"Achtung Abzocke"

Scheinbar seriös: Peter Giesel deckt gefälschte Behörden-Websites auf

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von Claudia Frickel

Meldebescheinigung, Nachsendeauftrag, Rundfunkbeitrag: Viele Behördengänge lassen sich bequem online erledigen. Genau das nutzen Betrüger:innen aus - und kassieren ab, ohne das Gewünschte zu liefern. Peter Giesel nimmt die Fake-Serviceportale unter die Lupe. Die Spur führt nach Dubai.

Mit dieser Masche arbeiten fiese Betrugsseiten

Pascal de Raay will nur seine Adresse für den Rundfunkbeitrag ändern. Das geht ganz einfach über das Internet - und ist eigentlich kostenlos. Doch ein falscher Klick in der Google-Ergebnisliste führt das Betrugsopfer auf eine Fake-Seite. Plötzlich liegt eine Rechnung über 30 Euro im Postfach. Das Dokument bekommt er aber nicht.

Auch Christian Werner fällt auf eine scheinbar offizielle Seite herein. Er möchte via Internet einen Energieausweis beantragen. Das Problem: Er zahlt die verlangte Gebühr, hat aber am Ende nur ein ungültiges Dokument.

Ich habe 70 Euro gezahlt - für nichts.

Betrugsopfer Christian Werner

Das sind keine Einzelfälle: Im Web finden sich zahlreiche Service-Webseiten, die vermeintlich Dienstleistungen von Behörden anbieten. Die Portale wirken seriös, tragen offiziell klingende Namen und tauchen ganz oben in den Google-Suchergebnissen auf.

Aber tatsächlich handelt es sich um private Anbieter, die am Ende ganz andere Dienste erbringen als erwartet. Dann erhalten Nutzer:innen beispielsweise nur ein eigentlich kostenloses Formular, das sie ausdrucken und der jeweiligen Behörde vorlegen müssen. Trotzdem müssen sie Geld für diese "Dienste" zahlen. Oft sind die Kostenangaben zudem versteckt.

Oder die Seiten leiten Infos lediglich weiter und verlangen dafür viel Geld. So musst du beispielsweise für einen Nachsendeauftrag bis zu 138 Euro zahlen - also viermal so viel wie bei der Deutschen Post.

Die Betrüger bieten über verschiedene Webseiten unter anderem das Anfordern von Geburtsurkunden, Schufa-Selbstauskunft, Führungszeugnissen oder Nachsendeanträgen an. Einige davon sind über das Internet überhaupt nicht möglich, weil du persönlich bei der entsprechenden Behörde erscheinen musst - etwa Kirchenaustritt oder Grundbuchauszug.

Besonders fies: Vor dem Absenden ihrer Bestellung werden Kund:innen häufig gedrängt, ein Häkchen zu setzen. Damit stimmen sie etwas zu, das im Kleingedruckten versteckt ist: Das 14-tägige Widerrufsrecht erlischt. Es ist dadurch später fast unmöglich, das abgezockte Geld zurückzuerhalten.

Peter Giesel spürt den Hintermann in Dubai auf

Viele der Abzock-Seiten sind eine Zeit lang online, verschwinden dann und tauchen unter neuen Namen und Domains wieder auf - mit derselben Masche.

Hinter einigen von ihnen steckt eine ganz bestimmte Firma. Die SSS-Software Special Service GmbH betrieb zum Beispiel die Portale "Service Nachsendeauftrag" und "Service Rundfunkbeitrag".  Allein auf Letztere fielen nach Angaben von Verbraucherschützern mehr als 90.000 Menschen herein. Inzwischen ist die Firma insolvent, aber das heißt nicht, dass die Seiten offline sind.

Peter Giesel heftet sich für "Achtung Abzocke" an die Spur der Kriminellen. Seine Recherche führt ihn von München über Düsseldorf und Koblenz bis nach Dubai. Dort findet er das Unternehmen - und auch den Hintermann.

Moralisch ist der Fall glasklar: Hier hat jemand bewusst Menschen getäuscht und abgezockt - und hört damit auch nicht auf.

Peter Giesel

Der Drahtzieher führt mit dem abgezockten Geld ein Luxusleben im Wüstenstaat - mit Champagner, Zigarren und Jetski. Während Betroffene auf ihr Geld warten und Gerichte den Fall verzögern, läuft das Geschäft über die Fake-Seiten einfach weiter. Peter Giesel findet heraus: Der 27-jährige Sohn des SSS-Software-Betreibers hat das Ruder übernommen.

Wie die Betrüger vorgehen, worauf du beim Beantragen von Behörden-Dienstleistungen im Internet achten solltest und was du machen kannst, wenn du reingefallen bist, siehst du bei "Achtung Abzocke" auf Joyn.


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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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