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Serienheld

Genial, brillant und kaum auszuhalten: Warum Adrian Monk so anstrengend ist

Veröffentlicht:

von Antje Wessels

Adrian Monk (Tony Shalhoub) ist ein guter Ermittler, aber auch ein sehr spezieller, findet Filmkritikerin Antje.

Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited


Andere Detektive brechen Regeln, Adrian Monk bekommt Nervenzusammenbrüche wegen schiefer Krawatten oder falsch abgestellter Stühle. Dass sein Umfeld ihn trotzdem nicht längst aus dem Fenster geworfen hat, grenzt an ein Wunder. Trotzdem lieben wir ihn!

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Monk

Monk

Ermittler Adrian Monk leidet unter starken Phobien und Zwängen. Er besitzt zwar ein fotografisches Gedächtnis und löst Fälle mit fast schlafwandlerischer Sicherheit, aber seine Marotten und Ticks kosten ihn den Job bei der Polizei in San Francisco. Monk versucht sich - erfolgreich - als freischaffender Detektiv. Und auch sobald sein Ex-Chef Cpt. Stottlemeyer in einem kniffligen Mordfall nicht weiterweiß, gibt es nur einen, der helfen kann: Monk.

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Adrian Monk gehört meiner Meinung nach zu den brillantesten Ermittlern der Fernsehgeschichte. Kaum jemand erkennt derart zuverlässig kleinste Details, entlarvt Widersprüche und löst dadurch scheinbar perfekte Verbrechen. Gleichzeitig dürfte es aber auch kaum eine TV-Figur geben, die ihr Umfeld im Alltag so konsequent an den Rand des Nervenzusammenbruchs treibt.

Monks zwanghafte Routinen und zahllose Ängste machen selbst einfache Situationen unnötig kompliziert. Genau aus diesem Widerspruch zieht die Serie über acht Staffeln allerdings ihren besonderen Reiz: "Monk" erzählt nicht nur von einem außergewöhnlichen Detektiv, sondern auch davon, wie anstrengend so ein Genie für alle Beteiligten sein kann.

Keime, Milch, Fahrstühle: Monks Liste ist lang

Damit wir uns nicht missverstehen: Adrian Monk ist nicht deshalb anstrengend, weil er arrogant oder bewusst schwierig wäre. Seine zahlreichen Eigenheiten entspringen vielmehr tief sitzenden psychischen Zwängen, die seinen gesamten Alltag kontrollieren. Keime, Höhen, Menschenmengen, Milch, Fahrstühle, Berührungen oder falsch angeordnete Gegenstände: Über die Jahre entwickelt die Serie eine fast absurd lange Liste an Dingen, die Adrian Monk aus dem Gleichgewicht bringen.
Besonders nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Trudy haben sich seine Ängste und Zwangsstörungen massiv verschärft. Der ehemalige Star-Ermittler wird dadurch zeitweise praktisch arbeitsunfähig und kann nur mithilfe seiner Assistentinnen Sharona oder später Natalie seinen Alltag bewältigen.

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Gerade darin unterscheidet sich "Monk" allerdings von vielen anderen exzentrischen TV-Detektiven. Die Serie behandelt Monks Verhalten nicht bloß als skurrilen Charakter-Gag, sondern als dauerhafte psychische Belastung. Seine Routinen geben ihm Kontrolle in einer Welt, die für ihn permanent chaotisch wirkt.
Deshalb korrigiert er zwanghaft schiefe Gegenstände, vermeidet Berührungen oder besteht darauf, Dinge auf eine ganz bestimmte Weise zu erledigen. Für Außenstehende kann das schwer nachvollziehbar und mitunter anstrengend sein.
Gleichzeitig macht die Serie aber immer wieder deutlich, wie erschöpfend dieser Zustand auch für Monk selbst ist. Seine Zwänge und Ängste sorgen deshalb nicht nur für komische Momente, sondern zeigen, wie verletzlich die Figur ist.

Sharona und Natalie haben den härtesten Job der Serie

Unter diesen Umständen ist es umso bemerkenswerter, wie viel Geduld Monks Umfeld mit ihm aufbringt. Denn ohne die Menschen um ihn herum wäre Adrian Monk weder in der Lage, Fälle zu lösen, noch seinen Alltag ansatzweise zu bewältigen. Vor allem seine Assistentinnen Sharona Fleming und später Natalie Teeger übernehmen dabei weit mehr als organisatorische Aufgaben. Sie beruhigen ihn bei Panikattacken, erinnern ihn ans Essen, begleiten ihn durch Situationen, die für andere vollkommen selbstverständlich wären, und fungieren regelmäßig als emotionale Vermittlerinnen zwischen Monk und der Außenwelt. Eigentlich arbeiten sie nicht für einen Detektiv, sondern betreiben dauerhaft Krisenmanagement.

Sie assistieren Monk bei seinen Fällen und helfen ihm, den Alltag zu bewältigen.

Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | DAMIAN DOVARGANES / picture alliance / Mary Evans/AF Archive/Abc | AF Archive


House nervt mit Absicht, Monk nicht

Im Vergleich zu anderen exzentrischen TV-Genies wie Dr. Gregory House in "Dr. House" wirkt Adrian Monk dabei auf eine ganz andere Weise anstrengend. House provoziert bewusst, verletzt Menschen mit Sarkasmus und hält sich für den klügsten Mann im Raum. Monk hingegen will sein Umfeld meist gar nicht belasten, schafft es durch seine Zwänge und Ängste aber trotzdem permanent.

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Das Problem: Monk hat fast immer recht

Auch Captain Stottlemeyer und Lieutenant Randy Disher entwickeln im Laufe der Serie eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber Monks Verhalten. Obwohl insbesondere Stottlemeyer regelmäßig sichtbar genervt von dessen Spleens ist, erkennt er gleichzeitig, dass Monk eben fast immer recht behält.

Es sei denn, ich irre mich, was, weißt du, ich niemals tue

Monk

Daraus entsteht eine ungewöhnliche Dynamik: Monk treibt die anderen regelmäßig zur Verzweiflung, dennoch vertrauen sie ihm mehr als jedem anderen Ermittler. Gerade weil die Serie nie verschweigt, wie belastend der Umgang mit ihm tatsächlich ist, wirken diese Beziehungen stets glaubwürdig. Hinter dem ständigen Augenrollen steckt also nicht immer nur Resignation, sondern ehrliche Loyalität.


Warum Monk so liebenswert ist

Gerade diese Mischung aus brillanter Krimiserie, Tragikomödie und Charakterstudie sorgt dafür, dass "Monk" bis heute erstaunlich zeitlos wirkt. Anders als viele andere Ermittlerserien ihrer Zeit wird sich hier konsequent auf die Schwächen der Hauptfigur konzentriert. Adrian Monk ist weder souverän noch lässig oder besonders bewundernswert. Das macht ihn greifbarer als viele glatt polierte TV-Genies.

Hinzu kommt, dass die Serie Monks psychische Probleme trotz aller Komik nie vollständig zur bloßen Pointe verkommen lässt. Hinter seinen Zwängen steckt die permanente Angst vor einer Welt, die sich für ihn niemals wirklich sicher anfühlt. Somit entsteht eine Figur, die gleichzeitig absurd und anstrengend, dadurch aber erst recht menschlich wirkt.

Dass "Monk" heute, so viele Jahre nach dem Serienende noch funktioniert, liegt also nicht allein an clever konstruierten Kriminalfällen, sondern vor allem an dieser ungewöhnlichen Balance. Adrien Monk ist kein einfacher Held. Vielleicht mögen wir ihn gerade deshalb so sehr.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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