Neue Staffel der SAT.1-Reportage-Reihe
"Wache schweißgebadet auf": Paul Ronzheimer über Albträume von Einsätzen als Kriegsreporter
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von C3 NewsroomPaul Ronzheimer ist seit Jahren als Reporter in Kriegs- und Krisengebieten im Einsatz.
Bild: Joyn/Christoph Köstlin
Was treibt Paul Ronzheimer immer wieder in Krisenregionen? Und welche Spuren hinterlassen diese Einsätze bei ihm? Darüber spricht er im Talk-Format "In meiner Haut" auf Joyn.
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"Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" auf Joyn
Er ist mit voller Leidenschaft Reporter. Bereits als Teenager träumte er in seiner Heimat Ostfriesland genau von diesem Job und sammelte mit 15 Jahren erste Erfahrungen in einem Schülerpraktikum. Heute zählt Paul Ronzheimer zu den bekanntesten Politikjournalisten des Landes, ist Kriegsreporter und Podcaster.
In SAT.1 und auf Joyn startete am Dienstagabend die neue Staffel der Reportagereihe "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?". In der ersten von fünf neuen Folgen nimmt er das Thema Bürgergeld unter die Lupe, spricht mit Bürgergeld-Bezieher:innen und begleitet Beamte bei einer Razzia gegen Sozialbetrug.
Anlässlich des Staffelstarts erzählt Ronzheimer im Joyn-Talkformat "In meiner Haut" aus seinem Leben und darüber, was ihn antreibt.
Sein Credo: "Das Wichtigste ist, dass man begeisterter Reporter ist - egal wo man ist. Ob man jetzt im Gemeinderat in Ostfriesland ist, in der großen Politik in Berlin oder in der Ukraine auf dem Maidan", betont Ronzheimer im Gespräch mit Marie Helmschmied. Die Geschichten seien am Ende "relativ ähnlich".
"Das größte Glück, dass ich Reporter sein darf"
"Du musst Leute öffnen können, du musst Leuten zuhören können, du musst Kontakte aufbauen, das ist in allen Ebenen gleich", erklärt er. Er empfinde es nach wie vor als "das größte Glück, dass ich Reporter sein darf", so der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung.
Dass er dabei zum Kriegsreporter wurde, sei von ihm nicht geplant gewesen. Seit 2012 ist Ronzheimer in Krisen- und Kriegsregionen unterwegs. "Das ist natürlich vor allem in den letzten Jahren die Ukraine gewesen, davor aber auch Syrien, Afghanistan. Da bin ich als Reporter so reingeraten", so formuliert es der 41-Jährige. "Es war gar nicht so, dass ich von Kindesbeinen an oder der Jugend, als ich Lokalreporter wurde, gesagt habe, ich will unbedingt Kriegsreporter werden. Das ist einfach so passiert."
Paul Ronzheimer hat Albträume von Einsätzen
Entscheidenden Einfluss hätten dabei die Maidan-Proteste in Kiew auf ihn gehabt, erzählt Ronzheimer. Als er die jungen Menschen 2013 mit der europäischen Flagge auf dem Maidan-Platz gesehen habe, habe er als junger Mann gedacht: "Was sind das für junge Leute, die alles riskieren, die ihr Leben riskieren? Was mache ich da eigentlich in Deutschland? So bin ich eigentlich dort in diese Krisenberichterstattung gekommen", erinnert er sich.
Folgenlos bleiben seine Einsätze als Kriegsreporter nicht:
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Albträume kommen häufiger vor.
"Also, dass ich schweißgebadet aufwache, auch von Situationen, die ich erlebt habe, die dann aber ein bisschen verfälscht sind in meinem Traum“. So komme es vor, dass er träume, "dass russische Soldaten vor meiner Tür stehen", offenbart Ronzheimer. "Das sind Dinge, die ich habe."
Wenn er längere Zeit aus einer Krisenregion berichtet habe und wieder nach Deutschland zurückkehre, spreche er bewusst nicht viel mit Freunden darüber. Er wolle nicht auch in seiner Freizeit über Weltpolitik reden, weil er ohnehin wenig Freizeit habe. Über das Erlebte in seinen Einsätzen tausche er sich dagegen eher mit anderen Reporterkolleg:innen aus, die wie er in den Regionen unterwegs seien.
Hier siehst du das Interview mit Paul Ronzheimer
Einschneidendes Erlebnis mit Taliban-Richter
Im Joyn-Talk spricht Ronzheimer auch über ein einschneidendes Erlebnis als Reporter in Afghanistan, als er 2021 mit einem Taliban-Richter sprach. Zunächst habe dieser ihm erzählt, dass Dieben als Strafe nach dem Recht der Taliban die Finger oder die Hand abgehackt würden.
"Und dann kam er auf Homosexualität zu sprechen", berichtet Ronzheimer, der selbst homosexuell ist. Der Taliban-Richter habe in dem Gespräch, das auf engem Raum in einem Zelt stattgefunden habe, "darauf verwiesen, dass nach ihrem Recht eine zweieinhalb Meter hohe Mauer aufgebaut würde, die dann auf Homosexuelle runterfällt".
Hatte er in dieser Situation Angst? "Es war nicht so, dass ich die ganze Zeit gedacht habe, um Gottes Willen, was ist, wenn er jetzt weiß, dass ich schwul bin? Sondern ich kann dann sehr in meine Reporterrolle reingehen in dem Moment." Er mache sich dann bewusst, dass es nicht um ihn gehe. "Sondern er berichtet mir etwas, das nach ihren grausamen Vorstellungen in dem Land passiert." Dies könne er in solchen Situationen "ganz gut entkoppeln".
"Wahnsinn, dass ich da jetzt saß"
Ronzheimer fügt jedoch hinzu: "Aber hinterher habe ich natürlich auch gedacht: Wahnsinn, dass ich da jetzt saß und selbst schwul bin und er erzählt, wie man eine Mauer auf einen fallen lässt."
In der neuen Staffel seiner SAT.1-Reportage-Reihe "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?“, die auch im Live-Stream auf Joyn läuft, befasst sich der Journalist neben dem Thema Bürgergeld auch mit den Themen "Jugendkriminalität", "Bürokratie-Wahnsinn", "Migrations-Wende" und "Die Rechte Mitte".
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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