"Das System ist nicht für unsere Arbeitsweise gemacht"
"Tatort"-Star Barbara Philipp über Gagen, Rollenbilder und die Realität hinter der Kamera
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von Annalena GraudenzSchauspielerin Barbara Philipp ist seit 2010 unverzichtbarer Teil des Wiesbadener "Tatorts".
Bild: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Die deutsche Film- und Fernsehbranche gibt sich gern modern, vielfältig und progressiv. Doch hinter den Kulissen sieht die Realität oft anders aus. Barbara Philipps spricht offen über strukturelle Probleme, ungleiche Bezahlung und die Unsicherheiten eines Berufs, der nach außen oft glamouröser wirkt, als er ist.
Schauspielerin Barbara Philipp blickt auf eine lange Karriere zurück und erinnert sich auch an Zeiten des Zweifelns, wie sie gerade in einem Interview mit "t-online" verraten hat. Gerade am Anfang sei die Schauspielerei kein leichtes Pflaster gewesen: geringe Bezahlung, wenige Rollen, dafür viel Unsicherheit. "Da denkt man schon: Vielleicht wäre ein anderer Weg einfacher gewesen", sagt sie rückblickend.
Schauspielerei: Unsicheres Berufsfeld mit wenig Absicherung?
Was viele unterschätzen ist die finanzielle Realität der meisten Schauspieler:innen. Denn die hat wenig mit roten Teppichen und glamourösen Auftritten zu tun. Unregelmäßige Engagements sorgen dafür, dass kontinuierliche Rentenansprüche schwer aufzubauen sind. "Wir zahlen viel ein und bekommen am Ende trotzdem wenig raus", erklärt Philipp. Ihr Fazit ist deutlich:
Das System ist nicht für unsere Arbeitsweise gemacht.
Gagen: Noch immer ein Geschlechterproblem
Besonders kritisch sieht die Darstellerin die Frage der Bezahlung. Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien nach wie vor spürbar und das nicht nur in Einzelfällen. "Das hat sich nicht grundlegend geändert", stellt sie klar.
Die Ungleichheit ziehe sich durch alle Ebenen, auch Frauen seien mitunter von diesem System betroffen. Philipp erinnert sich an eine Erfahrung, bei der sie für eine Rolle deutlich schlechter bezahlt werden sollte als ihre männlichen Kollegen. "Da wurde ich auch ein bisschen zur Revoluzzerin", sagt sie.
Ein möglicher Grund liegt für die 60-Jährige in der Bewertung von Rollen. Klassische Männerfiguren - Helden, Entscheider, Abenteurer - genießen oft mehr Ansehen als weibliche Rollen, die lange Zeit auf Beziehungsthemen reduziert wurden.
Mehr Vielfalt, aber noch Luft nach oben
Immerhin: In der Darstellung von Frauen erkennt die ansässige Berlinerin Fortschritte. Rollen seien heute vielfältiger und komplexer, Frauen stünden häufiger im Mittelpunkt von Geschichten. Doch zufrieden ist sie damit noch nicht.
Der Begriff "starke Frau" ärgere sie zudem. "Das ist genauso eindimensional." Entscheidend sei vielmehr, dass Figuren als Menschen erzählt werden, mit Widersprüchen, Ecken und Kanten, unabhängig vom Geschlecht.
Philipp selbst hatte das Glück, häufig facettenreichen Rollen zu spielen. Ob als alleinerziehende Mutter, die ums Überleben kämpft, oder als Gangsterbossin. Sie sucht gezielt Figuren, die aktiv handeln und eigene Ziele verfolgen. Klassische Klischees interessieren sie weniger.
Rollen-Klischees halten sich hartnäckig
Trotz Fortschritten sieht die Schauspielerin weiterhin ein Problem darin, wie Frauen oft inszeniert werden. Noch immer würden sie zu häufig über ihre Beziehung zu Männern definiert. "Sie dürfen an der Seite von irgendeinem Typen glänzen, der dann das Abenteuer erlebt", beschreibt sie es.
Solche Muster zu durchbrechen, sei ein langsamer Prozess. Doch Philipp setzt darauf, dass sich mit wachsender Vielfalt auch die Perspektiven verändern.
In diesen Film-Highlights spielt Barbara Philipp eine prominente Nebenrolle
Neue Lust auf Leichtigkeit
Mit 60 Jahren blickt die Schauspielerin heute entspannter auf ihre Karriere. Statt sich an Erwartungen anzupassen, folgt sie stärker ihren eigenen Interessen und die liegen aktuell überraschend oft in der Komödie. Nach vielen ernsten Rollen genießt sie die Leichtigkeit humorvoller Stoffe. Vielleicht, sagt sie selbstironisch, sei es sogar gut, "dass ich nie so richtig seriös geworden bin".
Und auch gegenüber neuen Formaten zeigt sie sich offen. Dreharbeiten im Ausland hätten ihre Reiselust geweckt - selbst ein Engagement beim "Traumschiff" kann sie sich inzwischen vorstellen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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