Vater und Sohn im echten Leben
"Wochenendrebellen" mit Florian David Fitz: Die wahre Geschichte dahinter
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von teleschauFlorian David Fitz (links) und Cecilio Andresen (r.) spielen im Film "Wochenendrebellen" die echten Groundhopper Mirco und Jason von Juterczenka (M.).
Bild: IMAGO / Photopress Müller / Nik Konietzny / Leonine
Ein Mann fährt mit seinem autistischen Sohn durch Deutschland, damit der Junge seinen Lieblings-Fußballverein findet. Das sorgt für allerlei Turbulenzen. Der Film "Wochenendrebellen" sorgte 2023 für Furore - und basiert auf einer wahren Begebenheit.
Darum geht's in "Wochenendrebellen"
"Ich spiele nicht mit anderen. Auch nicht Fußball." Klare Kante von Jason (Cecilio Andresen). Der Zehnjährige hat Asperger-Autismus und soll auf eine Förderschule geschickt werden. Um das zu verhindern, versuchen seine Eltern Mirco (Florian David Fitz) und Fatime (Aylin Tezel), seine soziale Kompetenz zu verbessern. Opa Gerds (Joachim Król) Idee, in einen Fußballverein einzutreten, wird barsch zurückgewiesen.
Aber ein Lieblings-Verein, das wäre doch was. Allerdings legt der hochintelligente und umweltbewusste Junge strenge Kriterien an: Das Stadion muss nachhaltig sein, Spieler sollen die gleichen Schuhe tragen, pöbelnde Anhänger und Spielerkreise sind tabu! Da solche Voraussetzungen nur vor Ort überprüft werden können, fahren Vater und Sohn fortan jedes Wochenende los, um alle 56 Profivereine abzuklappern.
Klar, dass die Reisen nicht immer ganz einfach sind. Denn Jason ist unter Menschen schnell gestresst und weigert sich derweil, auch nur einen Meter mit einem Auto zu fahren. Auf ihren ereignisreichen Fahrten kommen sich Mirco und Jason indes immer näher.
Die echten "Wochenendrebellen": Mirco und Jason von Juterczenka
"Wochenendrebellen" war 2023 eines der deutschen Kino-Highlights. Der Film wurde sogar in die Vorauswahl des deutschen Beitrags für den besten internationalen Film bei der Oscarverleihung 2024 aufgenommen. Florian David Fitz wurde für seine Rolle als Mirco beim Bayerischen Filmpreis 2022 als bester Darsteller ausgezeichnet.
Die Handlung orientiert sich an der Autobiografie "Wir Wochenendrebellen" von Mirco von Juterczenka und seinem Sohn Jason, die als Groundhopper verschiedene deutsche Fußball-Stadien besuchen. Die Story beruht also auf wahren Begebenheiten.
Für die Filmadaption wurden einige Szenen zugespitzt. Auch den "Deal", dass sich Jason als Gegenleistung für die Wochenendreisen in der Schule sozialer verhält, gibt es in der wahren Geschichte nicht. Die Handlung der Geschichte wurde für die Verfilmung vom nordhessischen Calden-Westuffeln, dem wahren Wohnort der Familie, ins nordrhein-westfälische Haan verlegt.
Gleichwohl betonten Jason und Mirco von Juterczenka, die im Film einen Cameo-Auftritt als Fans im Stadion haben, in einem "Zeit"-Interview, dass sie bei der Produktion viel Mitspracherecht hatten.
Streame den Film auf Joyn
Im wahren Leben waren Vater und Sohn mehrere Jahre unterwegs
Die Handlung wurde für den Film gestrafft. Das Groundhopping setzt ein, als der Junge zehn Jahre alt ist. In der Realität ging der 2005 geborene Jason bereits 2011 mit seinem Vater Mirco auf Stadion-Tour. Mehrere Jahre waren die beiden unterwegs und besuchten dabei auch Vereine im europäischen Ausland.
Das Ganze ist nicht nur im Buch "Wir Wochenendrebellen" und dem 2023 erschienenen Nachfolger "Wochenendrebellen - Chaos auf Augenhöhe" dokumentiert, sondern auch auf der Webseite "Wochenendrebell.de". Dort lassen sich auch einige Herausforderungen für die Familie von Juterczenka nachlesen. Da bei dem hochbegabten und zugleich sozial wenig kompatiblen Jason Empathie manchmal auf Kosten von Logik auf der Strecke bleibt, fallen schon mal Sätze wie "Warum hat nicht einfach ein Bayern-Spieler Messi die Beine gebrochen?". So zitierte Mirco seinen Sohn auf der eigenen Webseite.
Die verschiedenen Gesichter seines Sohnes beschreibt Papa Mirco unter anderem in einem Blog-Eintrag anlässlich des Besuchs des Saarbrücker Ludwigspark-Stadions im Jahr 2015: "Wenn wir unterwegs sind, ist er friedlich, freundlich, manchmal sogar zuvorkommend und etwas, was man in unserem Paradigma vielleicht sogar als höflich auslegen könnte." Fast ein bisschen beschämt fügt er hinzu, dass seine Frau Fatime dieses Verhalten kaum zu Gesicht bekomme. Denn daheim unterscheide sie "gute Tage von schlechten Tagen anhand der Anzahl von Eskalationen und Ausrastern". Dort habe der Sohn eine "sehr ruppige, oft respektlose und teils verachtend wirkende Art".
Jason von Juterczenka: Das macht der "Wochenendrebell" heute
Mittlerweile ist Jason von Juterczenka 21 Jahre alt, studiert Physik an der ETH Zürich und bezeichnet sich selbst "als jungen autistischen Wissenschaftler, der immer noch auf der abenteuerlichen Suche nach seinem Lieblingsverein ist, dabei die globale Wasserkrise bekämpft und sich für die radikale Akzeptanz von Neurodiversität einsetzt".
Ansonsten hat Jason nach wie vor mit seinen bekannten zwischenmenschlichen Herausforderungen zu tun. So schreibt er auf "Wochenendrebell.de", dass er für sein Studium "seit 2024 acht Reisestunden von zu Hause entfernt an die absoluten Grenzen des für mich Machbaren" gehe.
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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