Karriereknick

Gerhart Lippert: Darum will der erste "Bergdoktor" nichts mehr von seiner Rolle wissen

Veröffentlicht:

von Johanna Grauthoff

Gerhart Lippert spielte von 1992 bis 1996 die Hauptrolle in "Der Bergdoktor".

Bild: teutopress


Bevor Hans Sigl zum festen Gesicht des "Bergdoktors" wurde, prägte Gerhart Lippert die Rolle des TV-Arztes in den Alpen. Warum der Schauspieler mit seinem größten Erfolg hadert und er sich seit Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Der erste "Bergdoktor" der 1990er-Jahre

Hans Sigl, der selbst schon genaue Vorstellungen davon hat, wie das Ende von Dr. Martin Gruber bei "Der Bergdoktor" aussehen soll, ist heute untrennbar mit der Erfolgsserie verbunden. Seit Jahren prägt er das Bild des modernen TV-Arztes in den Alpen. Doch lange bevor die ZDF-Produktion zum Quotenhit wurde, hatte ein anderer Schauspieler die Rolle des "Bergdoktors" inne: Gerhart Lippert.

Gerhart Lippert war von 1992 an der erste "Bergdoktor" im deutschen Fernsehen. In der SAT.1-Serie spielte er Dr. Thomas Burgner, einen Münchner Arzt, der im fiktiven Tiroler Ort Sonnenstein eine Praxis eröffnete und schnell Teil der Dorfgemeinschaft wurde. Die Mischung aus medizinischen Fällen, Heimatgefühl und menschlichen Konflikten kam schon vor über 30 Jahren gut beim Publikum an.

Nach fünf Jahren und insgesamt 60 Folgen endete die Serie mit einem dramatischen Serientod: Dr. Burgner kam bei einem Lawinenunglück ums Leben. Für viele Zuschauer:innen ein emotionales Finale - für Lippert selbst jedoch kein schmerzhafter Abschied.

Warum Lippert mit der Rolle haderte

Trotz des Erfolgs blickte Gerhart Lippert kritisch auf seine Zeit als "Bergdoktor" zurück. In einem Interview aus dem Jahr 2009 sagte er offen:

Der Bergdoktor hat mir beruflich und familiär geschadet.

Gerhard Lippert im Gespräch mit "Hallo München"

Vor allem die Festlegung auf ein bestimmtes Rollenbild empfand er als Belastung. Anspruchsvollere Angebote abseits des Unterhaltungs-Genre seien nach der Serie ausgeblieben: "Anspruchsvolle Rollen habe ich seitdem leider nicht mehr bekommen", erzählte er der "Hallo München".

Auch privat machte sich die Popularität durch den "Bergdoktor" bemerkbar. Seine Töchter seien häufig auf die Rolle ihres Vaters reduziert worden. "Da heißt's dann immer nur 'die Dirndln vom Bergdoktor', das nervt sie natürlich", so Lippert. Dass viele ihn dauerhaft mit der Figur identifizieren, widersprach seinem Selbstverständnis als vielseitiger Schauspieler. Entsprechend nüchtern kommentierte er das Serienende einmal mit den Worten, dass er die Rolle ohnehin nicht länger als drei Jahre habe spielen wollen:

Ich bin ja Schauspieler und nicht Beamter.

Gerhard Lippert in einem BR-Porträt

Erfolgreich lange vor dem Serienarzt

Dabei war Lippert schon vor dem "Bergdoktor" fest im Theater- und Fernsehbetrieb etabliert. Nachdem er seine Schauspielausbildung in München absolvierte und erste Engagements an den Münchner Kammerspielen hatte, verließ er das renommierte Haus bewusst, um weitere Bühnenerfahrungen zu sammeln. Ab den 1960er Jahren folgten TV-Rollen in Serien wie "Alarm in den Bergen" und "Der Forellenhof". Große Popularität erlangte Lippert als Ensemblemitglied des "Komödienstadels", wo er vor allem in den 1970er-Jahren als charmanter Liebhaber und idealer Schwiegersohn gefeiert wurde. Über diesen Zuspruch sagte er später gegenüber "Hallo München": "Gute Volksschauspieler sind schließlich Leute, mit denen sich das Publikum identifiziert."

Karriere nach dem "Bergdoktor"

Auch nach dem Ende der SAT.1-Serie blieb Lippert präsent. Er übernahm Rollen in Serien wie "Tierarzt Dr. Engel", "Der Wilde Kaiser", "Der Landarzt" oder "Die Schwarzwaldklinik - Die nächste Generation". Zudem war er in einer "Traumschiff"-Folge sowie in Rosamunde-Pilcher- und Inga-Lindström-Verfilmungen zu sehen.

Inhaltlich bewegten sich viele dieser Produktionen jedoch im ähnlichen Umfeld wie "Der Bergdoktor". Seinen letzten TV-Auftritt hatte Lippert 2011 in "Da Bauern Nero", einer Aufzeichnung des Chiemgauer Volkstheaters.

Rückzug nach schwerem Unfall

Anfang 2012 zog sich Gerhart Lippert vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Nach einem Sturz in seinem Haus in Tirol erlitt er schwere Kopfverletzungen. Details über seinen Gesundheitszustand wurden nie öffentlich gemacht. Wie es dem heute 88-Jährigen geht, ist nicht bekannt.

Ein seltenes Statement kam 2018 von seiner dritten Ehefrau Maria Neuhaus. Sie sprach gegenüber dem Magazin "Das neue Blatt" davon, dass sie "wunderbare Jahre zusammen erlebt" hätten und betonte: "Da hält eine gute, starke Beziehung es auch aus, wenn es mal schwierig wird. Ich bin immer für ihn da. Immer. Wir genießen die kleinen Momente des Glücks."

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

Mehr entdecken

Gerhart Lippert: Von seiner Rolle als "Bergdoktor" will er nichts mehr wissen