzlig wird.

Kulina steht für den untrüglichen Instinkt. Der Frankfurter mit bosnischen Wurzeln bringt die Energie und die Street Credibility mit. Er bricht den Widerstand der Straße, an dem Bootz scheitern würde.

Kriminalkommissarin Moormann sieht dafür die unsichtbaren Wunden. Sie findet die Wahrheit dort, wo keine eindeutige Spur hinführt.

Rechtsmediziner Boerne punktet mit chirurgisch-präzisem Verstand. Der ulkige Forensiker liefert die kalte, brillante Analyse. Er ist das Korrektiv, das Emotionen durch Fakten ersetzt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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