Exklusiv-Interview
Im Gespräch mit Schauspielerin Ursula Strauss: Alles zur neuen Krimi-Reihe "Tiroler Blut"
Veröffentlicht:
von Rebekka LindlUrsula Strauss spielt Ermittlerin Fanny Gruber in dem neuen Krimi "Tiroler Blut"
Bild: picture alliance/Günther Pichlkostner/First Look/picturedesk.com; Adobe Stock/Pixel_Glow
Die neue Krimi-Reihe "Tiroler Blut" startet am 8. Oktober im Ersten. Ursula Strauss spielt darin die Hauptrolle der Ermittlerin "Fanny". Im Exklusiv-Interview verrät sie, warum die Serie so unter die Haut geht und warum es sich lohnt, dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.
Facettenreich und preisgekrönt
Ursula Strauss gehört seit vielen Jahren zu den festen Größen der deutschsprachigen Film- und Fernsehlandschaft. Geboren in Melk an der Donau, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, bevor sie ihre Schauspielausbildung am Wiener Volkstheater begann. Nach zahlreichen Theaterauftritten gelang ihr der Durchbruch vor der Kamera. Bekannt wurde sie vor allem durch die Erfolgsserie "Schnell ermittelt", "Das Sacher. In bester Gesellschaft" oder den oscarnominierten Kinofilm "Revanche". Für ihr Talent wurde Ursula Strauss unter anderem fünfmal mit der ROMY ausgezeichnet. Neben Engagements am Theater setzt sie sich für Frauenrechte ein und leitet seit 2012 ihr eigenes Festival "Wachau in Echtzeit".
Worum geht es bei "Tiroler Blut"?
In der neuen Krimi-Reihe "Tiroler Blut" steht Chefinspektorin Fanny Gruber (Ursula Strauss) im Mittelpunkt, die dank ihres besonderen Spürsinns als beste Ermittlerin Innsbrucks gilt. Die Serie erzählt von drei Generationen einer Polizistenfamilie und deren unterschiedlichem Umgang mit den düsteren Verbrechen, die sie aufzuklären haben.
Was können die Zuschauer: innen von "Tiroler Blut" erwarten?
Spannende und emotionale Fälle. Es ist ja eine Polizistenfamilie: Großvater, Mutter und Sohn haben denselben Beruf gewählt. Das birgt schon Potenzial für positive und negative Explosionen oder Reibungsflächen. Als Zuschauer:in bekommt man also nicht nur die Schönheit der Tiroler Umgebung und Berge geboten, sondern auch emotional verwobene, sehr authentische Beziehungsstrukturen.
Was hat dich an der Rolle "Fanny" gereizt, als du das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hast?
Ich fand die Drehbücher sehr gut geschrieben. Wenn ein Drehbuch einen so einsaugt, ist das immer ein gutes Zeichen. Und dann fand ich die Konflikte in diesen ersten zwei Büchern sehr spannend. Auf der einen Seite den Konflikt, dass sie als Polizistin und Mutter gefragt ist, während ihr Sohn in Schwierigkeiten gerät: Was macht das mit ihr als Mutter? Was macht das mit ihr als Gesetzesvertreterin? Der andere Fall ist extrem emotional. Wie geht man als Mensch mit Verlust um? Was passiert, wenn man nicht genug Menschen hat, die einen auffangen? Oder wenn die Leute rundherum gar nicht merken, was im Inneren eines Menschen vorgeht und sich auch gar nicht darum bemühen, näher hinzuschauen - weil jeder so beschäftigt ist.
Durftest du bei deiner Rolle selbst Einflüsse mitbringen oder mitentscheiden?
Fanny steht unter einem enormen inneren Druck. Als Frau in einer Chefinnenposition zu sein, ist ohnehin immer herausfordernd. Alles rundherum ist sehr schön und friedlich. Sie bildet das genaue Gegenteil zu dieser Landschaft. Sie hat keinen Frieden in sich.
Bei der Leseprobe kam mir plötzlich dieser Gedanke. Ich saß da, habe das Skript gelesen, war mitten in diesen Fällen und in der Figur - und da ist plötzlich dieser Aromastift aufgetaucht. Das passte einfach perfekt, weil diese innere Anspannung immer wieder Beruhigung braucht. Daran zu riechen geschieht fast wie ein Automatismus, wie ein kleiner Tick. Ich freue mich schon auf die Folge, in der der Stift einmal leer ist oder sie ihn vergessen hat. Es gibt viele Möglichkeiten, die ich hier gerade zum ersten Mal ausspreche, weil sie mir genau in diesem Moment einfallen.
Wenn Angelika Schnell und Fanny gemeinsam einen Fall lösen müssten, würden sie sich verstehen?
Oh ja, unbedingt! In der Umsetzung wäre es natürlich schwierig, weil ich ständig hin- und herspringen müsste. Aber die beiden würden sich total gut verstehen. Das sind beides starke Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und eine tiefe Sehnsucht nach dem Ankommen haben. Sie leben nur unter ganz anderen Umständen.
Fanny Gruber ist einer viel stärkeren inneren Anspannung ausgesetzt. Sie hat einen irrsinnigen Ehrgeiz und einen totalen Gerechtigkeitssinn. Angelika Schnell hingegen bringt eine gewisse Leichtigkeit mit und ein bisschen – wie man in Österreich sagt – eine "Scheiß-drauf-Mentalität", weil sie sich einfach nicht an Gesetze hält. Sie testet wie ein Kind immer wieder Grenzen aus, ist sehr eigenständig und aus dem Familiensystem herausgerissen. Ich glaube aber, für beide zählt am Ende der Mensch. Selbst wenn eine Tragödie passiert ist, soll wenigstens Klarheit oder Gerechtigkeit eintreten.
Gab es etwas, was du über Tirol lernen musstest, um in deine Rolle zu finden?
In meiner Vorstellung von der Figur ist Fanny Gruber gar keine gebürtige Tirolerin, sondern eine Niederösterreicherin, die dorthin gezogen ist. Ich spreche kein Tirolerisch, und es wäre völlig hanebüchen und absurd, so zu tun, als könnte man mal eben schnell einen Tiroler Dialekt lernen. Wenn man Geschichten fürs Fernsehen erzählt, ist das überhaupt kein Problem. Fanny hat eben einen Deutschen kennengelernt, ihr Vater ist Tiroler, und sie selbst wurde in Niederösterreich geboren.
Gibt es eine Sache, die deiner Meinung nach in einem österreichischen Krimi nicht fehlen darf?
Ein bisschen Humor darf nicht fehlen. Ja, nicht ganz so brav und immer ein bisschen schräg. Ich hoffe, das ist uns gelungen. Der Schwerpunkt liegt hier sehr auf den emotionalen Familienstrukturen, aber mal schauen. Es ist ja hoffentlich erst der Anfang von etwas, das sich noch weiterentwickeln darf. Da kann man künftig sicher noch die eine oder andere Ecke genauer ausleuchten.
Gibt es eine Rolle mit der du dich besonders identifizieren kannst?
Das ist so schwer zu sagen, denn ganz ehrlich: Egal, welches Projekt ich anfange, genau das zählt in diesem Moment.
Jede Figur, die ich gespielt habe, ist ein Teil meiner persönlichen Geschichte.
Natürlich gab es große Filme, bei denen das Drumherum sehr prägend war. Mit "Revanche" zu den Oscars zu fahren und mitzuerleben, wie der Film eingeschlagen hat, war natürlich etwas ganz Besonderes. Aber das macht andere Figuren für mich nicht weniger wertvoll oder wichtig. Manchmal bin ich innerlich immer noch die 14-Jährige mit dem Traum, Schauspielerin zu werden, die den Gedanken im selben Moment wieder verwirft: "Ich bin ein Kind vom Land, wie soll das funktionieren?" Ich weiß ganz genau, wie besonders das ist, und bin dafür einfach sehr dankbar im Leben.
Gibt es eine Rolle, die du gerne noch einmal spielen würdest – oder etwas völlig Neues, das dich reizen würde?
Am Theater gibt es ein Stück, das ich wahnsinnig gerne machen würde: "Maria Stuart". Da bin ich aber ganz guter Hoffnung, dass sich das in den nächsten Jahren ausgehen wird.
Im Film würde ich gerne eine Psychologin spielen. Ich habe ursprünglich die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin gemacht, Gott sei Dank. Das kann ich in meinem heutigen Beruf tatsächlich sehr gut brauchen. Das pädagogische Wissen hilft mir auch selbst zu verstehen, wie Abläufe funktionieren, wie es im Inneren eines Menschen aussieht und was alles passieren kann. Wäre ich damals nicht an der Schauspielschule aufgenommen worden, hätte ich wahrscheinlich Psychologie studiert. Das hätte mich brennend interessiert. Insofern wäre so eine Rolle sicher extrem spannend.
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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