Effekt-Fails, aber tolle Hüte
Schrecklich und doch Pflicht für den Sci-Fi-Fan: Darum sollten alle den "Dune"-TV-Dreiteiler gesehen haben
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von Martin HaldenmairIn der gemalten Wüste bereit, den CGI-Wurm zu reiten: Paul (Alec Newman) in der Fernsehserie "Dune - Der Wüstenplanet" von 2001.
Bild: © VICTOR TELEVISION PRODUCTION
Das Buch "Dune" galt lange als unverfilmbar, wurde aber inzwischen dreimal verfilmt - und zwar in sehr unterschiedlichen Versionen: als surrealer Trip von David Lynch, als realistischer Kassenschlager von Denis Villeneuve - und als campy TV-Dreiteiler von John Harrison. Letzterer ist ganz wundervoll schrecklich. Warum ihn jede:r sehen sollte!
Von Fan für Fans
Alle sind scharf auf "Spice", das Erdöl der Zukunft, ohne das keine Raumfahrt möglich ist. Die Prämisse für die Romantrilogie "Der Wüstenplanet" ist einfach, die gesamte Story des Schinkens ausufernd komplex. Während sich Lynch in seinem 1984er-Film nur grob daran orientierte, Villeneuve sie auf das Wesentliche eindampfte, kämpfte sich Science-Fiction-Nerd John Harrison durch das Werk, um den ersten Band in sechs Stunden möglichst genau zu erzählen.
Wer also am Buch klebt, kommt auf seine Kosten. Die Charaktere nehmen sich in bewährten "Wie du ja weißt"-Dialogen ausgiebig Zeit, uns das Imperium zu erklären. Bedeutungsschwangere Intonation? Immer gerne! Ausladende Gesten? Her damit! Vieles an dieser Verfilmung wirkt wie Theater, manches nach Schultheater - aber immer nach (Schul-)Theater mit ganz viel Liebe und Ambitionen. Besondere Genießer: die Bösewichte.
Hier findest du alle Folgen des Dreiteilers "Dune - Der Wüstenplanet"
Bösesein macht Spaß
Stellan Skarsgård in Villeneuves "Dune" spielt den Baron Harkonnen als besonnenes Monster. Bei Lynch war Kenneth McMillans Harkonnen ein von Hautkrankheiten gezeichneter, verschwitzter Sadist. Und hier, verkörpert von Ian McNeice, ist er einfach verdammt gut drauf. Fröhlich glucksend schwebt er durchs Bild, freut sich über die Intrigen, die er spinnt, behält sich ein Gläschen Wein, eine Schnupfdose Spice und (mindestens) einen hübschen jungen Mann meist in Griffweite.
Immer im schrägen Winkel gefilmt wie ein Batman-Schurke aus den 1960ern, ist jeder seiner Auftritte ein Hingucker. Schrecklich, aber mitreißend. Einprägsam wie ein Autounfall. Nichts gegen den eiskalten Baron von karsgård, aber McNeice drücke ich ein bisschen die Daumen, so viel Spaß hat er an seiner Vendetta.
Greller Schurke (Ian McNeice) vs. askethisches Monster (Stellan Skarsgård).
Bild: © VICTOR TELEVISION PRODUCTION; IMAGO/ © Capital Pictures
Planet der Hüte
Der oscarprämierte Kostümdesigner Theodor Pištěk stattete schon "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" mit fantasievollen Gewändern aus. Beim "Wüstenplaneten" konnte er sich so richtig austoben: Die Roben der Adeligen schimmern in allen Farben, mit den Epauletten der Uniformen könnte man anderen Leuten die Augen ausstechen, und was in Sachen Kopfbedeckungen für den Aschenputtel-Film zu extravagant gewesen wäre, passt hier ganz natürlich rein.
Kegel, Halbmonde und Sicheln - Hüte gibt es dort in allen Formen, dazu Kappen mit Troddeln, Berets so groß wie Kissen (getragen von gefürchteten und mörderischen Sardukar, die sich mal was gönnen wollten) und Flügelhauben, die das halbe Zimmer ausfüllen. Auch wenn nichts an die spacige Unterhose herankommen wird, die Sting in Lynchs "Wüstenplanet" trug, sind die Kostüme manchmal mehr Ablenkung von der Story als Teil davon. Besonders wenn Paul am Ende als siegreicher Heerführer mit Karate-Kid-Stirnband den Imperator herausfordert, muss ich schon sehr glauben wollen, dass das jetzt tatsächlich passiert. Andererseits: Irgendwie will ich das auch.
Giftige Fingernägel und eine Mörder-Haube: Die Bene-Gesserit-Hexe (Zuzana Geislerová, rechts) prüft den angeblich 16-jährigen Paul (Alec Newman, damals 27 Jahre alt).
Bild: © VICTOR TELEVISION PRODUCTION
Spice und Camp
"Dune - Der Wüstenplanet" macht Spaß. Vielleicht nicht aus den Gründen, die die Macher gerne hätten, aber damit müssen sie leben und nicht ich. Ich kann spüren, wie viel Liebe und Ideen in diese Verfilmung geflossen sind. Manche Ideen funktionieren auch: Der Palast des Imperators beispielsweise ist eine fantasievolle Kulisse, bei der ich mir vorstellen kann, dass dort viele Menschen leben und ihre Intrigen spinnen.
Andere Elemente wie die Harkonnen sind einfach so komplett drüber, dass sie wieder lustig werden. Ja, zugegeben: Manche Details wie die Effekte und die eine oder andere bedeutungsschwangere Szene sind ein Fehlschlag, aber geschenkt: Manchmal bin ich einfach in Stimmung für Sci-Fi-Schultheater und dann muss diese Reihe her!
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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