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Für ihre Rollen geht sie weit

"Babylon Berlin"-Star Liv Lisa Fries: Darum ließ sie sich Leichen zeigen

Veröffentlicht:

von teleschau - Jürgen Winzer

Preissammlerin: Im Mai 2025 wurde Liv Lisa Fries mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Die "Lola" war bereits die 14. Auszeichnung, die sie erhielt.

Bild: 2025 Getty Images/Andreas Rentz


Für die meisten ist Liv Lisa Fries die Charlotte aus "Babylon Berlin". Dabei hat die Schauspielerin viel mehr erreicht - und zwar schon vor dem Erfolg der Serie.

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Liv Lisa Fries? Da kommen schon noch einige ins Zweifeln, wer das ist. "Das ist die Charlotte aus 'Babylon Berlin'!" Dann ist alles klar. Die spektakuläre und teuerste Serie der deutschen TV-Geschichte - viele sagen auch, es sei die beste aller Zeiten - machte die waschechte Berlinerin zum Star. Aber, was die Auszeichnungen angeht, war die heute 35-Jährige das schon vorher. Denn sie wurde schon lange vor "Babylon Berlin" mit großen Filmpreisen (Günter-Strack-Fernsehpreis, Nachwuchspreis bei der Goldenen Kamera, Max-Ophüls-Preis, Bayerischer Filmpreis, Preis der deutschen Filmkritik) ausgezeichnet.

Durch "Babylon Berlin", dessen fünfte und letzte Staffel am 19. September und 25. September mit je vier Folgen ab 20:15 Uhr im Ersten und über den ARD-Livestream auf Joyn ausgestrahlt werden, kamen weitere Preise (Grimme-Preis, deutscher Schauspielpreis) hinzu. Und danach war immer noch nicht Schluss: Letztes Jahr erhielt sie für die Hauptrolle in der Filmbiografie "In Liebe, Eure Hilde" den Deutschen Filmpreis. Und trotz allem wirkt es, als sei Liv Lisa Fries immer noch am Anfang. Vielleicht, weil sie sich gerne mal rar macht. Beruflich wie privat.


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Für eine Rolle begutachtete sie sogar Leichen

Sie hetze nicht von einem Projekt zum anderen, sagte sie in einem Interview mit der "Berliner Zeitung". Sie vertraut ihrer Intuition beim Lesen eines Skripts. "Wenn sich das nicht echt anfühlt, will ich's lieber lassen", sagte sie. Mal nicht ständig im Hamsterrad des Drehalltags zu sein, findet sie keinesfalls beunruhigend. "Ich habe keine Angst vor der Ruhe, und ich würde sogar behaupten, ich habe auch keine Angst vor der Arbeitslosigkeit. Ich würde das nicht beschwören wollen, aber wenn mich eine Rolle gar nicht berührt und nicht inspiriert, würde ich auch etwas anderes machen. Ich meine das ernst."

Allerdings: Wenn sie eine Rolle packt, dann gibt sie ziemlich viel. Eigentlich alles. Beispiel: Als sie sich auf ihre Rolle als Gerichtsmedizinerin in "Hinterland" (2021) vorbereitete, besuchte sie die Charité in Berlin. Und ging bei der Recherche sehr tief - bis ins Innerste von gestorbenen Menschen. "Das war ein heftiges Erlebnis. Mir war das gar nicht klar, dass um 7:30 Uhr in dieser Stadt parallel fünf Leichen aufgeschnitten werden", erzählte sie der "Berliner Zeitung".

Oder: In dem Film "Und morgen bin ich tot" (2013) spielt sie eine an Mukoviszidose erkrankte Frau. Für die Rolle nahm sie zehn Kilogramm ab. Und, um sich in das Leben mit der Stoffwechselkrankheit hineinzuversetzen, das vor allem die Lunge schädigt, rannte sie durch Treppenhäuser - und atmete dabei durch einen Strohhalm. Die akribische Arbeit am Rande des Method-Actings lohnte sich - sie wurde mit drei Filmpreisen ausgezeichnet.


Liv Lisa Fries: Natalie Portman aus "Léon - Der Profi" war ihr Vorbild

Alles begann 2002. Da hatte Liv Lisa Fries, Tochter eines Matrosen und einer Schiffs-Stewardess, die sich auf einem Schiff der Handelsmarine kennenlernten, ihren ersten TV-Auftritt. Ihr Vorbild war die junge Natalie Portman, die mit 13 in "Léon - Der Profi" so begnadet spielte. Das wollte sie auch. Sie erhielt eine Rolle in "Elementarteilchen" - aber die wurde dann doch rausgeschnitten. Ein Jahr später, 2007, kam dann "Schimanski - Tod in der Siedlung" ins Fernsehen. Mit der noch 16-jährigen Liv Lisa Fries in der tragenden Rolle einer Jugendlichen aus ziemlich kaputtem Elternhaus.

Liv Lisa Fries entwickelte sich zur Schauspielerin für besondere Rollen. In "Sie hat es verdient" (2011) spielte sie eine Jugendliche, die eine Schulfreundin so malträtiert, dass diese an den Folgen der Misshandlungen stirbt. Sie tat es so gut, dass es die ersten Preise gab.

Trotz all der guten Filme und Auszeichnungen flog Liv Lisa Fries für das große Publikum lange unter dem Radar. Bis "Babylon Berlin" kam. Seither wird sie auch erkannt, wenn sie privat unterwegs ist. Ein Italiener flippte vor Freude beim Zufallstreff in der Berliner U-Bahn aus, weil er mithilfe von "Babylon Berlin" Deutsch gelernt hatte. Und einmal wurde sie erkannt, als sie an einer Veranstaltung von "Fridays for Future" teilnahm. Was sie häufiger getan hat, aus folgendem Grund: "Ich sehe mich nur dazu gezwungen. Ich bin keine Politikerin oder Öko-Aktivistin. Der eigentliche Skandal ist doch, dass von politischer Seite nichts passiert."

Wenn's mir zu viel wird, krieg ich Bauchschmerzen.

Liv Lisa Fries

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Zu intensiv in Rollen eintauchen, zu häufig auf der Straße erkannt werden. Oder auch in lärmender Kneipe stehen und sich nicht unterhalten können. In Situationen, die für sie stressig werden, kann sie sich im wahrsten Sinne des Wortes auf ihr Bauchgefühl verlassen - sie kriegt dann Bauchschmerzen. "Das kriege ich immer, wenn mir etwas zu viel wird, dann reagiert mein Körper darauf. Ich muss so eine Situation dann am besten baldigst ändern."

Berlins Stadtteil Pankow sei zwar "ihr Kiez", aber seit 2020 lebt sie auch in Brandenburg, abgeschieden in einem Dorf. Es sei nur "ein bisschen Stadtflucht" gewesen, erklärte sie der "Berliner Zeitung". Aber wenn sie spazieren geht, genießt sie die Weite, die ihr in Berlin fehlt. Und auch die innere Ruhe und Entspannung.

Aber: "Ich denke jetzt nicht daran, Eremit zu werden. Ich habe in meinem Beruf sehr viel mit Menschen zu tun, und ich möchte Berlin auch nicht missen. Die Kinos, Theater und Bars, das Leben hier. Die Stadt ist der Ausgangspunkt meines Seins. Ich werde mal in der Stadt und mal auf dem Land sein." Ob sie das alleine oder mit einem Partner oder einer Partnerin tut, darüber ist nichts bekannt. Liv Lisa Fries hält ihr Privatleben konsequent aus der Öffentlichkeit heraus.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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