Bewegte Vergangenheit
Ihr Vater wurde angegriffen: Jeanette Biedermann spricht über ihre DDR-Zeit
Aktualisiert:
von C3Jeanette Biedermann (r.) erzählt von ihrer Kindheit und Flucht aus der DDR.
Bild: Daniel Naupold / dpa, IMAGO / APress, filmbildfabrik - stock.adobe.com
Sängerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann wuchs in Ost-Berlin auf und erlebte, wie ihre Eltern von der Stasi bedroht wurden. Mit neun Jahren floh sie mit ihrer Familie über Prag in den Westen. Diese Erfahrungen prägen sie bis heute.
Gewalt und Schikanen in Ost-Berlin
Schauspielerin Jeanette Biedermann, die jüngst selbst erstmals ein Kind zur Welt brachte, erinnert sich noch genau an die Zeit, als das Leben in der DDR von ständiger Angst geprägt war. Schon als Kind spürte sie, wie ihre Eltern unter dem Druck des SED-Regimes litten.
In einem Interview mit "Gala" im Jahr 2019 verriet sie: "Mein Vater wurde verprügelt, als er von der Kneipe nach Hause kam, und dann wurden ihm seine ganzen Papiere gestohlen - es waren Leute von der Stasi. Als er zur Polizei ging, bekam er zu hören, er solle 'zur Polizei im Westen gehen'." Die ständigen Übergriffe und Schikanen belasteten die Familie enorm.
Flucht als Schutzmaßnahme
Die Situation eskalierte, als ihre Eltern 1988 einen Ausreiseantrag stellten. Die Stasi richtete ihre Drohungen direkt an Jeanette: "Wir wissen, wo ihr Kind zur Schule geht!" Laut der ehemaligen "Anna und die Liebe"-Schauspielerin war das der Moment, in dem ihre Eltern die Reißleine gezogen haben.
Wir müssen hier weg. Wenn es an unser Kind geht, müssen wir hier weg.
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Prag als Ausgangspunkt
Die Flucht über Prag war für die damals Neunjährige zunächst ein harmloser "Tagesausflug". Erst später verstand sie das Ausmaß des Risikos. In der Botschaft verbrachte sie Tage in überfüllten Räumen, während ihr Vater draußen bleiben musste. "Für mich war es ein Riesen-Abenteuer, aber meine Eltern haben die ganze Zeit Angst gehabt", erzählt sie in dem Interview.
Auch die Zugfahrt in den Westen war riskant: Stasi-Agent:innen hätten jederzeit Kinder von ihren Eltern trennen können. Die Familie wachte deshalb ununterbrochen, um Jeanette zu beschützen.
Angekommen in West-Berlin
Die Ankunft im Westen bedeutete für die Familie einen Neuanfang, aber die ersten Wochen waren geprägt von Unsicherheit und Anpassung.
Wir haben anfangs mit nur einer Reisetasche bei meinem Onkel gelebt … und ich habe meine Freunde und mein altes Umfeld vermisst.
Kindheit unter dem SED-Regime
Die Erlebnisse in der DDR hinterließen bei der 45-Jährigen tiefe Spuren, die sie bis heute prägen. Im Gespräch mit "Gala" erzählt sie, wie die Angst vor Überwachung und die Flucht in den Westen ihr Verständnis von Freiheit geprägt haben:
Freiheit ist das höchste Gut!
Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und ihre Karriere.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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