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Von Feuchttüchern zu Familiengeschichten

Sein Leben nach "Monk": Was macht Tony Shalhoub heute?

Veröffentlicht:

von Katharina von Freyburg

Wie sehr hat sich Schauspieler Tony Shalhoub seit seiner "Monk"-Zeit (l.) verändert?

Bild: 2005 Universal Content Productions LLC. All Rights Reserved; IMAGO / ZUMA Press Wire;


Mehr als 15 Jahre später wird Tony Shalhoub noch immer zuerst mit dem schrulligen Detektiv in Verbindung gebracht. Dabei hat der Schauspieler nach der Kultserie längst bewiesen, dass viel mehr in ihm steckt - beruflich ebenso wie privat.

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Keime, Phobien und knifflige Mordfälle? Adrian Monk ermittelt


Adrian Monk wollte vor allem eines: Ordnung. Wenn ein Bild schief hing, musste es gerade gerückt werden. Wenn etwas nicht zusammenpasste, ließ es ihm keine Ruhe. Er suchte unbeirrbar weiter nach der einen Antwort, die alles erklärte. Trotz seiner 312 Ängste - neben Keimen und Bakterien fürchtete er sich unter anderem vor Milch, Fahrstühlen und Zahnärzten - trat er jeden Tag wieder für die Wahrheit an. Vielleicht ist es genau dieser Durchhaltewillen, mit dem Monk bis heute so viele Fans inspiriert.

Tony Shalhoub: Spezialist für schräge Typen

Wer jahrelang dieselbe Figur spielt, wird sie oft nicht mehr los. Fans sehen nicht mehr den Schauspieler. Sie sehen die Rolle. Tony Shalhoub schien dieses Schicksal ebenfalls bevorzustehen. Schließlich war "Monk" (2002-2009) nicht irgendeine Serienfigur. Der neurotische Detektiv wurde zu einem der prägendsten TV-Ermittler der Nullerjahre.

Doch Shalhoub lief seiner berühmtesten Rolle, für die er drei Emmys und einen Golden Globe kassierte, nie davon. Statt krampfhaft das Gegenteil von Monk spielen zu wollen, suchte er sich Figuren, die ähnlich eigen und ebenso liebenswert waren. Genau wie er es bereits rund zwei Jahrzehnte lang vor seinem internationalen Durchbruch als Serienstar gehalten hatte - im TV und auf der großen Leinwand. In der Sitcom "Wings" verkörperte er von 1991 bis 1997 den skurrilen Taxifahrer Antonio Scarpacci, in der "Men in Black"-Reihe (ab 1997) feierte das Publikum ihn als schrägen Alien-Pfandleiher Jack Jeebs und 2001 brillierte er als exzentrischer Strafverteidiger Freddy Riedenschneider in der Coen-Komödie "The Man Who Wasn’t There".

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Tony Shalhoub an der Seite von Billy Bob Thornton

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Nach "Monk" kam bald die nächste Kultfigur

Daran knüpfte er nach Adrian Monks letztem Fall nahtlos wieder an: Ob als Psychiater in "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" (2010) oder Investmentbanker in "Too Big to Fail - Die große Krise" (2011) - Shalhoub verkörperte weiterhin bevorzugt Charaktere mit Ecken und Kanten. Das beste Beispiel dafür ist Abe Weissman aus "The Marvelous Mrs. Maisel" (2017-2023). Auf den ersten Blick könnten Monk und Weissman unterschiedlicher kaum sein. Hier der geniale Ermittler mit seinen zahllosen Phobien, dort der New Yorker Professor mit scharfem Verstand und noch schärferer Meinung. Und trotzdem verbindet die beiden etwas. Beide Männer verbringen einen großen Teil ihres Lebens damit, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich beharrlich weigert, ordentlich zu sein. Monk tut das mit Feuchttüchern, Checklisten und einer beeindruckenden Liebe zum Detail. Abe Weissman versucht es mit Vernunft und Prinzipien. Vielleicht liegt genau darin Tony Shalhoubs besondere Stärke. Seine Figuren wirken oft so, als hätten sie einen Plan - nur leider hat das Leben nie den gleichen.

Für seine Rolle als Abe Weissman gewann Shalhoub 2019 erneut einen Emmy. Damit bewies er endgültig, dass er mehr ist als der Mann, der einst jeden Türgriff desinfizierte. Auch am Broadway feierte er mit dem Musical "The Band’s Visit" einen großen Erfolg. Für seine Darstellung erhielt er 2018 sogar einen Tony Award - die wichtigste Theaterauszeichnung der USA. In seinem neuesten Filmprojekt spielte er an der Seite von Mark Wahlberg in "Play Dirty" (2025) einen Mafiaboss. Zudem gehört er zum Cast der neuen Comedy-Serie "American Classic" (2026) mit Kevin Kline und Laura Linney.


Heute reist er um die Welt - auf der Suche nach Erinnerungen

Während viele Schauspieler in seinem Alter ihre Karriere verwalten, hat der Ü70-Jährige zuletzt ein Projekt begonnen, das überraschend gut zu ihm passt. Für die neue CNN-Dokuserie "Tony Shalhoub: Breaking Bread" (2025) reist er durch verschiedene Länder und spricht mit Menschen über Essen, Familie und Herkunft. Das klingt zunächst nach einer klassischen Reisedoku. Im Fokus stehen Familiengeschichten und Erinnerungen, die plötzlich wieder auftauchen, wenn jemand ein Rezept aus der Kindheit erwähnt. Das sieht Shalhoub selbst ähnlich. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärte er: "Es geht um Brot - aber Brot dient eigentlich als Medium, um Geschichte, Kultur und Menschen sichtbar zu machen." Wer Tony Shalhoub nur als Monk kennt, entdeckt hier eine ganz andere Seite des Schauspielers. Ruhig, neugierig und nicht daran interessiert, ob die Servietten exakt gleich gefaltet wurden.

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So sieht er heute aus: Im Juni 2026 zeigte sich Tony Shalhoub zusammen mit seiner Frau auf dem roten Teppich des Tribeca Film Festival in New York.

Bild: IMAGO/ZUMA Press Wire


Familienglück und Großvaterfreuden

Auch privat verläuft Tony Shalhoubs Geschichte anders als die vieler Hollywood-Stars. Seit 1992 ist er mit Schauspielerin Brooke Adams verheiratet. Die 77-Jährige hatte übrigens schon Gastauftritte in mehreren Folgen von "Monk". Unter anderem spielte sie die Flugbegleiterin Leigh Harrison in "Mr. Monk im Flugzeug" (Staffel 1, Episode 12) oder Abigail Carlyle in "Mr. Monk will Vater werden" (Staffel 3, Episode 16).

Gemeinsam mit Brooke Adams hat Tony Shalhoub zwei adoptierte Töchter großgezogen: Josie und Sophie. Ihr Privatleben hielten sie weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Umso persönlicher wirkt eines seiner jüngeren Projekte: Gemeinsam mit Tochter Josie Adams schrieb Shalhoub das Buch "We Thought They'd Never Leave: Musings on Food and Family", das im Oktober 2026 erscheint. Darin geht es um Rezepte, Familientraditionen und die Menschen, die hinter ihnen stehen. Im Grunde zieht sich dieses Thema mittlerweile durch viele seiner Projekte. Nicht mehr die Frage, wer den Mord begangen hat. Sondern die Frage, welche Geschichten über Generationen hinweg weitererzählt werden. Inzwischen ist Tony Shalhoub Großvater geworden. Als das US-Magazin "People" ihn 2020 auf diese neue Rolle ansprach, brauchte er allerdings nicht viele Worte: "Ich bin begeistert. Ich kann es kaum erwarten." Die Familiengeschichten, die ihn heute beschäftigen, haben damit auch neue Zuhörer:innen bekommen. Gut möglich, dass er sie genau dort zum Besten gibt, wo sie häufig entstehen: am gemeinsamen Esstisch.

Was von Monk geblieben ist

Ob er sich seiner Paraderolle noch heute verbunden fühlt? Für "Mr. Monks letzter Fall" kehrte er 2023 zumindest noch einmal als Adrian Monk zurück. Und plötzlich wurde vielen Fans wieder bewusst, warum die Figur so gut funktioniert hat. Nicht wegen der Phobien, der Feuchttücher oder der ungewöhnlichen Kriminalfälle. Sondern weil Monk immer etwas sehr Authentisches, Liebenswertes hatte. Er wollte die Welt verstehen. Und wenn das nicht gelang, versuchte er zumindest, sie ein kleines bisschen ordentlicher und menschlicher zu hinterlassen.

Mehr als 15 Jahre nach dem Serienende ist von Monk offenbar mehr geblieben als nur eine Kultfigur. Mit der neuen Krimi-Dramedy "Einstein", einer CBS-Adaption der gleichnamigen deutschen Serie mit Tom Beck, kehrt Shalhoub in ein vertrautes Genre zurück. Hinter dem Projekt, das im Herbst 2026 auf dem amerikanischen Sender laufen soll, stecken die früheren "Monk"-Macher Andy Breckman und Randy Zisk. Und so schließt sich der Kreis - Adrian hätte seine Freude daran!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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