Meinung
"Diese Kommissare bei ARD und ZDF finde ich richtig ätzend"
Veröffentlicht:
von Claudia FrickelDiesen beliebten Ermittlern aus bekannten Krimi-Reihen kann die Autorin nichts abgewinnen.
Bild: IMAGO / Sven Simon / picture alliance / dpa / ZDF / Erika Hauri
Dutzende Kommissar:innen ermitteln bei ARD und ZDF - manche sind Kult, andere treiben mich in den Wahnsinn. Und genau über die will ich reden.
Was finden bloß alle an diesen Krimis?
Es gibt Serien und Krimis, bei denen man fast das Gefühl hat, sie mögen zu müssen. Jede neue Episode scheint ein Ereignis zu sein, die Einschaltquoten sind hoch, und am nächsten Tag erzählt gefühlt jede:r begeistert davon. Na ja, fast jede:r. Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich ziemlich groß, dass ich nach ein paar Minuten genervt ausschalte.
Ich bin selbst manchmal überrascht, wenn ich vor dem Fernseher sitze und denke: Was finden eigentlich alle daran? Das liegt aber meistens nicht an den Fällen, am Setting oder an der Dramaturgie.
Es sind die Ermittler:innen, die mich zur Fernbedienung greifen lassen. Das Kuriose: Genau diese Kommissar:innen und andere Hauptfiguren haben bei vielen Zuschauer:innen längst Kult-Status erreicht. Ich dagegen kann den Hype überhaupt nicht nachvollziehen - zum Beispiel bei den "Tatort"-Folgen aus Münster.
Thiel und Boerne aus dem Münsteraner "Tatort": Da bin ich raus
Frank Thiel (Axel Prahl, l.) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) gelten als eines der beliebtesten Ermittler-Teams beim "Tatort".
Bild: picture alliance / dpa
Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) erklärt mit unerträglicher Arroganz, dass sowieso niemand außer ihm den Fall versteht. Kommissar Frank Thiel (Axel prahl) reagiert darauf, indem er genervt die Augen verdreht und einen trockenen Kommentar hinterherschiebt. Soweit, so gähn!
Denn das ist eine typische Szene aus dem Münsteraner "Tatort" - und könnte sich genau so in jeder einzelnen Folge abspielen. Anfangs mag das ja noch ganz lustig gewesen sein. Aber mal ehrlich: Nach über 20 Jahren wirkt das alles wie ein endloses Déjà‑vu. Das wirkt alles so, als hätte ich es schon mal gehört: Ich warte eigentlich nur noch darauf, wann der nächste doofe Spruch kommt.
Bei 48 Fällen hat das ungleiche Duo sein Comedy-Programm abgespult. Findet wirklich jemand den ständigen Schlagabtausch witzig? Ich habe gar nichts gegen Witz und Ironie. Bei "Wilsberg" zum Beispiel funktioniert das für mich aber besser, weil er eher aus den Figuren entsteht und weniger Selbstzweck ist. Aber wenn Boerne und Thiel fast nur von ihren eigenen Gags leben, bin ich halt raus.
Alle Spürnasen in "Der Alte"
Caspar Bergmann (Thomas Heinze) und Annabell Lorenz (Stephanie Stumph) lösen in der ZDF-Reihe "Der Alte" immer wieder knifflige Fälle.
Bild: ZDF und Erika Hauri
Mit "Der Alte" bin ich quasi aufgewachsen. Die Krimis waren freitagsabends Pflichtprogramm, damals noch mit Siegfried Lowitz als Hauptfigur Erwin Köster. Aber anders als beispielsweise "Ein Fall für zwei" fand ich den "Alten" immer unsagbar langweilig. Das Tempo war extrem gemächlich, aber trotzdem wurde am Ende der 60 Minuten jeder Fall sauber gelöst.
"Der Alte" ist die Krimi-Serie im ZDF, die am längsten läuft - seit unglaublichen 50 Jahren - fast. Aber auch die vier Kommissare, die auf Erwin Köster folgten, haben mich nicht mit der Reihe versöhnt.
Das Problem war nämlich nicht Köster, sondern die Serie selbst. Egal, wer die Fälle löste: Alles war und ist immer schön ordentlich und vorhersehbar. Die Ermittler:innen machen ihren Job, befragen Zeug:innen, kombinieren die Hinweise und überführen die Täter:innen. Dagegen will ich gar nicht meckern. Aber es fehlen halt Überraschungen und Charaktere, die auch mal aus dem Rahmen fallen. Die Serie tut niemandem weh, verblüfft nicht und verändert sich nur minimal.
Thomas Heinze als aktueller Kommissar und sein Team bringen immerhin etwas frischen Wind in die verstaubte Reihe. Aber vielleicht bin ich nach so langer Zeit einfach "Der Alte"-müde.
Anders als die Münster-"Tatorte" finde ich die ZDF-Serie nicht nervig. "Der Alte" löst bei mir, egal wer ihn gerade spielt, vor allem eins aus: Gleichgültigkeit.
"Tatort"-Folgen mit Schimanski
Götz George ermittelte als Horst Schimansk in fast 50 Kriminalfällen.
Bild: imago images/United Archives
Manche sagen ja, dass früher alles besser war. Beim "Tatort" bin ich mir da allerdings nicht so sicher. Einer der kultigsten Ermittler überhaupt ist nämlich gleichzeitig eine der unerträglichsten: Horst Schimanski (der bereits gestorbene Götz George).
Miese Laune, sexistische Sprüche, ständiges Gefluche und Alleingänge: Der Mann ist einfach eine Zumutung. Er trinkt zu viel Alkohol und isst ständig Currywurst - wenn er nicht irgendwelche Frauengeschichten hat. Seine Macho-Show galt damals vielleicht als unangepasst und darum cool. Der Ermittler durfte zwischen 1981 und 2013 Duisburger Verbrechen aufklären: insgesamt 29-mal im "Tatort" und anschließend 17-mal in "Schimanski"-Filmen.
Aus heutiger Sicht ist das Gehabe des "Ruhrpott-Rambos" beinahe unfreiwillig komisch. Der wilde Einzelgänger mit Dauerwut, der zur Not auch mal mit der Faust reagiert: Das wirkt eher wie eine einzige große Inszenierung von Männlichkeit. Wie kann es bloß sein, dass das Raubein noch Jahre später zum beliebtesten "Tatort"-Kommissar gewählt wurde?
Ja sicher, ein Beamter mit Ecken und Kanten ist nicht so farblos wie "Der Alte". Aber muss es dafür gleich so laut und derb werden? Wenn irgendwo ein Schimanski-Krimi läuft, zappe ich jedenfalls weg - oder gucke mal kurz rein, wenn ich mich freuen will, dass sich die Zeiten geändert haben.
Du liebst spannende Krimis?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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