Musik-Biopic

Elton-John-Darsteller: Singt Taron Egerton in "Rocketman" selbst?

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von Johanna Grauthoff

Hat Taron Egerton in dieser "Rocketman"-Szene selbst Klavier gespielt und gesungen?

Bild: picture alliance / Everett Collection


Schauspieler Taron Egerton verwandelt sich im Elton-John-Biopic "Rocketman" nicht nur optisch, sondern auch stimmlich in die Pop-Legende. Der Musical-Film überzeugt mit tollen Gesangseinlagen, aber wer sang am Ende wirklich die Songs?

Überzeug dich von Taron Egertons Gesangskünsten

"Rocketman": Die Magie hinter den Hits

Als "Rocketman" im Mai 2019 in die deutschen Kinos kam, war schnell klar, dass dieser Film mehr sein will als ein klassisches Biopic. Er beleuchtet die wichtigsten und emotionalsten Stationen im Leben der britischen Pop-Legende Elton John - und das als vollwertiger Musical-Film. Die Musikstücke sind Teil der Handlung, drücken innere Gefühle aus und ersetzen klassische Dialoge.

Ein zentraler Unterschied zu vergleichbaren Filmen wie "Bohemian Rhapsody": In "Rocketman" sind nicht die Originalaufnahmen von Elton John zu hören. Stattdessen singt Hauptdarsteller Taron Egerton alle Songs selbst - live am Set oder speziell für den Film aufgenommen.

Regisseur Dexter Fletcher, der auch "Bohemian Rhapsody" fertigstellte, setzte hier ganz stark auf Authentizität:

Taron singt im Film wirklich selbst. Er ist so überzeugend und seine Stimme ist unglaublich.“

Dexter Fletcher im Behind-the-Scenes-Featurette von "Rocketman"

Warum Elton John nicht selber singt

Diese kreative Entscheidung war bewusst getroffen. Regisseur Fletcher erklärte im Behind-the-Scenes-Material zum Film, dass es ihm darum ging, die Geschichte nicht nur abzubilden, sondern neu zu interpretieren. "Taron hat als Schauspieler unglaublich viele Facetten."

Auch Elton John selbst unterstütze diesen Ansatz. Fletcher zitierte den Musiker mit den Worten: "Ich glaube, so gut wie Taron hat meine Songs bisher noch keiner gesungen." Besonders wichtig sei Elton John gewesen, dass Egerton die Lieder auf seine eigene Weise interpretiert und nicht versucht, ihn zu kopieren.

Das Oscar-prämierte Queen-Biopic findest du auf Joyn

Taron Egertons Gesangstalent: Von "Kingsman" zum Musical-Star

Für die Besetzung der Hauptrolle war nicht allein äußerliche Ähnlichkeit entscheidend. Elton John legte großen Wert darauf, dass der Darsteller singen kann. Egerton brachte genau dieses Talent mit - obwohl ihm das zunächst kaum jemand zutraute.

Bekannt wurder der 36-jährige Brite vor allem durch seine Rolle in "Kingsman: The Secret Service". 2016 überzeugte er zudem als Skispringer Michael "Eddie" Edwards in "Eddie the Eagle - Alles ist möglich". Dass er auch musikalisch überzeugen kann, blieb vielen lange verborgen.

Dabei hatte Egerton bereits Jahre zuvor einen Elton-John-Song gesungen. In der Animation "Sing" lieh er dem Gorilla Johnny die Stimme für "I'm Still Standing" - ein Song von Elton John, den er nun erneut neu interpretiert. "Vielleicht war das der Ausgangspunkt: dass ich einen Ton halten kann", scherzte Egerton rückblickend in dem britischen Mode-Magazin "GQ".

Vorbereitung bis ins Detail

Während "Bohemian Rhapsody" auf lippensynchrone Originalaufnahmen setzte, sang Egerton alle Hits neu ein. Insgesamt nahm er 18 Songs in den legendären Abbey Road Studios auf. Produziert wurden die Tracks von Giles Martin, dem Sohn des Beatles-Produzenten George Martin.

Die Live-Takes von Taron Egerton waren dabei oft so überzeugend, dass Studioaufnahmen überflüssig wurden. Zusätzlich studierte der Schauspieler monatelang die Live-Performances von Elton John, analysierte Gestik, Mimik und Bühnenpräsenz.

Eine Sache übernahm Egerton im Film allerdings nicht selbst, wie er im Gespräch mit der Zeitung "Berliner Morgenpost" verriet: das Klavierspielen. "Es sind nicht meine Hände, die Sie im Film sehen. Nur die Großaufnahmen zeigen mich."

Ich habe Monate lang allein damit verbracht, so zu trainieren, dass ich die entsprechenden Bewegungen faken kann.

Taron Egerton

Überraschender Weg zur Hauptrolle

Zuerst war Taron Egerton gar nicht als Hauptdarsteller in "Rocketman" eingeplant. "Ursprünglich war ich ja ohnehin nicht dafür vorgesehen, das war mein Kollege Tom Hardy", erzählte er im Interview mit der "Berliner Morgenpost". Niemand habe ihm zugetraut, dass er singen kann.

Der Wendepunkt kam bei der Promotion zu "Eddie the Eagle", als Produzent Matthew Vaughn ihn spontan singen hörte. "Er meinte nur: 'Du kannst singen?' Er dachte wohl, ich sei verrückt. Aber als er mich dann hörte, bot er mir die Rolle von Elton John an", erinnerte sich Egerton.

Eine echte Freundschaft mit Elton John

"Noch nie habe ich einen Film mit so viel Freude gemacht wie diesen.", bekannte sich Taron Egerton im Behind-the-Scenes-Interview. Für die Vorbereitung auf die Rolle traf er Elton John mehrfach persönlich.

"Aber durch unsere anderen Treffen sind wir Freunde geworden. In echt. Und wenn ich jetzt mit ihm Zeit verbringe, dann gibt er sich völlig unverstellt. Wir hängen einfach zusammen ab, teilweise ohne großartig Konversation zu betreiben", verriet er der "Berliner Morgenpost".

Hier hörst du den leibhaftigen Elton John singen

Wenn Interpretation zu Auszeichnung wird

"Das Großartige an Elton ist, dass er es unterstützt, wie Taron seine Songs interpretiert", betonte Dexter Fletcher im Behind-The-Scenes-Featurette. Gemeinsam performten sie "Tiny Dancer" auf Elton Johns AIDS Foundation Oscar-Party.

„Wenn man jemanden spielen will, der die Menschen so berührt wie Elton John, dann kann man eigentlich nur versuchen, sein Leben und seine Musik so aufrichtig zu interpretieren, wie es geht", so Egerton über seine Herangehensweise.

Der Film holte 2020 gleich zwei Golden Globes: Egerton als Bester Hauptdarsteller in einer Musical- oder Komödienrolle. Außerdem wurde "(I'm Gonna) Love Me Again" als bester Originalsong ausgezeichnet- ein Beweis für die gelungene Transformation.

Kein Gesang, aber dafür ein starkes Biopic

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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