zur Joyn Startseite

Porträt

"Die Toten vom Bodensee"-Star Anna Werner Friedmann im Porträt: Wegen Po-Biss stand sie vor Gericht

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Anna Werner Friedmann spielt seit 2025 die Bezirksinspektorin Mara Eisler in "Die Toten vom Bodensee".

Bild: picture alliance/dpa | Christoph Soeder


Anna Werner Friedmann ist die Neue am Bodensee. Die Schauspielerin kommt vom Theater, sucht dort früh die Auseinandersetzung mit Macht und Hierarchien - und steht später selbst vor Gericht. Heute ermittelt sie als Mara Eisler im ZDF.

- Anzeige -
- Anzeige -

Anna Werner Friedmann: Vom Theater zur Ermittlerin am Bodensee

Anna Werner Friedmann wird 1992 in Wien geboren und absolviert von 2016 bis 2020 ihre Schauspielausbildung an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Schon während ihres Studiums ist sie an der Berliner Volksbühne zu sehen. 2017 beteiligt sie sich mit der Künstlergruppe "Staub zu Glitzer" an den Protesten rund um die Neubesetzung der Volksbühne.

Nach ihrem Studium setzt Friedmann ihre Theaterlaufbahn fort. 2018 spielt sie am Ballhaus Ost Lady Milford in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe". Von 2019 bis 2023 gehört sie zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.  Parallel arbeitet sie für das Fernsehen und ist unter anderem in der BR-Serie "Servus Baby", der ZDFneo-Serie "WatchMe - Sex sells" und dem Thriller "Der Schatten" zu sehen. Seit 2023 gehört sie außerdem zur Besetzung der KiKA-Kinderserie "Rudis Siebenstein".

2025 folgt eine neue wichtige Rolle im Fernsehen: In der ZDF-Krimireihe "Die Toten vom Bodensee" übernimmt Friedmann die Rolle der Bezirksinspektorin Mara Eisler. Ihren ersten Auftritt hat sie in der Folge "Der Wunschbaum". Als neue Ermittlerin arbeitet sie an der Seite von Matthias Koeberlin, der den deutschen Kommissar Micha Oberländer spielt.

Anna Werner Friedmann: Das steckt hinter ihrem Künstlernamen

Hinter dem Namen Anna Werner Friedmann steckt eine Familiengeschichte. "Mein Künstlername ist eine Mischung aus meinem Namen, dem Namen meiner Mutter und dem Namen meines Vaters", erklärt die Schauspielerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Den Nachnamen Friedmann übernimmt sie nach eigenen Angaben bereits gegen Ende ihrer Schauspielausbildung für die Bühne. Werner ist der Vorname ihres Vaters, den sie damit ehren möchte. Zugleich soll ihr Künstlername eine Grenze zwischen Berufs- und Privatleben ziehen, "da die Schauspielerei ein sehr persönlicher Beruf ist, bei dem man unglaublich viel von sich hergibt".

Ihre Entscheidung für den Namen begründet sie so: "Ich wollte mir aber keinen Künstlernamen ausdenken, der lustig oder gut klingt. Ich wollte ihn mit einer Bedeutung füllen. Und da dachte ich mir: Wenn es einen Klaus Maria Brandauer geben kann, kann es auch eine Anna Werner Friedmann geben."

Ihren bürgerlichen Namen hält die Schauspielerin aus der Öffentlichkeit heraus.

Anna Werner Friedmann und Paulus Manker: Der Streit um "Alma"

2023 steht Anna Werner Friedmann für Paulus Mankers Theaterproduktion "Alma - A Show Biz ans Ende" auf der Bühne. Während einer Vorstellung im August 2023 wendet sie sich vor dem Publikum an ihre Kolleginnen und Kollegen. Sie erklärt, dass sie als Einzige nicht bezahlt werde, und legt anschließend ihre Rolle nieder.

Paulus Manker wehrt sich juristisch gegen ihre öffentliche Aussage und klagt auf Unterlassung. Friedmann geht ihrerseits gegen den Regisseur vor und reicht Klage wegen übler Nachrede und Beleidigung ein. Der Streit beschäftigt daraufhin das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen über mehrere Monate. Zwischenzeitlich verzögert sich das Verfahren, weil die Beteiligten wegen eines Fehlers des Gerichts nicht zu einem Verhandlungstermin geladen werden.

Im April 2024 einigen sich beide Seiten auf einen Vergleich und ziehen ihre Klagen zurück.

- Anzeige -
- Anzeige -

Anna Werner Friedmann vor Gericht: Der Prozess um den Po-Biss

Aus derselben Produktion entsteht später ein weiterer Rechtsstreit. Ein Schauspielkollege zeigt Anna Werner Friedmann wegen Körperverletzung und sexueller Belästigung an. Im Zentrum des Verfahrens steht unter anderem ein Biss ins Gesäß. Friedmann zufolge gehört er zu einer zuvor abgesprochenen Szene, in der eine Vergewaltigung dargestellt wird. Ihr Schauspielkollege wirft ihr vor, ihn dabei in den Po gebissen zu haben. Zudem steht der Vorwurf im Raum, Friedmann habe ihn bei derselben Aufführung mit einer brennenden Fackel verletzt.

Die Schauspielerin beschreibt den Biss als Teil einer zuvor vereinbarten Spielsituation: "Das war keine Spontanaktion, sondern eine Spielverabredung. Alles war mit meinem Kollegen abgesprochen und er stimmte zu." Die Szene sei mehr als 20-mal gespielt worden. Vor Gericht räumt sie allerdings ein, dass der Biss bei der betreffenden Aufführung möglicherweise fester ausgefallen sei als sonst.

Auch beim Fackelvorwurf widerspricht die Schauspielerin der Darstellung ihres Kollegen. Bei der Aufführung am 4. August 2023 sei die Stimmung durch einen Polizeieinsatz besonders angespannt gewesen. Ihr Kollege habe unterhalb eines Podests am Rock einer neben Friedmann stehenden Kollegin gezogen. Durch die unerwartete Bewegung habe sich die Fackel in ihrer Hand ungewollt gesenkt und den Kollegen getroffen. "Es war ein Missverständnis während des chaotischen Polizeieinsatzes", erklärt sie gegenüber der österreichischen Boulevardzeitung "Heute". Noch in der Pause habe man sich ausgesprochen und die Hand gegeben. Auch ihr Anwalt stellt den Fackelkontakt als unbeabsichtigt dar. Er spricht von einem Unfall, der durch ein Stolpern verursacht worden sei.

Im Mai 2025 beginnt vor dem Bezirksgericht Neunkirchen das Strafverfahren. Am 2. Dezember wird es ohne Verurteilung beendet: Friedmann zahlt im Rahmen einer sogenannten Diversion 2.100 Euro Geldbuße und 1.300 Euro Schadensersatz an ihren Kollegen. Bei einer Diversion wird ein Strafverfahren unter bestimmten Voraussetzungen gegen Auflagen beendet, ohne dass es zu einer Verurteilung kommt. Vom Vorwurf der sexuellen Belästigung wird sie freigesprochen.

Anna Werner Friedmann über Macht und Hierarchien in der Schauspielbranche

Über Macht und Hierarchien spricht Anna Werner Friedmann nicht erst im Zusammenhang mit "Alma". In der NDR-Dokumentation "Gegen das Schweigen - Machtmissbrauch bei Theater und Film" berichtet sie gemeinsam mit anderen Schauspielerinnen und Schauspielern über Erfahrungen hinter den Kulissen.

Auch in einem Interview mit der "teleschau" spricht sie über den Umgang mit Machtmissbrauch in der Branche. Bei Filmproduktionen habe sich durch die #MeToo-Debatte aus ihrer Sicht einiges verändert. Dort erlebe sie eine größere Offenheit, über problematische Situationen zu sprechen und ernst genommen zu werden. Am Theater sei das dagegen deutlich schwieriger.

Es wird zu wenig aufgestanden.

Anna Werner Friedmann

Die Schauspielerin beschreibt sich selbst als direkt, impulsiv und emotional. Sie weiß, dass diese Haltung in der Branche auch zum beruflichen Risiko werden kann: "Je schwieriger man ist, umso schwieriger bekommt man Jobs. Aber ich glaube, ich bin lieber schwierig mit weniger Jobs als unschwierig mit problematischen."

Anna Werner Friedmann privat: Hobbys, Hund Edna und Zusammenarbeit mit Matthias Koeberlin

Ihr Privatleben hält die Schauspielerin weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Dafür erzählt sie im Gespräch mit "teleschau" umso lieber von den Dingen, mit denen sie ihre Zeit verbringt.

Nach einem Drehtag kann das vieles sein: Serien schauen, mehrere Bücher hintereinander lesen oder Gitarre spielen. Dann kommt die Ölmalerei dazu. "Dann kam das Malen, gleich mit Ölfarbe und mit großer Freude, aber, um ehrlich zu sein, auch Verzweiflung." Eine weitere Konstante ist ihre Dackeldame Edna. Friedmann bekommt sie während eines Drehs und nimmt sie seitdem mit ans Set und auf Reisen. "Solche Dinge machen das Leben bunt."

Im dem Interview spricht Friedmann auch über die Zusammenarbeit mit Matthias Koeberlin. Beim gemeinsamen Casting habe sie sich sofort gut mit ihm verstanden: "Es hat gleich geklickt, und ich habe mich sofort in ihn verliebt." Sie bezeichnet ihn als "einen tollen, wachen, aufmerksamen Kollegen".


Lust auf noch mehr Krimis?


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken