Sitcom-Kontroverse
Wegen Raj-Witz: "The Big Bang Theory"-Produktion verklagt
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von Lars-Ole GrapPenny (Kaley Cuoco, l.) und Raj Koothrappali (Kunal Nayyar, r.) in "The Big Bang Theory".
Bild: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/CBSpicture alliance / Mary Evans/AF Archive/CBS | AF Archive
"The Big Bang Theory" ist der Sitcom-Dauerbrenner, der in zwölf Staffeln ein Millionenpublikum begeisterte. Größere Skandale oder Kontroversen gab es in der langen Zeit kaum. Doch ausgerechnet eine Episode aus der frühen zweiten Staffel sorgte 15 Jahre nach der Erstausstrahlung für ein unerwartetes Nachspiel.
Umstrittene Äußerung in "Big Bang Theory": 15 Jahre nach Ausstrahlung kam die Beschwerde
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Folge "The Bad Fish Paradigm", die mit dem skurrilen deutschen Titel "Milch mit Valium" hierzulande ausgestrahlt wurde. Die Episode dreht sich zunächst um Pennys Unsicherheit: Sie möchte Leonard beeindrucken und schämt sich dafür, keinen College-Abschluss zu besitzen. Dieses Geheimnis vertraut sie Sheldon an - ohne zu ahnen, dass sie ihn damit in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt. Aus Sheldon-typischer Überforderung entfaltet sich eine Kette von Missverständnissen, die schließlich dazu führt, dass er kurzfristig bei Raj einzieht.
Genau dort spielt sich die Szene ab, die Jahre später für Diskussionen sorgen sollte. Während die beiden einen indischen Film ansehen, geraten sie in eine leidenschaftliche Debatte über die Bollywood-Stars Aishwarya Rai und Madhuri Dixit. Sheldon meint provozierent, Raj sei "eine schlechte Kopie von Madhuri Dixit". , Raj sagt daraufhin empört, Aishwarya Rai sei eine Göttin, und im Vergleich dazu sei Madhuri Dixit "eine leprakranke Prostituierte".
Schon 2008 war das kein besonders subtiler Vergleich - mehr ein überspitztes Beispiel dafür, wie sich Fans in hitzige Übertreibungen hineinsteigern. Doch damals blieb die Szene weitgehend unbeachtet. Das änderte sich 2023, als Mithun Vijay Kumar, ein politischer Analyst und großer Bewunderer von Madhuri Dixit, der die Szene wiederentdeckte und sich so sehr daran störte, dass er einen offiziellen Beschwerdebrief an Netflix schickte.
Er empfand die Formulierung als beleidigend und verletzend und kritisierte, Unternehmen wie Netflix müssten sensibler mit kulturellen Werten und Gefühlen umgehen. In seinem Schreiben betonte er, der Ausdruck sei "nicht nur beleidigend und zutiefst verletzend, sondern zeigte auch eine Missachtung ihrer Würde".
Trotz Beschwerde unverändert: Die umstrittene "Big Bang Theory"-Episode ist weiter abrufbar
Netflix verwies darauf, dass man selbst nicht Produzent der Serie sei, und leitete die Beschwerde an den Lizenzinhaber Warner Bros. weiter, wie Kumar in einem Statement auf Netflixs Antwort bekannt gab.
Ich hoffe, dass Warner Bros. (…) sicherstellen wird, dass ihre Inhalte frei von derart beleidigender Sprache gegenüber Menschen und Kulturen sind.
Allerdings passierte daraufhin nichts weiter. Weder das Studio noch die beteiligten Schauspieler äußerten sich, ebenso wenig Madhuri Dixit oder Aishwarya Rai. Die Episode ist auch zwei Jahre nach Einreichen der Beschwerde weiterhin abrufbar - ohne nachträgliche Bearbeitung der Folge.
Interessant ist, wie stark die Wahrnehmung von Humor sich über die Jahre verändert: Was 2008 als fiktionaler Streit zweier Serienfiguren gedacht war, wirkt heute schnell diskriminierend oder geschmacklos. Dabei ist durch die Szene weder Dixits Karriere geschädigt worden noch ein nachhaltiger Skandal entstanden. Es wird jedoch deutlich, wie Inhalte aus längst vergangenen TV-Zeiten im heutigen Kontext neue Bedeutung und Sprengkraft erhalten können.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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