Exklusiv-Interview
Schauspielerin Ursula Strauss über Frauenrechte und Haltung: "Wir können das nur gemeinsam schaffen"
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von Rebekka LindlUrsula Strauss redet über unbezahlte Fürsorgearbeit und warum Haltungzeigen attraktiv macht.
Bild: IMAGO/Bernd Alfanz; Adobe Stock/teracreonte
Eigentlich war Ursula Strauss im Interview, um über ihre neue Krimi-Reihe "Tiroler Blut" zu sprechen. Doch im Gespräch teilte die Schauspielerin ihre ganz persönliche Sicht auf den Feminismus. Ein wichtiges Thema, das hier unabhängig von der Schauspielerei in den Fokus gerückt werden soll.
Starke Frauenfigur als Ermittlerin und privat
In der neuen Krimi-Reihe "Tiroler Blut" verkörpert Ursula Strauss als Chefinspektorin Fanny Gruber eine facettenreiche Ermittlerin. Zwischen der Sorge um ihren Sohn und familiären Reibungen steht sie in ihrer Führungsposition unter enormer innerer Anspannung. Trotz des Drucks, den Erwartungen ihres Vaters gerecht zu werden und sich als Frau an der Spitze Respekt zu verschaffen, geht Fanny ihren eigenen Weg und beweist wahre innere Stärke.
Frauenrechte sind zerbrechlich
Ursula Strauss ist vor allem eines wichtig: Sichtbarkeit. Im Gespräch betont die Schauspielerin immer wieder, man müsse über bestehende Missstände schlicht "reden, reden, reden". Heute halten wir viele Fortschritte, wie wählen oder arbeiten gehen für selbstverständlich. Auch die Eröffnung eines eigenen Bankkontos war Frauen bis zum Gleichberechtigungsgesetz 1958 oft nur mit Zustimmung ihres Ehemannes möglich. Ursula Strauss erinnert sich an ihre eigene Mutter: "Meine Mama, die leider inzwischen verstorben ist, hatte lange Zeit kein eigenes Konto. Ich glaube, sie hatte nie eines. Sie musste damals in den 70er-Jahren tatsächlich noch meinen Vater um Erlaubnis fragen, ob sie arbeiten gehen darf. Mein Vater hätte nie Nein gesagt, aber die Zeit war damals so geregelt".
Gemeinsam statt gegeneinander
Feminismus ist keine reine Frauensache - er betrifft Männer genauso und funktioniert nur im Miteinander. Wenn abfällige Sprüche fallen oder übergriffige Gesten passieren, ist auch männliche Zivilcourage gefragt, denn die Zahlen zu Gewalttaten an Frauen sind erschreckend hoch.
Ursula Strauss findet dafür im Gespräch deutliche Worte:
Männer gelten traditionell als das 'starke Geschlecht'. Na wunderbar, dann seid doch stark und helft uns! Jeder Mann hat schließlich eine Mutter, eine Schwester oder eine Tochter.
Unbezahlte Arbeit braucht faire Anerkennung
Ursula Strauss spricht eine strukturelle Schieflage an, die für viele Frauen und Mütter eine alltägliche Realität darstellt: die unbezahlte Fürsorgearbeit. Aus ihrer Sicht handelt es sich um eine gravierende Gerechtigkeitslücke. Da diese Fürsorgearbeit fast ausschließlich im privaten Raum stattfindet, wird sie gesellschaftlich oft als selbstverständlich hingenommen und gar nicht erst als echte Anstrengung oder Arbeit wahrgenommen. Für Strauss ist klar: "In einer Demokratie sollte es machbar sein, diese Beiträge fair anzurechnen. Das Mindeste wäre, diese Leistung endlich sichtbar zu machen und wertzuschätzen."
Warum Frauen sich gegenseitig stärken sollen
Ursula Strauss gibt einen klaren Rat gegen Selbstzweifel und Unsicherheiten:
"Hört auf mit Social Media! Wenn man sich unsicher fühlt und merkt, dass einem das als junge Frau oder junger Mensch nicht guttut, dann bitte: Macht eine Pause. Denn unser großes Problem - gerade bei Frauen - ist dieses ständige Vergleichen mit anderen."
Am Ende gehe es vielmehr darum, einander den Rücken zu stärken und zusammenzuhalten. Es sei ermutigend zu sehen, wenn Frauen sich gegenseitig unterstützen, damit könne man gar nicht früh genug anfangen. Oft sind es schon die kleinen Gesten, die beim Gegenüber einen spürbaren Unterschied machen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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