Naturverbundene Medienfrau
"Mit jeder Faser in Plan B stürzen": Warum sich Judith Rakers fürs Farmleben entschied
Aktualisiert:
von Jan IslingerLebt selbstbestimmt wie nie: Judith Rakers.
Bild: Imago Images / Rainer Unkel
Scheidung, eine eigene Farm und der Abschied von der "Tagesschau": Judith Rakers hat ihr Leben im vergangenen Jahrzehnt völlig auf den Kopf gestellt und Sicherheit gegen Freiheit getauscht. Warum sich seit langem abzeichnete, dass es so kommen könnte.
Sie hat alles gewagt und viel gewonnen. Hinter Judith Rakers liegt ein Jahrzehnt des totalen Umbruchs. Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin hat mit ihrem alten Leben abgeschlossen. Ihren Lebenskompass richtet sie mehr denn je nach ihren Leidenschaften aus. Und während so mancher immer noch damit hadert, ob das alles so richtig war, hat ihr Umfeld nichts anderes von ihr erwartet. Ein Blick auf ihre Biografie verrät: Judith Rakers ist schon lange die moderne Version von Pippi Langstrumpf.
Judith Rakers will Tierstimmen statt Verkehrslärm
Naturverbunden war Judith Rakers schon immer. Ihr erstes eigenes Pferd kaufte sie sich von ihrem Ersparten mit gerade mal 12 Jahren. Seither gehören die Vierbeiner fest zum Leben der heute 50-Jährigen. Selbstredend verbringt die Journalistin viel Zeit an der frischen Luft.
2016 verändert ein Talk die Sicht auf die eigene Lebensweise. Botaniker und Kultur-Anthropologe Wolf-Dieter Storl ist bei "3 nach 9" zu Gast. Rakers soll den charismatischen Mann mit dem langen weißen Bart interviewen und bereitet sich gewissenhaft vor.
Im Gespräch mit Storl erkennt Rakers, was ihr in ihrem damaligen Leben fehlt: "Sein Konzept von Freiheit hat mich total gekickt." Begriffe wie Nachhaltigkeit und der Traum, sich selbst zu versorgen, kreisen in ihrem Kopf. Plötzlich spielt sie mit dem Gedanken, aus Hamburgs Zentrum wegzuziehen: "Ich wollte morgens Tierstimmen statt Autogeräusche hören. Ich dachte, es wäre irre, wenn auch das Pferd im Garten stehen könnte"
So ein bisschen Pippi Langstrumpf.
Judith Rakers: "Mit jeder Faser in Plan B stürzen"
Rakers entschließt sich daraufhin zu mehreren lebensverändernden Schritten. 2017 trennt sie sich nach acht Jahren Ehe vom Immobilienfachwirt Andreas Pfaff und zieht von der City Hamburgs in die Provinz von Schleßwig-Holstein auf ihren ersten Bauernhof.
Dort lebt die Journalistin mit ihrem Pferd, Katzen und Hühnern und wird schon in ihrem ersten Jahr zur Selbstversorgerin. In den kommenden Jahren kümmert sie sich nicht nur um den Hof, sondern veröffentlicht mehrere Bücher zum Thema Homefarming und Selbstversorgung. Wenig später betreibt Judith Rakers sogar einen eigenen Web-Shop für Gewächshäuser, Hochbete und Saatgut.
Judith Rakers in der 4. Staffel von "The Masked Singer"
Abschied von der "Tagesschau"
2024 macht sie nach 19 Jahren Schluss bei der "Tagesschau." Es ist eine Trennung im Guten zugunsten ihres neuen Lebens: "Ich wusste, wenn ich alle meine Ideen umsetzen will, brauche ich Zeit. Und es war klar, dass ich mit dem aufhören muss, das am meisten Zeit beansprucht: der 'Tagesschau'."
Im SWR-Interview betont sie: "Ich habe Plan A - 'Die Tagesschau' - nicht verlassen, weil er mir nicht mehr gefallen hat. Ich wollte mich kopfüber mit jeder Faser in Plan B stürzen." Was sie damit meint, wird schon im folgenden Jahr deutlich.
Die eigene Farm auf der Insel Rügen
Im Jahr 2025 zieht Judith Rakers samt Stute Sazou, Fohlen Charly, Kater Jack und einer Handvoll Hühnern auf die Insel Rügen. Dort kommt sie dem Konzept ihrer eigenen Villa Kunterbunt schon sehr nahe.
Auf die Idee kam die 50-Jährige durch ihre vielen Urlaube und durch die Moderation des WDR-Reisemagazins "Wunderschön". Auf Rügen hat sie sich Freundschaften aufgebaut und eine Liebesbeziehung zur üppigen Natur entwickelt: "Wenn ich dort mit dem Pferd ausreite, sehe ich auf einen Blick das Meer, blühende Felder und eine funktionierende Landwirtschaft", erzählt sie beim ARD-Talk "Das! Rote Sofa". "Es ist wie ein Wimmelbild von schönen Dingen", schwärmt Rakers.
Rakers gibt alte Farm ab
Trotz des Umzugs auf die Insel Rügen behielt Rakers ihren alten Bauernhof am Rande Hamburgs zunächst. Nun verkündet die Journalistin überraschend: Sie gibt ihre geliebte, alte Farm ab. Der Grund für die Entscheidung ist fehlende Zeit, sich gut um das Anwesen zu kümmern: "Dieses Haus muss einfach belebt werden. Hier müssen Menschen wohnen, die sich kümmern, die den Garten im Blick haben."
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Doch es gibt bereits eine positive Nachricht: Die Farm wird in guten Händen bleiben. Denn Rakers Kollegin, Moderatorin Lisa Kestel, übernimmt den Hof mit ihrer Familie.
So schaffte Rakers den Sprung in die Medien
Nach einem Studium der Publizistik in Münster moderiert Rakers zunächst beim Radio, arbeitet für "Focus TV" und im regionalen Fernsehen beim Hamburg Journal. Vor etwa 20 Jahren wird sie von "Tagesschau"-Chefsprecher Jan Hofer entdeckt. Es entspinnt sich ein legendärer Dialog, als er sie fragt, ob sie bei der großen "Tagesschau" arbeiten wolle. Rakers: "Als was denn?" Hofer: "Als Sprecherin." Rakers: "Also, ich kann vieles, aber sprechen kann ich nicht so gut." Sie habe damals "wie eine 17-Jährige geklungen", viel zu jung für einen seriösen Nachrichten-Vortrag, glaubt sie. Trotz anfänglicher Zweifel bleibt sie 19 Jahre bei der "Tagesschau."
Im Jahr 2010 steigt sie als Moderatorin des "3 nach 9"-Talks an der Seite von Giovanni di Lorenzo ein. Risikofreudig präsentiert sie seit 2021 außerdem die WDR-Reisesendung "Wunderschön" - inklusive Paragliding-Absturz bei einem ihrer ersten Reise-Drehs in Galizien.
Schon 2011 erhält sie einen Anruf des NDR-Unterhaltungschefs, ob sie sich die Moderation des "Eurovision Song Contest" vorstellen könne - neben den Show-Hasen Anke Engelke und Stefan Raab. Sie moderiert auf Englisch, Italienisch und Französisch. Die 120 Millionen Zuschauer:innen des Song-Contests überzeugt sie souverän mit Witz und Charme.
Was macht Judith Rakers heute?
Aktuell schreibt Rakers Bücher für Kinder und Erwachsene über Homefarming und will Städter wieder näher an die Natur heranführen. Mit ihrem Mut ist Rakers Vorbild für viele geworden. Gerade Frauen, die sich an einem Wendepunkt befinden, suchen ihren Rat: "Sie schreiben mir, ob sie ihren Mann verlassen sollen." Doch solche Ratschläge liegen ihr fern. Sie sagt: "Jeder sollte sensibel in sich hineinhören." Dann blickt sie wieder neugierig in die Zukunft. Das Leben ist manchmal doch ein Ponyhof.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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