Ronzheimer Reportage: "Wie geht's Deutschland?"
Heimatliebe und "Homo-Propaganda": Wie rechte Accounts in die Influencer-Szene drängen
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von RedaktionPaul Ronzheimer spricht mit der rechten Content-Creatorin Lilly Baginski während einer Demonstration der Jugendorganisation der Partei "Neue Heimat".
Bild: Sat.1
Geflochtene Zöpfe und lange Röcke: Influencerinnen aus dem rechten Spektrum gewinnen in den sozialen Medien zunehmend an Reichweite. Sie verbreiten ideologische Inhalte oft subtil. Welche Wirkung hat das? Paul Ronzheimer geht dem in seiner neuen Reportage nach.
"Vorzeigefrauen" für rechte Ideologie
Beim Christopher Street Day in Cottbus versammelten sich Rechtsextremisten zu einer Gegendemonstration und marschierten gegen die Rechte von Schwulen, Lesben sowie trans- und nicht-binären Menschen.
Unter den jungen Menschen bewegten sich viele Frauen - etwa die rechte Influencerin Lilly Baginski, die in sozialen Medien unter dem Namen Anio auftritt. Sie inszeniert sich als Verfechterin traditioneller deutscher Werte und verbreitet dabei wiederholt homophobe und rassistische Aussagen.
YouTuber will Jugendliche über rechte Szene aufklären
Gleichzeitig gibt es auch Gegenstimmen wie den YouTuber Marcant. Er erreicht mit seinen Videos teils bis zu eine Million Aufrufe und versucht, rechte Strategien in sozialen Medien aufzuzeigen. Dafür ist er auch regelmäßig auf Demonstrationen unterwegs und dokumentiert das Geschehen vor Ort. Seine Motivation: Jugendliche aus der rechten Szene zu holen und ins Gespräch zu kommen.
Seinen echten Namen hält Marcant aus Sicherheitsgründen geheim, da er nach eigenen Angaben Drohungen aus der rechtsextremen Szene erhalten habe. Der Influencer beschreibt, dass insbesondere junge Frauen gezielt über Plattformen wie TikTok angesprochen werden. Die Ansprache erfolge häufig über weibliche Influencerinnen, die bestimmte Marken, Musikstile und ein ästhetisches Erscheinungsbild propagieren - eingebettet in ein idealisiertes, traditionelles Rollenverständnis.
Was heute auf deutschen Straßen möglich ist, ist unfassbar belastend.
Rechte Demo für Ronzheimer persönlich herausfordernd
Für seine Reportage-Reihe "Wie geht's Deutschland?" sprach der Journalist Paul Ronzheimer mit Teilnehmenden des CSD und versuchte auch, Stimmen aus dem rechtsextremen Spektrum einzufangen. Dabei stellte er unter anderem die Frage, wie Begriffe wie "Homo-Propaganda" konkret verstanden werden und welche Inhalte damit gemeint sind. Nur wenige der angesprochenen Personen waren bereit, darauf zu antworten oder ihre Position näher zu erläutern. Stattdessen wurde der Reporter beschimpft: "Halt die Fresse, Junge".
Der Journalist erlebte offene Ablehnung, aggressive Rhetorik und verbale Angriffe. Er hörte Rufe wie "Zünd' die Fahne an" sowie Hassparolen gegen queere Menschen. Für ihn persönlich stellte die Situation eine besondere Herausforderung dar, da er im Beitrag auch seine eigene Perspektive als homosexueller Mensch thematisiert. "Es ist gar nicht so leicht, wenn du selbst schwul bist - und siehst solche Leute", sagt Paul Ronzheimer in der Reportage, als er sich unter den rechtsextremen Gruppen bewegt.
Was versteht die AfD unter "Homo-Propaganda"-Gesetz?
Die AfD-Fraktion in Sachsen fordert, das Selbstbestimmungsgesetz aufzuheben. Stattdessen solle das "Homo-Propaganda"-Gesetz aus Ungarn neues Vorbild werden. Letzteres verbietet es, Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit in Medien und Schulen darzustellen - oder dafür zu werben.
Der Begriff "Homo-Propaganda" ist dabei kein neutraler Fachbegriff, sondern eine politisch geprägte Bezeichnung. Er wird verwendet, um Sichtbarkeit von Homosexualität und geschlechtlicher Vielfalt pauschal als problematisch darzustellen. Gesetze wie in Ungarn schränken entsprechende Darstellungen in Medien und Bildung ein und werden von vielen internationalen Organisationen als diskriminierend bewertet.
Bedeutung der CSD-Paraden
Christopher-Street-Day-Paraden setzen sich für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und Schutz vor Diskriminierung ein. Für viele Teilnehmende sind sie zugleich Demonstration und Erinnerung an historische Kämpfe um Rechte und Anerkennung. CSD-Teilnehmende werben für Toleranz und Vielfalt. Symbol ist die bunte Regenbogenfahne.
Verfolge, wie Paul Ronzheimer mit AfD-Funktionären und -Aussteigern spricht und verfolgt, warum die Mitte der Gesellschaft immer weiter nach rechts driftet. "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" am 24. März um 20:15 Uhr in SAT.1. Im Anschluss an die Reportage spricht Ronzheimer mit Lars Klingbeil.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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