Wer heult denn da?

Nach dem "Tatort: Gefahrengebiet": Sind Wölfe wirklich eine Gefahr in Berlin?

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von teleschau

Was tun, wenn der Wolf kommt? Im letzten "Tatort"-Einsatz von Susanne Bonard (Corinna Harfouch) zählte auch ein Wolf zu den Tatverdächtigen.

Bild: rbb/Conny Klein


Susanne Bonard (Corinna Harfouch) ermittelte im "Tatort: Gefahrengebiet" (ARD) in ihrem letzten Fall. Sie ging in Rente. Zurück blieb nicht nur ihr Partner Robert Karow (Mark Waschke), sondern auch einige Fragen. Vor allem: Sind Wölfe wirklich eine Gefahr für die Einwohner:innen von Berlin?

Der "Tatort: Gefahrengebiet" war der letzte Fall von Susanne Bonard. Die von Corinna Harfouch gespielte Ermittlerin verabschiedet sich nach nur fünf Fällen in den Ruhestand.

Der Abschiedskrimi um einen getöteten Obdachlosen geriet ziemlich düster, aber auch vielschichtig. Drehbuchautorin und Regisseurin Mira Thiel schuf ein besonderes Abschiedsgeschenk für die 71-jährige Harfouch. Eines, das auch ein paar Fragen aufwarf.

Warum steigt Corinna Harfouch aus?

Nur sechs Filme und fünf Fälle gab es mit Harfouch als Ermittlerin Bonard. Der erste Fall, "Nichts als die Wahrheit" wurde am 9. und 10. April 2023 als Zweiteiler gesendet. Dass Fans traurig sind über Harfouchs Abschied, ist verständlich. Andererseits waren anfangs viel weniger Einsätze mit der Ermittlerin geplant - nämlich nur einer. Dass es mehr wurden, freute vor allem Harfouchs Partner Mark Waschke: "Ich bin ihr zutiefst dankbar für die wunderbare Zusammenarbeit und die einzigartigen Impulse, die sie dem Berliner 'Tatort' gegeben hat."

Letztlich lag es am Alter der Schauspielerin und dem ihrer Rolle. Harfouch erklärte in einem Interview dazu: "Es wäre ja auch absurd, wenn ich mit 75 immer noch 'Tatort'-Kommissarin wäre und im Rollstuhl die Verbrecher jage."

Worum ging es im "Abschieds-Tatort"?

"Der Wolf war's". Das ist Edda Odin (Catherine Stoyan) sofort klar, als sie beim Gassi-Gehen die übel zugerichtete Leiche eines Obdachlosen in einem Waldgebiet am Rande Berlins entdeckt. Das Gebiet heißt "Teufelsberg" und für Edda war am legendären Lost Place an den Ruinen einer einstigen Abhörstation aus dem Kalten Krieg eindeutig ein Teufel am Werk - und zwar ein vierbeiniger. Schließlich will Edda hier auch bereits mehrfach einen Wolf gesehen haben.

Karow bleibt skeptisch, während Staatsanwältin Taghavi (Jasmin Tabatabai) von der Wolfs-Hysterie erfasst wird, zumal sich an der Leiche tatsächlich Bissspuren von einem Tier finden. Die könnten allerdings auch erst "post mortem" zugefügt worden sein - und nicht unbedingt von einem Wolf. Aber für Taghavi wäre ein wild umher streunender Wolf in der Großstadt das absolute Horrorszenario.

Bei den Ermittlungen treffen die Kommissare im Wald auf die Survival-Lehrerin Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle) und ihren Wildnis-Schüler Noah Farrell (Nils Kahnwald). Als der sich aus "Wolfs-Angst" aus dem Staub in Richtung sichere Zivilisation macht, springt kurzerhand Bonard ein und begibt sich zum Überlebenstraining in der "Wolfszone". Bonard kann geistige Abwechslung gut gebrauchen, weil sich ihre Gedanken zuletzt zu sehr um ihren bevorstehenden Abschied, Verlust- und Zukunftsängste drehten.

Dann geht es aber auch um Endzeit-Stimmung, Prepper und schließlich um Menschen, die den Wert des Lebens unterschiedlich einschätzen. Harfouchs letzter "Tatort" kritisiert eine Denkschule, die man auch von den Tech-Gurus des Silicon-Valleys kennt: Dass nämlich nicht jedes Leben gleich viel wert ist. "Survival of the Richest" heißt ein 2022 erschienenes Buch von Douglas Rushkoff. Laut Produzent Jens C. Susa soll es die Produktion von "Gefahrengebiet" inspiriert haben.

Gibt es Wölfe am Alexanderplatz?

2023 meldete der Naturschutzbund Deutschland, es gebe keine Wölfe in Berlin. In den Außenbezirken aber schon. In der Döbritzer Heide westlich von Spandau soll ein Rudel leben und es wurde häufiger über einzelne durchziehende Wölfe berichtet, die meist aus den Wäldern Brandenburgs stammen. Dort sind Wölfe bereits seit 2007 wieder ansässig. Es wurden auch schon Wölfe im Stadtgebiet Berlins gesichtet, dabei handelte es sich aber eher um Ausflüge als die Suche nach einem neuen Revier. Zu Sichtungen kam es auch in Spandau und an der Pfaueninsel, an der südwestlichen Spitze des Grunewalds. Und in diesem Stadtteil wurden auch Szenen für den "Tatort" gedreht, wie auch in Berlin-Mitte und am ehemaligen Flughafen Tegel.

Für Menschen ist die Gefahr eines Wolfsangriffs in und um Berlin dennoch gering. Expert:innen betonen, dass Wölfe Menschen generell ausweichen. Die größte Gefahr bestünde durch Verkehrsunfälle mit Wölfen. Zu denen käme es westlich der Stadtgrenze häufiger, wenn Wölfe auf ihrer Wanderung von der Döbritzer Heide nach Gatow und zurück die B2 überqueren müssten. In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr insgesamt 35 Wölfe überfahren, meldete das Landesamt für Umwelt. Einen tödlichen Wolfsangriff auf einen Menschen gab es im Großraum Berlin aber seit 1904 nicht mehr. Damals tötete der sogenannte "Tiger von Sabrodt" in der Lausitz einen Menschen, bevor er erschossen wurde. 2023 wurde allerdings ein Mann bei einem Waldspaziergang in Brandenburg von einem Wolf attackiert und schwer verletzt.

Dass Wölfe viele Nutztiere reißen, ist dagegen keine Seltenheit, sondern eher Alltag. 2024 wurden in Brandenburg 944 Schafe und Ziegen von Wölfen gerissen. Das ist viel für die Besitzer:innen der Nutztiere, aber: Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Zahlen um 26 Prozent zurück.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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