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Eine hitzige Debatte

Tiere vor der Kamera: Zeitgemäß oder ein Auslaufmodell?

Veröffentlicht:

von Antje Wessels

Der computer-generierter "Cocaine Bear" vs. der tierische Schauspieler aus "Kommissar Rex".

Bild: IMAGO / Picturelux; SAT.1/ORF; picture alliance / Anjeza Cikopano / First Look / picturedesk.com | Anjeza Cikopano; santi_stock-adobe.com


Die Neuauflage von "Kommissar Rex" wirft eine alte Frage neu auf: Wie vertretbar ist es heute noch, mit echten Tieren für Film und Fernsehen zu drehen? Spoiler: Das kommt ganz auf das Tier an!

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Tiere gehören seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich zum Film- und Fernsehgeschäft dazu. Ob der Schäferhund in "Kommissar Rex", das Pferd im Western oder exotische Wildtiere in Abenteuerfilmen: Lange galt es als selbstverständlich, mit echten Tieren zu drehen. Heute hat sich der Blick darauf jedoch spürbar verändert. Immer häufiger geraten Dreharbeiten mit Tieren in die Kritik. Sei es wegen möglicher Stresssituationen am Set, tragischen Unfällen oder der großen Frage nach der moralischen Vertretbarkeit. Gleichzeitig sind computergenerierte Tiere inzwischen so realistisch geworden, dass viele Produktionen bewusst auf digitale Alternativen setzen. Ganz verschwunden sind echte Filmtiere dennoch nicht. Gerade domestizierte Tiere wie Hunde oder Pferde spielen weiterhin eine große Rolle vor der Kamera. Doch wo verläuft heute die Grenze zwischen vertretbarer Zusammenarbeit und überholter Praxis?

Hunde: Vor und hinter der Kamera die besten Freunde des Menschen

Solange sie in fachkundigen Händen liegt, ist nicht jede Arbeit mit Tieren vor der Kamera automatisch problematisch. Gerade bei domestizierten Tieren wie Hunden, Hauskatzen oder teilweise auch Nutztieren wie Schafen, Ziegen oder Alpakas argumentieren viele Trainer:innen und Produktionen, dass diese den engen Kontakt mit Menschen seit Jahrhunderten gewohnt sind. Vor allem Hunde gelten dabei als vergleichsweise geeignete Filmtiere, weil sie gezielt trainiert werden können und soziale Interaktion suchen. Serien wie "Kommissar Rex" oder Filme wie "First Dog" leben schließlich auch davon, dass der Hund nicht bloß Requisite, sondern sichtbar Teil des Ensembles ist.

Gleichzeitig hat sich der Umgang mit Tieren am Set in den vergangenen Jahrzehnten deutlich professionalisiert. Strengere Tierschutzauflagen und begrenzte Drehzeiten sollen Stresssituationen möglichst gering halten. Gerade bei Tieren, die ohnehin eng mit Menschen zusammenleben und klare Routinen kennen, erscheint der Einsatz deshalb vielen weiterhin vertretbar. Vorausgesetzt, die Produktionen arbeiten verantwortungsvoll und verzichten auf unnötige Belastungen oder gefährliche Szenen. Genau darin liegt heute der entscheidende Unterschied: Nicht jede spektakuläre Aufnahme muss um jeden Preis im Film zu sehen sein. Stattdessen steht immer häufiger das Wohl des Tieres im Mittelpunkt.

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Warum wir den Filmeinsatz von Pferden hinterfragen sollten

Deutlich komplizierter wird die Debatte bei Tieren, die zwar domestiziert sind, gleichzeitig aber besonders sensibel auf Stress oder unkontrollierte Situationen reagieren. Pferde stehen dabei exemplarisch für diese Grauzone. Als Fluchttiere reagieren sie extrem sensibel auf ihre Umgebung. Hektische Bewegungen, Explosionseffekte, grelles Licht oder dutzende Menschen am Set können enormen Stress auslösen. Gleichzeitig gehören Pferde bis heute fest zum Kino dazu. Egal ob in den Schlachtszenen großer Historienfilme, in Abenteuerfilmen wie "Black Beauty" oder als Teil spektakulärer Action-Sequenzen wie in "Ride On". Genau deshalb stellt sich zunehmend die Frage, ob der Anspruch an solch spektakuläre Bilder den möglichen Druck auf die Tiere noch rechtfertigt.

Ähnliche Diskussionen gibt es inzwischen auch bei Elefanten in Zirkus- oder Abenteuerfilmen, bei Delfinen für Unterwasseraufnahmen oder bei exotischen Vögeln, die für bestimmte Szenen dressiert werden. Selbst Kamele oder Rentiere, die häufig als "ruhige" Drehtiere gelten, sind nicht automatisch für hektische Produktionsbedingungen geeignet. Hinzu kommt eine grundsätzlichere Debatte: Wenn heute immer realistischer animiert werden kann, muss man Tiere für Unterhaltung überhaupt noch einsetzen? Selbst dann, wenn sie nicht eindeutig als Wildtiere gelten? Gerade bei Pferden verschwimmt die Grenze besonders stark, weil hier nicht nur das Filmen selbst, sondern zunehmend auch die generelle Nutzung durch den Menschen kritisch hinterfragt wird.

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Absolut indiskutabel: Wildtiere vor der Kamera

Kaum noch vertretbar erscheint dagegen heute der Einsatz von Wildtieren vor der Kamera. Löwen, Tiger, Bären oder Menschenaffen galten in Film und Fernsehen lange als spektakuläre Attraktion. Oft unter Bedingungen, die aus heutiger Sicht kaum noch akzeptabel wirken. Transporte, ungewohnte Umgebungen, grelles Licht, Lärm und ständige Wiederholungen bedeuten für Wildtiere enormen Stress, selbst dann, wenn sie über Jahre an Menschen gewöhnt wurden. Hinzu kommt das grundsätzliche Problem, dass sich wilde Tiere nie vollständig kontrollieren lassen. Immer wieder kam es deshalb in der Vergangenheit zu Unfällen, Verletzungen oder bekannt gewordenen Fällen von Misshandlung.

Gerade hier hat die moderne Tricktechnik die Debatte jedoch grundlegend verändert. Computergenerierte Tiere sehen inzwischen oft so realistisch aus, dass viele Zuschauende den Unterschied kaum noch bemerken. Filme wie "Beast – Jäger ohne Gnade" oder "Cocaine Bear" zeigen, wie glaubhaft digitale Tiere heute wirken können. Anders als bei Hunden oder Pferden gibt es deshalb bei Wildtieren immer weniger Argumente dafür, sie tatsächlich ans Set zu holen. Wenn dieselbe Szene auch ohne potenzielle Belastung oder Gefährdung eines echten Tieres möglich ist, wirkt der reale Einsatz vieler Wildtiere inzwischen vor allem wie ein Relikt aus einer anderen Filmzeit.

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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