Filmtipp am 21. Januar

"Die Frau in Blau": Ein schreckliches Unglück schweißt Jonas Nay und Joachim Król zusammen

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von teleschau

Das ungleiche Duo Alfred (Joachim Król, l.) und Denis (Jonas Nay, r.) findet in "Die Frau in Blau" über einen tragischen Unfall zusammen.

Bild: SWR/Relevant Film/Andrea Kueppers


Manchmal reicht ein einziger Moment, um Leben dauerhaft zu verändern. In der ARD-Tragikomödie "Die Frau in Blau" ist es ein Autounfall, der zwei völlig unterschiedliche Männer miteinander verbindet. Jonas Nay und Joachim Król begeistern in den Hauptrollen des dramatischen Films.

Ein schreckliches Unglück schweißt in der Buddy-Dramedy von Regisseur Rainer Kaufmann Opfer und Verursacher zusammen. Was zunächst nach schwerem Stoff klingt, entwickelt sich zu einer fein ausbalancierten Geschichte über Schuld, Verlust, Kunst und eine unwahrscheinliche Freundschaft. Der Film läuft als Free-TV-Premiere am Mittwoch, 21. Januar, um 20:15 Uhr, im ARD-Livestream auf Joyn.

Keine Erinnerungen an den Unfall und die Frau

Im Mittelpunkt steht Denis, gespielt von Jonas Nay ("Deutschland 83"). Ein junger Mann, der einmal Fotograf war und nun vor allem versucht, mit sich selbst klarzukommen. Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, ein Blick zu seiner Freundin (Nairi Hadodo), dann ist nichts mehr wie zuvor: Denis fährt ein älteres Ehepaar an. Die Frau stirbt, der Mann überlebt schwer verletzt. Bald holt Denis die Katastrophe ein. Um seinen Führerschein zurückzubekommen und auf Drängen seiner Therapeutin stimmt er einem Treffen mit dem Unfallopfer zu.

Alfred, verkörpert von Joachim Król, ist allerdings nicht der Mann, den Denis erwartet hat: Denn der Witwer kann sich weder an den Unfall noch an seine Frau erinnern. Nach einer schweren Hirnverletzung lebt er nun in einem Atelier für Menschen mit geistigen Einschränkungen und widmet sich ganz der Malerei. Eines seiner Bilder sticht heraus: eine geheimnisvolle "Frau in Blau". In diesem Gemälde scheinen die Erinnerungen an seine Frau und den Unfall aufzublitzen, auch wenn Alfred keinen Zugriff mehr darauf hat.

Sinn fürs Absurde

Als genau dieses Bild verkauft werden soll, beginnt Alfred dagegen zu kämpfen. Notfalls auch nachts, allein vor der Galerie. Und Denis, geplagt von Schuld und Unsicherheit, findet sich plötzlich an seiner Seite wieder. Aus dem anfänglichen Pflichttermin entsteht langsam Nähe. Der Junge hilft dem Alten, das Bild zu schützen, und rutscht dabei in ein unerwartetes Leben.

Der zu Herzen gehende Film erzählt diese ungewöhnliche Annäherung mit trockenem Humor und Sinn für das Absurde. Groteske Situationen gehören ebenso dazu wie leise, ernste Momente. Das Zusammenspiel von Nay und Król trägt die Geschichte mühelos. Der eine verschlossen und fahrig, der andere wortkarg, eigensinnig und oft unfreiwillig komisch. Zusammen entsteht daraus eine -Konstellation, die überraschend gut funktioniert.

Der Grimme- und Fernsehpreis-prämierte Regisseur Rainer Kaufmann ("In aller Stille", "Operation Zucker") zeigt in seinem neuen Film (Buch: Ruth Toma), dass aus Schuld, Trauer und Verlust manchmal etwas Unerwartetes erwächst. Mit wenig Pathos und ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit der tröstlichen Idee, dass selbst aus den schlimmsten Ereignissen Versöhnliches hervorgehen kann.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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