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Vorletzter Fall für Eisner und Fellner

"Einer der besten 'Tatorte' ever": Warum trotzdem viele ARD-Zuschauer nach wenigen Minuten umgeschaltet haben

Aktualisiert:

von Sylvia Loth; C3 Newsroom

V. l.: Die Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Simon Rechnik (Augustin Groz), Mo Mohammed Essa (Renas Hussin), Levi Hubner (Christoph Lackner-Zinner), Araz Barzani (Emre Cakir), Oki Okotho Sialo (Yacouba Diabate), Femi Olaifa (Ayo Aloba) und Leon Prammer (Tristan Witzel).

Bild: ORF/Petro Domenigg


Im neuen Wiener "Tatort" ermitteln Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zum vorletzten Mal. Sie müssen den Tod des Leiters einer Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche aufklären. Die Reaktionen der Zuschauer:innen sind gespalten - und reichen von riesiger Begeisterung bis hin zu deutlicher Kritik.

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+++ Update, 27. April 2026 +++

Der neue "Tatort" aus Wien sorgt für rege Diskussionen unter den Fans

Der vorletzte Fall für Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) beim Wiener "Tatort" sorgt für Aufsehen und für Diskussionen. Viele Zuschauer:innen sind begeistert von diesem sehr besonderen Krimi. Andere schalteten aber auch früh um, weil ihnen das schwierige Thema und die spezielle Erzählweise nicht gefiel.

Der Fall: Der Leiter einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft für Jugendliche wird brutal erschlagen. Für die jungen Bewohner:innen, die alle bereits auffällig geworden sind, ist die Gruppe die letzte Chance. Ins Visier der Ermittler gerät rasch der einschlägig vorbestrafte Cihan Özbek (Alperen Köse), der seit der Mordnacht verschwunden ist. Doch der Fall ist nicht so einfach.

Der Fall berührt das Publikum weitgehend, wie die Kommentare im Netz zeigen. Ein Facebook-User betont: "Der Mord in einer Jugendhilfeeinrichtung führt tief in kaputte Lebensgeschichten. Weniger Krimi, mehr echte Geschichten, die wehtun. Der 'Tatort' hat mich sehr viel mehr getroffen als erwartet." Der Film habe ihn auch schauspielerisch überzeugt.

Eine ARD-Zuschauerin hebt hervor: "Das war einer der besten 'Tatorte' ever. Tolles Drehbuch, großartige innovative Regie. Und die Schauspieler waren klasse, allen voran die ganz jungen Akteure. Ich bin geflasht. Großartig."

Sozialdrama sorgt für Frust

Andere stören sich dagegen an dem bedrückenden Thema. "Eins meiner Lieblingsteams, aber ich möchte kein Sozialdrama sehen, sondern einen spannenden Krimi! Es ist jetzt bereits langweilig!", kritisiert eine Userin.

Und auch die Erzählweise gefällt ihr nicht. Das Besondere an diesem "Tatort" ist nämlich, dass es wiederholt Szenen gibt, in denen die Figuren direkt in die Kamera sprechen. Ebenso werden Rückblicke gezeigt, bei denen Eisner und Fellner plötzlich im Tatgeschehen dabei sind - so auch ganz am Ende, als zu sehen ist, wer das Opfer erschlagen hat.

"Immer diese Versuche, durch Rückblenden den Film kunstvoll zu gestalten! Ich mag lieber klar erzählte Storys! Schade, bin weg!", kritisiert die Kommentatorin. Eine andere schreibt: "10 Minuten und ich bin schon raus. Dann plötzlich dunkel, der Tote lebt wieder, och Leute, ich bin dann mal weg."

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+++ Ursprüngliche Meldung +++

"Tatort: Gegen die Zeit": Darum geht es im neuen Fall

Der "Sonnenhof" (Roland Silbernagl) ist eine sozialpädagogische Wohngemeinschaft für männliche Jugendliche, die mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben. Für viele ist es die letzte Chance. Einrichtungsleiter David Walcher ist wegen seines strengen Führungsstils umstritten. Als eines Tages seine Leiche auf einer einsamen Landstraße am Rande von Wien entdeckt wird, fällt der Verdacht schnell auf den einschlägig vorbestraften Cihan Özbek (Alperen Köse). Der ist nämlich seit der Mordnacht verschwunden. Doch auch die anderen WG-Bewohner geraten in den Fokus der Kripo. Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sind über die Brutalität der Tat schockiert. Der Sozialpädagoge wurde mit einem Stück Holz erschlagen und muss vor seinem Tod qualvoll gelitten haben.

Krimineller Systemsprenger

Für den 16-jährigen Cihan war der "Sonnenhof" die letzte Chance auf ein halbwegs normales Leben. Sein Vorstrafenregister ist so lange, dass er durch alle Raster zu fallen droht und als "Systemsprenger" gilt. Körperverletzung, Diebstahl, Drogendelikte und nun der Verdacht auf Mord. Warum trägt dieser Junge so viel kriminelle Energie in sich?

Der Verdacht gegen ihn verhärtet sich durch eine Videoaufnahme, die zeigt, dass er genau zur Tatzeit in einen Bus Richtung Innenstadt gestiegen ist. Doch wo steckt er jetzt? Kriminalassistentin Meret Schande (Christina Scherrer), die Kollegin von Eisner und Fellner, soll den Jugendlichen finden, während die beiden Kommissare sich im "Sonnenhof" umhören. Als Schande dem Teenager in einer brenzligen Situation gegenübersteht, fühlt sie sich jedoch von ihren eigenen Gefühlen als junge Mutter überwältigt.

Besondere Herausforderungen

Nach dem Tod des bisherigen Zuständigen übernehmen Simon Rechnik (Augustin Groz) und Araz Barzani (Emre Cakir) die Leitung der Einrichtung. Eisner und Fellner kommen in diesem brisanten Fall mit ihren üblichen Verhörmethoden nicht weiter. Im Gespräch mit den traumatisierten und psychisch labilen Jugendlichen ist besondere Sensibilität gefragt. Bei Cihans bestem Freund Leon (Tristan Witzel) stoßen sie zunächst auf Granit, bevor sein ganzer Hass auf die Welt und sich selbst ans Tageslicht kommt. Auch der schüchterne Levi (Christoph Lackner-Zinner), der jüngste WG-Bewohner, sehnt sich nach Liebe und will zurück zu seinen Pflegeeltern. Als die BKA-Beamten Eisner und Fellner Drogen unter seinem Bett finden, fragen sie sich, was der scheinbar harmlose Junge alles zu verbergen hat.

Neue Leitung, alte Probleme

V. l.: Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Simon Rechnik (Augustin Groz), Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Araz Barzani (Emre Cakir).

Bild: ORF/Petro Domenigg


Blick hinter die Kulissen

Der vorletzte Fall für Oberstleutnant Moritz Eisner und Majorin Bibi Fellner wurde vom 3. September bis 2. Oktober 2025 in Wien gedreht. Darin ermitteln die beiden in einer Jugendhilfe-WG unter schwer traumatisierten und psychisch labilen Jugendlichen.

Regisseurin und Autorin Katharina Mückstein hebt vor allem "die empathische Leistung der beiden Kommissare" hervor: "Sie sind im besten Sinne vollständige Menschen, die ein großes Gespür und auch einen politischen Sinn für das Soziale haben." Sie betont:

Zum Ende ihrer Tatort-Karriere wollte ich zeigen, dass die Empathie eine große Kraft ist, mit der die Kommissare in das Erlebte ihrer Mitmenschen eintauchen können.

Regisseurin Katharina Mückstein

Schauspieler Harald Krassnitzer ergänzt: "Es gibt in dieser Geschichte zwei Kommissare, die sehr feinfühlig und respektvoll in die Welt der Jugendlichen eindringen, weil sie genau wissen, dass das Autoritäre hier nur einen Reflex erzeugt: den der Abwehr. Also setzen sich die Ermittler mit ihnen auseinander […] und helfen ihnen, so weit wie möglich, aus ihrer Misere herauszukommen." Seine Kollegin Adele Neuhauser findet vor allem die "sinnliche Erfahrung", die der "Tatort" vermittelt, extrem wichtig. Während es für Moritz Eisner bereits der 62. Fall ist, ermittelt Bibi Fellner zum 38. Mal.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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