"Ich wollte Olympiasieger werden"
"Der Buchspazierer"-Star Ronald Zehrfeld: Darum rief man ihn "Obelix"
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von teleschauSchauspieler Ronald Zehrfeld beschrieb sich einst selbst als "sensible Pussy".
Bild: 2024 Getty Images/Andreas Rentz
1,90 Meter groß, kräftig gebaut, auch wegen jahrelangen Judo-Trainings - kein Zweifel: Ronald Zehrfeld hinterlässt schon optisch Eindruck und wurde auch schon Obelix genannt. Dabei ist der Schauspieler laut eigener Aussage durchaus eine sensible Seele.
Er ist einer der Größten in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Denn Ronald Zehrfeld misst 1,90 Meter. Aber der Schauspieler hat sich in seiner 20-jährigen Karriere auch schauspielerisch ins oberste Regal empor gespielt. Wo Zehrfeld mitspielt, da schaut man hin. Denn er ist - optisch und leistungsbezogen - nicht zu übersehen.
So wie in "Der Buchspazierer", wo er an der Seite von Christoph Maria Herbst den vom Tod seiner Frau geschockten Vater von Jungschauspielerin Yuna Bennett spielt. Der Film war laut einer Studie der Filmförderungsanstalt (FFW) der beliebteste deutsche Kinofilm des Jahres 2024. Am Montag, 17. August, ist der mit dem Publikumspreis des 29. "San Francisco Berlin & Beyond Film Festival" ausgezeichnete Film ab 20.15 Uhr im ARD-Livestream auf Joyn zu sehen.
Insgesamt war Zehrfeld bislang an 70 TV- und Kinoproduktionen beteiligt - und die nächsten sieben sind in der Pipeline! Nicht schlecht für einen, der eigentlich mit Schauspielerei gar nichts am Hut hatte.
Ronald Zehrfeld hätte beinahe sein "Abi verkackt"
Ronald Zehrfeld, 1977 als Sohn einer Betriebswirtin und eines Ingenieurs in Ost-Berlin geboren, fiel früh auf - und zwar den Trainer:innen. Er wurde aus dem Kindergarten ins Trainingszentrum Dynamo Adlershof und später in die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Hohenschönhausen gesteckt, wo auch Franziska von Almsick geschult wurde.
Das Ziel: Als Judoka für die DDR Medaillen sammeln. Er machte das ganz gut, wurde auch DDR-Meister. Und gab im "Zeit"-Interview zu: "Als Junge wollte ich Olympiasieger werden." Aber als die Wende kam, war er mit zwölf Jahren zu jung für den westdeutschen Kader. Mit 14 hörte er mit dem Judo auf. Aber die Körperlichkeit blieb: Fußballspielen, Ski laufen, später wurde er zum leidenschaftlichen Motorrad-Biker.
Nur Schauspielerei stand lange nicht auf dem Plan. Nach der deutschen Wiedervereinigung hatte er ohnehin erst mal anderes zu tun - etwa 24 Stunden mit dem Bus nach Lloret de Mar zu fahren, Filme gucken, Burger essen. "Im Osten war Narrenzeit", fasste er die "wilden Zweiten in Treptow" im Interview mit der "Zeit" einst zusammen. Die hätte ihn fast sein Abitur gekostet. "Beinahe hätte ich mein Abi verkackt. In der schriftlichen Bio-Klausur hatte ich eine glatte Sechs. In der mündlichen musste ich dann eine sehr gute Note bekommen. Das hab ich geschafft." Nach dem Zivildienst begann er Germanistik und Politik zu studieren. Er liebäugelte - halbherzig - mit dem Lehrerberuf.
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Eine Party brachte Ronald Zehrfeld zur Schauspielerei
Die erste Berührung mit der Schauspielerei gab es nicht aus Interesse, sondern wegen der Geografie. "Ich bin in Schöneweide aufgewachsen, einem Ostberliner Arbeiterkiez um die Ecke von der 'Ernst Busch'", erzählte Zehrfeld der "Zeit". So hieß die Hochschule für Schauspielkunst in Berlin. Aber die Student:innen waren zunächst eher als "die Buschis" Zielscheiben für Spott, weil sie so anders waren. Zehrfeld: "Die waren anders gekleidet, die sprachen anders in der Eisdiele, die konnten Schiller rezitieren. Ich hatte davon keine Ahnung."
Aber dann brachte ihn ein Workshop in einem spanischen Künstlerdorf auf den Geschmack. Außerdem schleppte ihn eine Freundin dann auf eine "der legendären Chaospartys an der 'Busch'". Das hinterließ Eindruck bei Zehrfeld: Anfang der 2000er-Jahre ging er wieder zur "Ernst Busch" - als Student.
Noch während des Studiums debütierte er am Deutschen Theater in Berlin. Nachdem er zunächst keine Lust auf Film und Fernsehen und Angebote ausgeschlagen hatte, stand er 2003 erstmals vor der Filmkamera - und dann ging alles ziemlich schnell.
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Seine Freundin nannte Ronald Zehrfeld "Obelix"
2006 hatte er die erste Kino-Hauptrolle in "Der rote Kakadu" und den ersten "Tatort"-Auftritt. 2010 und 2011 gab es den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis mit dem Ensemble in der Serie "Im Angesicht des Verbrechens". 2012 feierte ihn der "Tagesspiegel" als "Kraftkerl mit dem Kindergesicht" und als "Senkrechtstarter" der Szene.
Kritiker sahen in ihm den "deutschen Russell Crowe". 2014 gab es für "Mord in Eberswalde" den zweiten Grimme-Preis, 2016 den Deutschen Filmpreis für "Der Staat gegen Fritz Bauer". Er spielte den Geliebten von Iris Berben ("Der russische Geliebte"), war Hauptdarsteller in den Serien "Dengler" und "Warten auf'n Bus" und hatte eine tragende Rolle in der dritten Staffel von "Babylon Berlin". 2020 spielte er den Haudrauf Berulf in der Serie "Barbaren".
Allein in den letzten vier Jahren drehte Zehrfeld 18 Produktionen - und spielte nebenbei noch Theater. Abgedreht hat er unter anderem gleich drei neue, noch nicht veröffentlichte "Tatort"-Einsätze, immer in anderen Rollen. Das ist rekordverdächtig. Aber das passt ja zu einem ehemaligen Olympiasieger in spe ...
Ronald Zehrfeld lebt mit seiner Familie in Berlin. Er hat eine Tochter, die mittlerweile fast volljährig ist. Sein Privatleben hält er aus der Öffentlichkeit heraus. Bekannt ist nur, dass ihn seine Freundin mal "Obelix" nannte. Weil er halt so ein "Gefühlskoloss" sei, wie "Die Zeit" schrieb. Er steht zu seinen Gefühlen: "Ich spüre zu viel, nehme zu viel wahr. Manchmal bin ich eine sensible Pussy. Aber ich finde das ganz gut so."
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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