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Machtgefälle am Set

"Ständig halbnackte Frauen": Marlene Lufen über ihre Anfangszeit in der Branche

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Marlene Lufen spricht im Podcast über Grenzüberschreitungen, Machtstrukturen und den Umgang miteinander.

Bild: Joyn / Marc Rehbeck


Marlene Lufen spricht offen über Zustände, die sie als junge Frau in der Medienbranche erlebt hat - und zieht dabei ein Fazit, das nicht nur auf Zustimmung bei den Fans stößt.

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"Vor der ganzen Crew umgezogen": Marlene Lufen über fehlenden Schutz und alte Strukturen

Marlene Lufen war Anfang zwanzig, Gelegenheits-Model und lernte schnell, wie es damals in der Branche lief. Bei Foto-Jobs habe man sich als junge Frau "im Grunde vor der ganzen Crew umgezogen", erzählt die "SAT.1-Frühstücksfernsehen"-Moderatorin in der neuen Folge des Podcasts "tigges trifft". Kein Hinterzimmer, keine Abgrenzung, kein Sichtschutz. Stattdessen: BH und Unterwäsche, Marketingleiter, Mode-Chefin und Fotograf daneben. Sie formuliert es so, wie es sich damals wohl angefühlt haben muss - als etwas, das man nicht infrage stellt, wenn man weiterarbeiten will:

Wenn du das nicht gemacht hast, war es vielleicht auch ein bisschen schwierig.

Marlene Lufen
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Und dann dieser eine Satz, der das Ganze auf den Punkt bringt: "Die fanden es wahrscheinlich auch ganz cool, dass sie ständig halbnackte Frauen gesehen haben." Dass das kein Einzelbild ist, bestätigt eine Frau in den Kommentaren - sie habe 30 Jahre in der Kostümabteilung beim Film gearbeitet: "Ich kann das nur bestätigen! […] Auch bei Bettgeschichten stand früher das halbe Team daneben, die Frauen wurden wenig geschützt. […] Ich habe, so gut ich konnte, mich immer in den Pausen davor gestellt und was vorgehalten, aber bloß nicht als kompliziert gelten, da wurden die einfach nicht mehr besetzt. Von den ganzen Sprüchen mal ganz abgesehen."

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"Du willst doch was werden": Marlene Lufen über Druck, Machtmissbrauch und Grenzen in der Branche

Auch abseits der Fotoshootings beschreibt Lufen ein Klima, in dem Grenzen ausgetestet wurden. Ein Kollege aus der Medienbranche habe sie wiederholt bedrängt, mit ihm auszugehen - und dabei unverhohlen ihre Karriere als Hebel eingesetzt: "Du willst doch mal was werden in unserer Branche, jetzt sei doch nicht so zickig", erinnert sich die 55-Jährige im Podcast.

Er hat einfach nur auf mich eingetextet, dass ich mit ihm ausgehe, und sagte dann diesen Satz. Der ist halt total ätzend natürlich.

Marlene Lufen

Ob so etwas heute noch passiert? Lufen glaubt: nicht mehr mit dieser Selbstverständlichkeit. "Vollhirnis gibt es halt immer noch, aber ich habe es nicht mehr so erlebt." Podcast-Host Sebastian Tigges hakt nach, ob sie wirklich davon überzeugt sei - und sie bleibt bei ihrer Einschätzung, wenngleich mit einer Einschränkung, die den Unterschied macht: Es sei weniger die Häufigkeit, die sich verändert habe, als die Normalität, mit der es früher einfach hingenommen worden sei.

Warum Marlene Lufen heute anders auf unsere Gesellschaft blickt

Es ist nicht das erste Mal, dass sie darüber spricht. In der Vergangenheit berichtete sie bereits öffentlich, dass sie mit 19 Jahren von einem Fotografen im Studio angegriffen und beinahe vergewaltigt wurde. Anzeige habe sie damals nicht erstattet - aus Scham, aus Angst vor Unglauben. Erfahrungen, die sie auch in ihrem Buch "Die im Dunkeln sieht man nicht: Warum missbrauchte Frauen schweigen" verarbeitet. Was sie jetzt im Podcast schildert, ist kein nachträgliches Aufbegehren. Es ist Kontext zu einer Biografie, die sie nie verborgen hat.

Doch die SAT.1-Moderatorin blickt im Podcast nicht ohne Hoffnung auf die Gegenwart. Jüngere Männer seien anders aufgewachsen, anders sozialisiert - was ihr passiert sei, würde heute seltener geschehen. In den Reaktionen auf das Interview widersprachen ihr allerdings einige Frauen in den Kommentaren auf Social Media: "Leider an der Realität der meisten weiblich gelesenen Personen vorbei, liebe Marlene Lufen", schreibt eine Person. Eine andere formulierte es schärfer: Vielleicht erlebe Lufen heute schlicht deshalb weniger Übergriffe, weil sie nicht mehr die Zielgruppe sei. Ob sich wirklich etwas verändert hat, hängt offenbar sehr davon ab, wo man gerade steht.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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