"Wie geht's, Deutschland?"

Ronzheimer bei der AfD-Jugend: Wie gehen junge Menschen mit Rechtsextremismus um?

Veröffentlicht:

von Joyn Redaktion

Journalist Paul Ronzheimer möchte wissen, warum junge Menschen die AfD wählen.

Bild: picture alliance/dpa/Revierfoto, Sat.1


Über mehrere Monate reiste Ronzheimer für seine Reportage-Reihe "Wie geht's, Deutschland?" zum Thema "Wie rechts ist die neue Mitte?" durchs Land. Dabei sprach er auch in Gießen am Gründungstag der neuen AfD‑Jugendorganisation mit unterschiedlichen Menschen über Rechtsextremismus und politische Radikalisierung.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr junge Menschen wählen rechts

Der Rechtsruck junger Wähler:innen zwischen 16 und 24 Jahren sorgte in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen. Immer mehr junge Menschen machen ihr Kreuz bei der AfD. Auch bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg erzielte die Partei besonders bei Erstwähler:innen hohe Stimmenanteile.

Warum ist das so und was finden junge Menschen an der AfD attraktiv?

Dieser Frage ging Journalist Paul Ronzheimer nach. Dafür reiste er nach Gießen zur Gründung der neuen AfD‑Jugendorganisation Generation Deutschland, die als Nachfolgeorganisation der als rechtsextremistisch eingestuften Jungen Alternative gilt. Vor Ort führte Ronzheimer zahlreiche Gespräche, um sich ein Bild von der Stimmungslage zu machen.

Das sagen Demonstrierende

Nach Angaben der Polizei demonstrierten rund 25.000 bis 30.000 Menschen in Hessen gegen die Gründung der Generation Deutschland. Es kam auch zu Straßenblockaden. Viele der Demonstrierenden befürchten, dass die neue AfD‑Jugendorganisation eine Gefahr für die Demokratie darstellt.

"Wir halten zusammen. Und wir halten auch gegen Rechts zusammen", sagte ein Mann, der für den Erhalt der Demokratie auf die Straße ging. "Die Äußerungen der AfD und wie sie gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen hetzt, ist für mich nicht mit Demokratie vereinbar", erklärt eine Demonstrantin im Interview mit Paul Ronzheimer. Sie hält ein AfD‑Verbotsverfahren für lange überfällig.

Ronzheimer braucht Polizeischutz

Die meisten Demonstrierenden protestierten friedlich. Einzelne warfen jedoch Flaschen und Steine. Paul Ronzheimer konnte zunächst noch Stimmen auf der Straße einfangen, wurde dann aber teils massiv angegangen und beleidigt. Der Journalist berichtet, dass ihn ein Demo‑Organisator aufgefordert habe, den Ort zu verlassen. Schließlich führte die Polizei Ronzheimer und sein Team aus der Menge und isolierte ihn kurzzeitig.

Ich habe in den Augen mancher blanken Hass gesehen und das hat mich auch persönlich schockiert.

Paul Ronzheimer
- Anzeige -
- Anzeige -

Das sagt ein AfD-Aussteiger

Neun Jahre lang war Pascal Bähr Mitglied der AfD und bekleidete auch führende Funktionen. Bis 2022 war er Stadtfraktionschef in Ludwigshafen. Dann trat er aus der Partei aus. Einer der Gründe: die aus seiner Sicht zunehmende rechtsextreme Ausrichtung der AfD. Heute spricht er sich sogar für ein Verbot der Partei aus. Der ehemalige Vizechef der Jungen Alternative in Rheinland‑Pfalz berichtet im Interview mit Ronzheimer von einem Wandel der AfD und ihrer Jugendorganisation, den er nicht mehr mittragen wollte.

Was hat Pascal Bähr erlebt, dass er von einer rechtsextremen Entwicklung spricht? Der Aussteiger nennt ein Erlebnis auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative im Jahr 2018, auf dem Nazi-Hymnen gesungen worden seien. Sein Kollege habe alles mit dem Handy aufgenommen und sei bis auf die Toilette verfolgt worden - damit er die Aufnahmen lösche.  Pascal Bähr befürchtet, dass die Führung der "Generation Deutschland" sich weiterhin radikalisiert und auch junge Menschen mit in den Strudel ziehe - etwa über Inhalte in den sozialen Medien.

Beteuerungen der Parteispitze, dass man Kontakte ins rechtsextreme Umfeld unterbindet - das sind einfach leere Hülsen

Pascal Bähr, der aus der AfD ausgestiegen ist.

Das sagt ein AfD-Bundestagsabgeordneter

Matthias Helferich ist AfD‑Bundestagsabgeordneter und gilt als Vertreter des radikalen Parteiflügels. Er ließ Plakate mit dem umstrittenen Begriff "Remigration" aufhängen. Paul Ronzheimer fragte ihn, wie groß das Problem mit Rechtsextremen in seiner Partei sei.

Ich sehe keine Rechtsextremen bei uns.

AfD-Politiker Matthias Helferich.

Der Chef der neuen Jugendorganisation

Jean‑Pascal Hohm, AfD‑Landtagsabgeordneter aus Brandenburg, ist Vorsitzender der Generation Deutschland. Auch mit ihm spricht Paul Ronzheimer für seine Reportage. Im Gespräch stellt Hohm klar, dass er die Maßstäbe des Verfassungsschutzes "nicht für bare Münze halte." Rechtsextreme Menschen kenne er in der Partei nicht.

Fakt ist jedoch: Der Verfassungsschutz stufte bereits mehrere AfD‑Landesverbände und Mitglieder als rechtsextrem ein.

Was macht die AfD attraktiv für junge Menschen?

Diese Frage stellte Ronzheimer am Gründungstag der Generation Deutschland in der Messehalle Gießen mehreren Teilnehmenden.

"Ich möchte in einem Land leben, in dem Arbeit belohnt und nicht bestraft wird", sagt ein junger Mann. Es sei ungerecht, dass Menschen ohne Arbeit Geld erhielten.

"Ich finde es super, dass sich die AfD fürs Land einsetzt", sagt eine 16-Jährige und betont, dass sich die Situation an den Grenzen unbedingt ändern müsse und "die Ausländer, die Scheiße bauen, rausgehen sollen."

Ein weiteres 16‑jähriges Mitglied fordert, die Partei solle sich stärker für Freiheit einsetzen - und dafür, dass man sich in Deutschland wohlfühlen und stolz auf sein Land sein könne.

Rechtsextremismus basiert auf einer Ideologie der Entmenschlichung und spricht anderen Menschen das Recht ab, leben zu dürfen.

Prof. Dr. Matthias Quent, Soziologe

"Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" auf Joyn


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken