Himmel, Hölle und Humor
Was kommt danach? So denkt Christoph Maria Herbst über das Leben nach dem Tod
Aktualisiert:
von saroGibt es ein Leben nach dem Tod? Das sagt Christoph Maria Herbst.
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Clemens Niehaus, ShinneProject - stock.adobe.com
In seinem neuen Kinofilm "Sommer auf Asphalt" spielt Christoph Maria Herbst einen Vater, der an Krebs erkrankt ist und versucht, das Verhältnis zu seiner Tochter zu kitten. Hat der Schauspieler selbst Angst vor dem Ende?
Schluss mit lustig?
Auch wenn er im Februar 60 geworden ist, fühlt sich der Tod für Christoph Maria Herbst noch ganz weit weg an. Beruflich kam er ihm allerdings schon häufiger nah: 2012 spielte er sogar den Sensenmann in Person. In der SAT.1-Tragikomödie "Und weg bist Du" sollte er Krebspatientin ("Frier und Fünfzig"-Star Annette Frier) das Lebenslicht auspusten, was ihm schwerfiel. "Wenn ich’s (…) recht bedenke, würde ich mir wünschen, dass mein persönlicher Tod gefälligst seinen Job macht und nicht herumeiert", stellte Herbst damals klar.
Nun spielt er im neuen Kinofilm "Sommer auf Asphalt" einen Sterbenskranken und denkt offenbar erneut über das Jenseits nach. Auch im Film geht es darum, wie ein solcher Abschied erzählt werden kann. Ein künstlich konstruiertes Happy End schließt er in der neuen Tragikomödie aus: "Es wird Leben genommen und neues Leben geschenkt. Eine Geschichte von Werden und Vergehen. Ich finde es persönlich schön, dass wir den Film mit einem Lichtblick beenden."
Was kommt nach dem Tod?
Auf Frage aller Fragen antwortet er im Interview mit "Der Westen" hoffnungsvoll:
Ich glaube, dass mit dem Ende meiner physischen Existenz noch nicht alles vorbei ist.
Er ergänzt: "Und ich würde fast sagen, ich freue mich voller Neugier auf das, was danach kommt." Herbst blickt dem großen Finale offenbar erstaunlich entspannt entgegen. Kein "Man muss jeden Tag leben"-Pathos, eher eine Mischung aus trockenem Humor und positiver Lebenslust. Der Comedian weiß natürlich, dass es jederzeit passieren kann. Ein morscher Ast reicht, oder eben eine Diagnose wie die seiner Figur Bert in "Sommer auf Asphalt". Trotzdem will er sich das Leben nicht schon vorher von Gedanken an das endgültige Aus überschatten lassen. Dafür lebt er, wie er selbst gegenüber der "Funke Mediengruppe" sagt, viel zu gern.
Ganz aus dem Nichts kommt diese Gelassenheit nicht. Herbst ist katholisch erzogen worden, war Ministrant und erzählte in früheren Interviews sogar, dass er als Jugendlicher einmal darüber nachdachte, Priester zu werden. Daraus wurde bekanntlich nichts, zum Glück für die deutsche Comedy-Landschaft. Bernd Stromberg im Beichtstuhl wäre vermutlich selbst für den lieben Gott ein schwieriges Personalgespräch geworden. Geblieben ist aber offenbar ein Glaube, der auf tiefem Vertrauen basiert: Herbst kann mit dem Tod sachlich umgehen, ohne ihn kleinzureden.
Erlebe Christoph Maria Herbst als Tod
Ein Blick nach oben
Auf die Frage, ob es für ihn Himmel und Hölle gebe, antwortete Herbst ebenfalls gegenüber der "Funke Mediengruppe" vorsichtig: "Wie sich das aber im Leben nach dem Tod ausgestaltet, kann ich natürlich nicht sagen", sagte er. An eine klassische Hölle glaube er nicht, wohl aber an die Möglichkeit einer Gottesferne. Es ist eine Antwort, die gut zu ihm passt: gläubig, neugierig, aber ohne einen fertigen Plan vom Jenseits.
Dass er über den Tod nicht nur aus der Distanz eines Darstellers spricht, zeigt auch sein Engagement für das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe. 2011 übernahm er die Patenschaft für die Einrichtung. Nach seinem ersten Besuch zeigte er sich vor allem von der Atmosphäre im Haus bewegt: "Ich bin beeindruckt, wie unfassbar viel Lebensfreude hier herrscht", sagte er. "Hier spürt man das pralle Leben, und es wird einem so leicht gemacht, das Leben und nicht die Krankheit in den Vordergrund zu stellen und Kontakt zu den Kindern aufzunehmen." Den Tod wahrzunehmen, ohne den Blick auf das Leben zu verlieren - so lässt sich Herbsts Haltung vielleicht am treffendsten beschreiben.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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