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"150 Prozent Mutter sein"

"Ich weine oft im Auto": Moderatorin Annika Lau spricht über die ADHS-Diagnose ihres Sohnes

Veröffentlicht:

von Lars-Ole Grap

Annika Lau über einen Familienalltag zwischen Belastung, Geduld und Hoffnung.

Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow


Ein Satz im Kindergarten verändert für Annika Lau alles: "Ihr Kind ist anders." Jetzt spricht die Moderatorin erstmals darüber, wie die ADHS-Diagnose ihres Sohnes ihr Familienleben geprägt hat.

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Annika Lau weint oft im Auto, manchmal sogar auf offener Straße. "Das ist mein Ventil", sagt die Moderatorin der "Gala". Für die Tränen schäme sie sich inzwischen nicht mehr. Der Grund: Ihr Sohn Baz hat ADHS, und die Diagnose stellt die Berliner Familie täglich auf die Probe.

Am Mittwoch, 7. Oktober, spricht die 47-jährige Moderatorin im "SAT.1-Frühstücksfernsehen" über ihr neues Buch "Ihr Kind ist anders" und das Leben mit der Diagnose ihres Sohnes.


Annika Lau über Sohn Baz: "Mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll"

Für sie ist es vor allem dieser Widerspruch, der den Alltag so schwierig macht. "Es ist diese Gleichzeitigkeit, die einen verrückt macht", sagt die 47-Jährige der "Gala". Baz sei witzig, klug und schnell im Kopf, wenn er wolle - und kurz darauf wieder träge. Für sie steht trotzdem fest: "Mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll."

Doch auch für den Zehnjährigen sei der Alltag hart, erklärt die dreifache Mutter dem Magazin. Kinder wie er träfen überall auf Ablehnung und hörten ständig, sie seien schuld. Lob bleibe die Ausnahme. Für Baz' chaotischen Kopf findet Lau schnell eine Erklärung: seinen Vater, den Schauspieler Frederick Lau. "Die beiden sind wie eine Person, einmal in groß und einmal in klein." Streiten die beiden, erinnere das an Sechsjährige: Es wird geschrien, es fliegen Sachen und wenig später folgt die Umarmung.

Wie alles begann, erzählt Annika Lau in ihrem Buch, aus dem die "Bild" Passagen wiedergibt. Baz ist drei, als die Erzieherin sie zum Entwicklungsgespräch bittet. Lau rechnet mit einem Routinegespräch und hört stattdessen den Satz: "Ihr Kind ist anders." Ob ihr das denn nie aufgefallen sei, fragt die Erzieherin. Annika Lau kennt bis dahin nur ihre ältere Tochter und hält Baz' Verhalten für das, was sie bei einem Jungen erwartet: wilder, lauter, vielleicht einfach anders. Erst später wird ihr klar, wie sehr sie sich in diesem Moment selbst die Schuld gibt. Dann beginnt eine lange Suche: Arztpraxen, Wartelisten, Recherchen. Erst mit sechs, kurz vor der Einschulung, steht die Diagnose fest.

ADHS im Familienalltag: Zwischen Schulstress und schlaflosen Nächten

In der Schule stößt ihr Sohn schnell an Grenzen. Rückzugsorte und Kopfhörer, mit denen die Lehrerin ihm zunächst helfen will, reichen nicht aus. Nach zwei Wochen steht bereits das erste Krisengespräch an. Baz verlasse seinen Platz, esse im Unterricht, rede dazwischen und schleudere seine Antistressbälle durch den Raum. Schließlich regt seine Lehrerin eine medikamentöse Behandlung an. Für Lau ist das ein Schock: Sie steigt ins Auto und bricht in Tränen aus. Aus dem Schulalltag wird zunehmend ein Kampf - mit diversen Gesprächen, Beschwerden und schließlich sogar dem Vorschlag, Baz stationär in einer Klinik unterzubringen. Für seine Mutter kommt das nicht infrage.

Auch zu Hause bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. "Diese Diagnose verlangt einem alles ab", sagt sie gegenüber "Bild". Schon ein ausgefallener Bus könne Baz aus dem Gleichgewicht bringen und den ganzen Tag kippen lassen. "Ich muss mindestens 150 Prozent Mutter sein." Gleichzeitig stemmt sie den Alltag mit drei Kindern meist allein, weil ihr Mann für Dreharbeiten oft wochenlang unterwegs ist.

Am deutlichsten zeigt sich die Belastung am Abend. Baz habe bisher nur wenige Nächte durchgeschlafen, schreibt sie in ihrem Buch. Selbst Zähneputzen, Schlafanzug und Einschlafen werden zur Verhandlungssache. Stille erträgt er kaum, im Dunkeln hat er Angst. Oft bleibt sie länger als eine Stunde bei ihm, während Haushalt, Partnerschaft und die Geschwister warten. Manchmal weint sie lautlos, damit ihr Sohn es nicht hört. Das ständige Gefühl, jederzeit mit dem nächsten Desaster rechnen zu müssen, zehre an ihr. Entspannen könne sie sich nie richtig.

Trotzdem hat sich etwas verändert. Die vielen kleinen und großen Krisen hätten sie ruhiger gemacht, sagt Lau. So schnell bringe sie nichts mehr aus dem Tritt. Die Familie arbeite sich „Schritt für Schritt zurück in die Normalität". Dass die Schule schwierig bleibt, hat sie akzeptiert. Wichtiger ist ihr, was Baz mit Liebe, Ruhe und Struktur schaffen kann. "Ich glaube an ihn."

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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