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Meine Meinung

Ist "The Hunting Party" wirklich so schlecht, wie das Internet sagt?

Veröffentlicht:

von Nicola Schiller

Was kann die neue Crime-Drama-Serie? Redakteurin Nicola schlüpft in die FBI-Jacke und geht mit Bex (Melissa Roxburgh) auf Mörderjagd.

Bild: 2025 NBCUniversal All Rights Reserved; Nicola Schiller


Die gefährlichsten Serienmörder des Landes sind plötzlich auf freiem Fuß. Eine talentierte Profilerin soll sie alle finden, klingt nach einem super Serien-Konzept. Das Internet ist anderer Meinung. Redakteurin Nicola geht dem Ganzen auf die Spur.

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Süchtig nach True Crime?

Ja, ich bin eine von denen, die gerne True-Crime-Podcasts zum Einschlafen hören. Ja, ich bin auch diese nervige Person, die sämtliche Dokus zu den Serienmörder:innen dieser Welt verschlungen hat und dich stundenlang über Ted Bundy, John Wayne Gacy, Ed Gein und Co. volllabern kann.

Wie alle True-Crime-Fans, finde ich es natürlich vor allem interessant, Einblicke in die Psyche der Täter zu bekommen. Wie funktionieren diese Menschen? Was bringt sie zu ihren Taten? Hier kommt die Arbeit von Profiler:innen (vielleicht ein Berufs-Wunsch fürs nächste Leben) ins Spiel und genau um diese Berufsgruppe soll es in der neuen Fiction-Serie "The Hunting Party" gehen.

"The Hunting Party": Darum geht's

Die Prämisse klingt einfach zu gut: Die ehemalige FBI-Profilerin Rebecca "Bex" Henderson (Melissa Roxburgh) wird aus ihrem langweiligen Job als Casino-Sicherheitschefin zurückgeholt, um einen Haufen geflohener Serienkiller:innen zu jagen.

Damit nicht genug, es sind auch noch die gefährlichsten Täter:innen, die man sich vorstellen kann - und sie sind bereits tot. Zumindest gelten sie offiziell als hingerichtet. In Wirklichkeit sind sie aber in einem geheimen Gefängnis namens "der Bunker" untergebracht.

Eine Explosion hat nun für die Flucht von zahlreichen Gefangenen gesorgt. Bex und ihr Team müssen die Entkommenen finden: Ein:e Serienkiller:in pro Folge. Klingt nach dem Material, aus dem meine von True Crime geprägten Träume gemacht sind.

Das Internet ist nicht begeistert

Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Die Meinungen zur Serie sind im Netz eher unbegeistert. In einer Rezension von TV-Kritiker Brett Hense heißt es beispielsweise: "Es ist alles lächerlich. Es ist eine bekannte Erzählstruktur, die versucht, das gleiche Publikum zu fesseln, das immer auf diesen Stoff reagiert. Es ist nichts Neues."

Ein:e "Reddit"-User:in findet auch keine netten Worte: "Diese Show ist im Grunde "The Blacklist" ohne James Spader! - Wer hielt das für eine gute Idee?!". Hab ich "The Blacklist" gesehen? Nö. Weiß ich, wer James Spader ist? Nö. Ist mir also egal, danke, weiter!

Andere Kritiker:innen ziehen aber ähnliche Vergleiche. Auch die Serie "Criminal Minds" wird oft erwähnt. Von "Criminal Minds" kenne ich zumindest ein paar Folgen. Dadurch weiß ich, dass da wirklich reale Serienmörder auftauchen. Super cool!

Aber muss man überhaupt immer Vergleiche zu bestehenden Serien ziehen? Kann "The Hunting Party" nicht einfach für sich selbst existieren? Ich mache mir lieber ein eigenes Bild, als auf fremde Bewertungen zu hören.

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Was mir gefallen hat

🧠 Der psychologische Aspekt: Schon in der ersten Folge liegt der Fokus stark auf Bex' Arbeit als Profilerin. Dass sie ihren Job beherrscht, merken wir schon im Casino. Ein Blick auf den Pokertisch Nummer vier zeigt ihr, die Angestellte steckt mit einem betrügerischen Gast unter einer Decke. Sie scheint es echt drauf zu haben, aber es ist auch ganz deutlich, dass sie in ihrem aktuellen Job mehr als unterfordert ist.

💪Eine starke weibliche Hauptrolle: Bex ist einfach eine coole Socke! Auch das wird schon in ihrer ersten Szene klar, denn sie wird uns mit dem großartigen Badass-Song "Black Betty" von Ram Jam vorgestellt. Natürlich hat sie auch eine dramatische Hintergrundgeschichte, wie es sich gehört. Aber statt Mitleid habe ich noch mehr Respekt vor ihr. Denn ihren ersten Serienmörder hat sie bereits mit 15 Jahren überführt. Cool! Falls du noch mehr Beweise für ihre Coolness brauchst: Später in der Folge kann sie ihren Angreifer trotz Pfefferspray in den Augen vermöbeln. Na gut, er haut zwar ab, aber mir ist klar, sie ist ne richtig starke Frau und eine noch stärkere Protagonistin.

🎬 Die Machart: Bis auf wenige Ausnahmen, wo doch deutlich an CGI gespart wurde (Flugzeug-Szenen, Explosion etc.) finde ich, die Serie wirkt superhochwertig. Vor allem die Schnitte und Übergänge zu Bex' Vergangenheit finde ich sehr gelungen.

👌 Das Casting von Richard Harris: Der Schauspieler, Tobias Jelinek, hat meiner Meinung nach einen super Job gemacht. Ich kaufe ihm den übertriebenen gruseligen, irren Psychopathen total ab. Dass er vor Jahren auch noch Bex' erster Fall als Profilerin war - herrlich! Was für ein Auftakt für Folge eins. Sein Aussehen und seine arrogante Art erinnern mich total an Theodore "T-Bag" Bagwell aus "Prison Break". Ich hätte gern noch mehr von ihm gesehen.

📖Literarisches Vorbild? Mein erster Gedanke, soll die Figur von Richard Harris eine Anspielung auf den Autor und Erfinder von Hannibal Lecter, Thomas Harris, ("Schweigen der Lämmer") sein? Zumindest ist der siebenfache Frauenmörder ähnlich bösartig und sadistisch wie Lecter. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall, Harris ist jetzt nicht der seltenste Nachname der Welt - gefallen hat mir der überspitzte Auftakt-Killer aber trotzdem.

Eine gewisse Ähnlichkeit ist da, oder? Der Serienkiller, Richard Harris (Tobias Jelinek, l.), aus der ersten Folge "Hunting Party" hat mich sofort an T-Bag (Robert Knepper, r.) aus "Prison Break" erinnert.

Bild: IMAGO / Capital Pictures; 2025 NBCUniversal All Rights Reserved


Was mir (noch) fehlt

Leider spart die Serie beim True-Crime-Aspekt: Ich hatte auf mehr Bezüge zu realen Serienmördern gehofft. Tatsächlich werden Ted Bundy und der sogenannte Zodiac Killer zumindest kurz erwähnt. Dabei bleibt es aber leider. Vielleicht bieten andere Folgen noch mehr Nähe zur Realität oder zumindest tiefere Einblicke in die kranken Köpfe der Mörder - das war mir in Folge eins (noch) alles zu oberflächlich.

Stichwort oberflächlich, ich hatte nach Folge eins auch das Gefühl, die Charaktere der Rollen lediglich angepiekst zu haben. Bex scheint eine interessante Vergangenheit zu haben, die sie stark geprägt hat. Aber was ist mit den anderen? Über ihre Kollegen lernen wir gar nichts. Warum ist der eine (ich kann mir nicht mal den Namen merken) so zwielichtig? Schlummert da eine Romanze zwischen Bex und ihrem ehemaligen FBI-Partner Oliver Odell?

Mein Fazit: Ein solider Start mit Potenzial

Ich finde, die Macher:innen hinter "Hunting Party" haben vieles richtig gemacht. Ja, die Serie revolutioniert das Genre vielleicht nicht - da hat das Internet nicht ganz unrecht. Aber muss sie das überhaupt?

In der ersten Folge ging mir alles etwas zu schnell, alles geht Schlag auf Schlag. Der Serienkiller Richard Harris hat ein riesiges Potenzial, aber ist am Ende der Folge auch schon wieder weg vom Fenster. Schade!

Ich bin mir aber sicher, Bex wird es auch in den weiteren Folgen mit interessanten Tätern und ihren Profilen zu tun haben. Dranbleiben lohnt sich also bestimmt. Und vielleicht bekomme ich ja auch als True-Crime-Fan noch das ein oder andere Schmankerl in Sachen Realitätsnähe.

Die Sendetermine der "Hunting Party"

Die Crime-Serie läuft immer dienstags um 20:15 Uhr in Doppelfolgen. Du hast die Folgen verpasst? Auf Joyn findest du sie jederzeit zum Streamen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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