Romantik zwischen Leinwand und Sofa

Feiert die Liebe ein Kino-Comeback? Diese Filme geben Hoffnung

Aktualisiert:

von Antje Wessels

Damals wie heute: Liebesfilme sind ein essenzieller Bestandteil des Kinos.

Bild: IMAGO/Landmark Media (2), picture alliance / ASSOCIATED PRESS, Adobe Stock (2)


Einst gehörten romantische Filme zu den verlässlichsten Publikumsmagneten im Kino. Heute finden die großen Liebesgeschichten meist auf Streamingplattformen statt. Doch mit Titeln wie "Wo die Lüge hinfällt", "Marry Me" und, ganz frisch, "Wuthering Heights" keimt die Hoffnung auf, dass das Genre seinen Weg zurück auf die Leinwand findet.

In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren waren Liebesgeschichten aus dem Kinoprogramm kaum wegzudenken. Ob als romantische Komödie oder als großes Drama: Filme wie "Pretty Woman", "Notting Hill", "Titanic" oder "Wie ein einziger Tag" lockten Millionen von Zuschauenden in die Säle und machten ihre Hauptdarsteller:innen zu prägenden Gesichtern einer ganzen Kino-Ära. Bis heute lebt das Genre von großen Gefühlen und zugleich von nahbaren Figuren, deren Beziehungen zwischen Humor, Sehnsucht und Herzschmerz angesiedelt sind. Eine emotionale Kombination, die auch das Kinopublikum beim Zuschauen zusammenschweißen kann - wenn solche Geschichten denn überhaupt noch ihren Weg auf die Leinwand finden.


Eine gar nicht romantische Kino-Durststrecke

Irgendwann war sie plötzlich da: diese spürbare Leerstelle im romantischen Kinoprogramm. Spätestens mit der Corona-Pandemie verschwanden Liebesgeschichten nahezu vollständig von der großen Leinwand. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzten die Studios verstärkt auf bewährte Blockbuster-Marken, Franchise-Filme und spektakuläre Eventproduktionen, während kleinere, dialoggetriebene Stoffe als finanziell riskanter galten. Viele romantische Komödien und Liebesdramen wanderten direkt zu Streamingdiensten ab, wo sie ein dankbares Publikum fanden, ohne sich an den Kassen beweisen zu müssen. Das Kino entwickelte sich zunehmend zum Ort des Besonderen und Lauten, während leise, zwischenmenschliche Geschichten ihren festen Platz (immerhin) im digitalen Raum erhielten.

Hinzu kam ein spürbarer Wandel im Rezeptionsverhalten des Publikums. Romantische Filme galten plötzlich als idealer Begleiter für den privaten Konsum: allein, zu zweit oder nebenbei auf dem Sofa. Gleichzeitig gerieten klassische Genreformeln unter Druck. Traditionelle Rollenbilder, vorhersehbare Happy Ends und stereotype Figuren entsprachen immer weniger den Erwartungen eines zeitgenössischen Publikums, das heute sensibler auf Themen wie Diversität, Gleichberechtigung und emotionale Authentizität blickt. Die RomCom wirkt in ihrer alten Form nicht mehr selten aus der Zeit gefallen. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist eine mehrjährige Durststrecke, in der Liebesgeschichten zwar keineswegs verschwanden, jedoch meist im Streaming stattfanden und im Kino nur noch vereinzelt präsent waren.

Junge Stars, moderne Geschichten, TikTok: Die Rettung für die Kino-Romanze?

Doch in den letzten Jahren waren wieder erste, zaghafte Lebenszeichen von Kino-Liebesgeschichten zu beobachten. Filme wie "Wo die Lüge hinfällt" oder "Marry Me - Verheiratet auf den ersten Blick" griffen vertraute RomCom-Muster auf, modernisierten sie jedoch mit selbstbewussteren Figuren, weniger Klischees und pointierterem Humor. Zugleich zeigt sich, wie entscheidend Social Media für ihren Erfolg geworden ist. Besonders TikTok fungiert als neuer Mundpropaganda-Motor. Virale Clips aus "Wo die Lüge hinfällt" befeuerten das Interesse am Kinobesuch spürbar. Prominente Stars sorgten zusätzlich dafür, dass das Genre wieder sichtbarer wurde und auch Publikum jenseits der klassischen RomCom-Fans anzog. Mit "Ticket ins Paradies" zeigte sich zudem, dass es weiterhin ein etwas älteres Publikum für gemeinschaftlich erlebte Romantik im Kinosaal gibt. Statt nostalgischer Relikte wirken diese Filme eher wie charmante, zeitgemäße Varianten eines Genres im Wandel.

Glen Powell und Sydney Sweeney bei der Premiere des Kinofilms "Anyone But You - Wo die Lüge" hinfällt.

Bild: Future Image


Parallel dazu gewannen auch romantische Dramen wieder an Präsenz auf der Leinwand. Nachdem Streamingdienste lange als Haupt-Ort für emotionale Liebesgeschichten galten, kehrten zuletzt visuell ambitionierte Produktionen ins Kino zurück. Besonders sichtbar im aktuellen Start von "Wuthering Heights - Sturmhöhe", der Emily Brontës Klassiker mit moderner Bildsprache neu deutet und auch online intensiv diskutiert wird. Während Streaming-Filme oft erst durch TikTok-Trends zu Phänomenen werden, zeigt sich nun, dass dieser Social-Media-Rückenwind wieder stärker ins Kino überschwappen kann. Die Liebe ist zurück auf der Leinwand, auch wenn ihre zweite Bühne längst digital ist.

Gerade im Kino: Warum wir alle Liebe brauchen

Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass romantische Filme heute stärker unter Beobachtung stehen als je zuvor. Der Umgang mit politischen Thematiken - Gleichberechtigung, Rollenbilder, Macht-Strukturen - prägt, wie Liebesgeschichten erzählt und wahrgenommen werden. Was früher als charmant galt, wirkt heute mitunter problematisch. Das zwingt das Genre zur Reflexion. Doch genau darin liegt auch seine Stärke: Moderne RomComs und Liebesdramen können sensibler, vielschichtiger und ehrlicher sein als ihre Vorgänger. Statt idealisierte Märchen zu sein, haben sie mehr denn je die Chance, von realistischeren Beziehungen, verletzlichen Figuren und den Widersprüchen moderner Partnerschaften zu erzählen. In Zeiten politischer Korrektheit verschwindet die Liebe im Kino also nicht, sie verändert bloß ihre Form.


Gleichzeitig erfüllen Liebesfilme im Kino etwas, das Streaming allein nicht leisten kann: Sie schaffen einen geteilten emotionalen Raum. Gemeinsames Lachen, Mitfiebern oder Seufzen im Kinosaal erzeugt eine Intensität, die das heimische Sofa selten erreicht. Gerade in der schnelllebigen Medienwelt, in der viele Filme allein oder nebenbei konsumiert werden, erinnern RomComs und romantische Dramen daran, warum Kino ursprünglich erfunden wurde: Nämlich als Ort kollektiver Gefühle. Deshalb sind Liebesfilme heute keineswegs überholt. Im Gegenteil: Sie bleiben ein essenzieller Bestandteil des Kinos, weil sie Nähe, Empathie und Verbundenheit erfahrbar machen. Und das am stärksten, wenn man es gemeinsam erlebt!


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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