Mehr Hirn, weniger Anime-Action
Watch-Tipp unserer Joyn-Redakteurin: Warum die "Tagebücher der Apothekerin" überraschend gut funktioniert
Veröffentlicht:
von Nicola SchillerDrama am kaiserlichen Hof? Redakteurin Nicola (l.) taucht ein ins 2-D-Abenteuer und begibt sich mit Maomao (r.) auf neue Anime-Pfade.
Bild: Hyuganatsu, Imagica Infos/"The Apothecary Diaries"Project; Nicola Schiller
Bereit für etwas völlig anderes? Anime-Anfängerin Nicola verlässt das Action- und Fantasy-Genre und lässt sich auf ein düsteres historisches Drama ein. "Die Tagebücher der Apothekerin" lockt mit Intrigen, Machtspielen und einer untypischen Anime-Heldin.
Von Monster-Jagd zu Hof-Intrigen: Ein unerwarteter Genre-Wechsel
Nach meinen Kritiken zu "Solo Leveling" mit spektakulären Action-Sequenzen und "Dragonball" mit dem angestaubten 80er-Jahre-Charme, dachte ich mir: Okay, jetzt wird es Zeit für etwas Abwechslung! Vielleicht mal ein ruhigeres Anime-Format mit Fokus auf Story und Dialoge? "Die Tagebücher der Apothekerin" verspricht genau das: medizinische Rätsel, historisches Drama, eine starke, intelligente Protagonistin am Kaiserhof im alten China - ich freu mich drauf!
Wie Wednesday Addams in China: Maomaos trockener Humor gefällt mir
Die clevere Maomao besitzt ein umfangreiches Wissen über Drogen und Heilkräuter aller Art. Die junge Frau lebt ein relativ ruhiges Leben in einem chinesischen Freudenviertel und arbeitet in einem Bordell. Ja, wirklich - aber nicht als das, was du jetzt denkst, sondern als Apothekerin. Schnell wird auch deutlich, dass sie recht wenig von der Tätigkeit hält, die die anderen Damen dort ausüben, wie sie uns ganz direkt mitteilt: "Ich als Dirne! Eher friert die Hölle zu!"
Doch wie sollte es anders sein, ihre heile Welt kommt schon in Folge eins ins Wanken. Denn sie gerät in die Fänge von Menschenhändlern und wird in den kaiserlichen Palast verkauft.
Viel Vorgeplänkel gibt es nicht, wir lernen kurz ihren Alltag kennen und schon geht's ab in den Palast. Während sie dort ihre neue Position als Dienerin erklärt, merke ich: Maomao hat diese gleichgültige, monotone und trockene Art, die mich irgendwie an Wednesday Addams erinnert und mich immer wieder zum Schmunzeln bringt.
Zum Anime-Palast!
Ein geheimnisvoller Fluch und eine mögliche Liebelei?
Schon die erste Folge weckt auch mein Interesse in Sachen Mystery. Denn wir erfahren von einem ominösen Fluch, der die kaiserlichen Kinder heimsuchen soll. Mehrere Nachkommen des Herrschers sind bereits krank geworden, manche sogar gestorben.
Eigentlich möchte sich Maomao gar nicht mit dem Getratsche am Hof beschäftigen, aber irgendwie ist sie dann doch interessiert. Sie forscht nach, kombiniert die Symptome und zweifelt schnell an einer übernatürlichen Ursache.
Ein mögliches Love-Interest darf ebenfalls nicht fehlen. Der hochrangige Eunuch Jinshi ist ein gehypter Schönling, auf den alle Mägde am Hof total abfahren. Überall wo er auftaucht wird gegeiert und gekichert was das Zeug hält. Nur Wednesday, äh Maomao, hält sich zurück. Sie findet ihn zwar auch attraktiv, was ihr an einem potentiellen Partner allerdings viel wichtiger ist: Hat er auch etwas im Kopf? Das wiederum bezweifelt sie bei Jinshi stark.
Doch Jinshi ist nicht nur ein hübsches Gesich: Mit einem cleveren Trick entlarvt er die wahre Identität unserer Protagonistin, was ihr zu einer Beförderung am Hof verhilft.
Maomao und Jinshi scheinen also intellektuell auf Augenhöhe zu sein, man könnte meinen es knistert. Allerdings nicht ohne einen komischen Beigeschmack, denn Maomao sieht zirka zehn Jahre jünger aus als er.
Zum Anime-Palast!
Giftige Spielchen
In Folge zwei, wird dann deutlich, dass der Arzt doch nicht so ein lieber Kerl ist. Er scheint einen Plan auszuhecken, Maomao schöne Augen zu machen, um sich ihr Wissen anzueignen.
Und auch ihr neuer Job am Hof ist nicht ohne. Sie ist jetzt Vorkosterin der Hoheit Gyokuyo. Dafür gibt es zwar mehr Geld, trotzdem bemitleiden die anderen Zofen Maomao dafür. Schließlich wurde ihre Vorgängerin durch ein vergiftetes Gericht gelähmt.
Fazit: Wenn Sherlock Holmes auf Wednesday am chinesischen Kaiserhof trifft
"Die Tagebücher der Apothekerin" ist definitiv anders als alle Animes, die ich bisher gesehen habe. Das historische Setting, die Intrigen, die politischen Welt im alten China - das packt mich und macht Lust auf mehr. Nachdem ich mich durch Explosionen, Powerlevel und dramatische Transformationen gekämpft habe, tut es überraschend gut, eine animierte Serie zu entdecken, die auf Verstand statt auf Lautstärke setzt.
Maomao selbst ist eine großartige Protagonistin: Sie kombiniert Hinweise wie Sherlock Holmes, beobachtet ihre Mitmenschen mit der emotionalen Distanz von Wednesday Addams und tut dabei so, als würde sie sich gar nicht für die ganze Hofpolitik interessieren. Dabei ist sie längst mittendrin.
Wie wird sich Maomaos Rolle am Hof entwickeln? Welchen Rätseln wird sie sich noch stellen müssen? Und wird dieses intellektuelle Knistern zwischen ihr und Jinshi zu etwas führen, oder wird er womöglich zu ihrem Gegner am Hof?
Ab dem 22. Mai kannst du "Die Tagebücher einer Apothekerin" auf Joyn streamen. Bis dahin findest du dort schon jetzt reichlich Anime-Nachschub.
Ermittle mit "Detektiv Conan" auf Joyn
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
Mehr entdecken

Angelehnt an die Verbotene Stadt
Die Tagebücher der Apothekerin - So behältst du im Kaiserpalast den Überblick

Deutsche TV-Premiere
"Die Tagebücher der Apothekerin" bald rezeptfrei auf Joyn und im TV

Filme und Specials
"Penguin Highway" streamen: Die Highlights für Anime-Fans im Mai 2026
Ein Meisterwerk aus Japan
Ohne diesen Anime hätte es "Inception" vielleicht nie gegeben

Filme und Specials
Alle Anime-Hits im April 2026 auf ProSieben MAXX

Actionreicher Freitag
Anime-Film-Hits auf ProSieben MAXX im März

