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"Deswegen sind dann Medikamente ins Spiel gekommen": Moderatorin Annika Lau über ADHS-Erkrankung ihres Sohnes
Aktualisiert:
von Lars-Ole GrapSAT.1-Frühstücksfernsehen
"Ihr Kind ist anders": Annika Lau zu ADHS
Videoclip • 06:28 Min • Ab 12
Ihr Sohn Baz hat ADHS. Im "SAT.1-Frühstücksfernsehen" erklärt Moderatorin Annika Lau, warum sich die Familie für Medikamente entschied - und welche Schwierigkeiten ihr Sohn zuvor in der Schule hatte.
Annika Lau weint oft im Auto, manchmal sogar auf offener Straße. "Das ist mein Ventil", sagt die Moderatorin kürzlich gegenüber "Gala". Für die Tränen schäme sie sich inzwischen nicht mehr. Der Grund: Ihr Sohn Baz hat ADHS. Die Herausforderungen, die damit verbunden sind, stellen die Berliner Familie täglich auf die Probe.
Am Mittwoch, 7. Oktober, spricht die 47-jährige Moderatorin im "SAT.1-Frühstücksfernsehen" nun über ihr neues Buch "Ihr Kind ist anders".
Von Montag bis Freitag ab 5:30 Uhr und am Wochenende ab 9 Uhr
Annika Lau über Sohn Baz: "Mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll"
Für sie ist es vor allem dieser Widerspruch, der den Alltag so schwierig macht. "Es ist diese Gleichzeitigkeit, die einen verrückt macht", sagt die 47-Jährige im Gespräch mit "Gala". Baz sei witzig, klug und schnell im Kopf, wenn er wolle - und kurz darauf wieder träge. Für sie steht trotzdem fest: "Mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll."
Doch auch für den Zehnjährigen sei der Alltag hart, erklärt die dreifache Mutter dem Magazin. Ihrer Erfahrung nach stoßen Kinder wie er überall auf Ablehnung und hören ständig, sie seien schuld. Lob bleibe die Ausnahme. Für Baz' chaotischen Kopf findet Lau schnell eine Erklärung: seinen Vater, den Schauspieler Frederick Lau. "Die beiden sind wie eine Person, einmal in groß und einmal in klein." Streiten die beiden, erinnere das an zwei Sechsjährige: Es wird geschrien, es fliegen Sachen und wenig später folgt die Umarmung.
Wie alles begann, erzählt Annika Lau in ihrem Buch, aus dem "Bild" Passagen zitiert. Baz ist drei Jahre alt, als die Erzieherin sie zum Entwicklungsgespräch bittet. Lau rechnet mit einem Routinegespräch und hört stattdessen den Satz: "Ihr Kind ist anders." Ob ihr das denn nie aufgefallen sei, fragt die Erzieherin. Als Vergleich hat Annika Lau nur ihre ältere Tochter. Dass Baz wilder und lauter ist, erklärt sie sich zunächst damit, dass er ein Junge ist. Erst später wird ihr klar, wie sehr sie sich in diesem Moment selbst die Schuld gibt. Dann beginnt eine lange Suche: Termine in Arztpraxen, Plätze auf Wartelisten, eigene Recherchen. Erst mit sechs, kurz vor der Einschulung, steht die Diagnose fest.
ADHS im Familienalltag: Zwischen Schulstress und schlaflosen Nächten
In der Schule zeigt sich schnell, dass ihr Sohn mehr Unterstützung braucht. Rückzugsorte und Kopfhörer, mit denen die Lehrerin ihm zunächst helfen will, reichen nicht aus. Nach zwei Wochen steht bereits das erste Krisengespräch an. Baz verlasse seinen Platz, esse im Unterricht, rede dazwischen und schleudere seine Antistressbälle durch den Raum. Schließlich regt seine Lehrerin eine medikamentöse Behandlung an. Für Lau ist das ein Schock: Sie steigt ins Auto und bricht in Tränen aus. Es folgen Gespräche, Beschwerden und schließlich sogar der Vorschlag, Baz stationär in einer Klinik unterzubringen. Für seine Mutter kommt das nicht infrage.
Wie es nach dem Vorschlag seiner Lehrerin weiterging, verrät Annika Lau jetzt im "SAT.1-Frühstücksfernsehen". Zunächst habe die Familie gemeinsam mit der Schule nach anderen Lösungen gesucht. Baz bekam unter anderem einen eigenen Bereich, in den er sich zurückziehen konnte, wenn ihm alles zu viel wurde.
Doch irgendwann reichte das offenbar nicht mehr. Lau erzählt, ihr Sohn habe im Unterricht auf dem Boden gelegen, gepfiffen oder sei aus dem Klassenzimmer gelaufen. Schließlich traf die Familie eine Entscheidung, die für die Moderatorin zunächst undenkbar war: Baz bekam Medikamente.
Deswegen sind dann Medikamente ins Spiel gekommen, weil er einfach nicht schulfähig war.
Dabei macht die 47-Jährige deutlich, dass die ADHS ihres Sohnes stark ausgeprägt sei. Es gebe unterschiedliche Abstufungen. Baz sei "eher so im oberen Level angesiedelt". Auf seine Diagnose reduzieren möchte Lau ihren Sohn allerdings nicht. Sie beschreibt ihn als "lustigen, lebensfrohen, fantastischen Kerl", der schlau sei und Dinge unglaublich schnell erfassen könne. Für die Familie gehe es vor allem darum, den richtigen Weg für Baz zu finden:
Wir wollen, dass er glücklich ist.
Annika Lau: "Ich muss mindestens 150 Prozent Mutter sein"
Auch zu Hause bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. "Diese Diagnose verlangt einem alles ab", sagt sie gegenüber "Bild". Schon ein ausgefallener Bus könne Baz aus dem Gleichgewicht bringen und den ganzen Tag kippen lassen. "Ich muss mindestens 150 Prozent Mutter sein." Gleichzeitig stemmt sie den Alltag mit drei Kindern meist allein, weil ihr Mann für Dreharbeiten oft wochenlang unterwegs ist.
Am deutlichsten zeigt sich die Belastung am Abend. Baz habe bisher nur wenige Nächte durchgeschlafen, schreibt sie in ihrem Buch. Selbst Zähneputzen, Schlafanzug und Einschlafen werden zur Verhandlungssache. Stille erträgt er kaum, im Dunkeln hat er Angst. Oft bleibt sie länger als eine Stunde bei ihm, während Haushalt, Partnerschaft und die Geschwister warten. Manchmal weint sie lautlos, damit ihr Sohn es nicht hört. Das ständige Gefühl, jederzeit mit dem nächsten Desaster rechnen zu müssen, zehrt an ihr. Entspannen könne sie sich nie richtig.
Trotzdem hat sich etwas verändert. Die vielen kleinen und großen Krisen hätten sie ruhiger gemacht, sagt Lau. So schnell bringe sie nichts mehr aus dem Tritt. Die Familie arbeite sich "Schritt für Schritt zurück in die Normalität". Dass die Schule schwierig bleibt, hat sie akzeptiert. Wichtiger ist ihr, was Baz mit Liebe, Ruhe und Struktur schaffen kann. "Ich glaube an ihn."
Das große Backen
Annika Lau moderiert in der 5. Staffel
"Auf die Plätzchen, fertig, backt" - es geht wieder los! Zum 14. Mal werden im Backzelt die Öfen vorgeheizt und es stellt sich die jährliche Frage: Wer wird Deutschlands beste Hobbybäckerin oder Deutschlands bester Hobbybäcker? Und wer erfüllt sich den Traum vom goldenen Cupcake und dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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