Tipps von der Expertin
Liebe ohne Zuckerguss: Diese herrlich unkitschigen Romanzen solltest du kennen
Aktualisiert:
von Antje WesselsFilmkritikerin Antje Wessels empfiehlt ihre Liebesfilm-Favoriten, die ganz ohne Kitsch auskommen. Mit dabei: "Blue Valentine", "Before Sunrise" und "Dating Queen".
Bild: privat / Wild Bunch / picture-alliance / Mary Evans Picture Library / 2015 Universal Studios.
Liebesfilme zielen immer auf ein Happy End? Keineswegs! Filmkritikerin Antje Wessels stellt dir fünf Filme vor, die Liebe als etwas Widersprüchliches, Fragiles und manchmal auch Schmerzhaftes zeigen.
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Liebesfilme haben es im Kino nicht leicht. Viele von ihnen folgen bekannten Mustern. Sie erzählen von vorherbestimmten Seelenverwandtschaften, setzen am Ende auf große Gesten und Gefühle, die sich scheinbar nach Plan entwickeln. Dabei entsteht schnell sogenannter Kitsch. Und das, was eigentlich romantisch gemeint ist, wirkt übertrieben oder künstlich und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. Dieser Kitsch zeigt sich nicht nur in Musik oder Bildsprache, sondern auch in Figuren, die eher wie Idealbilder als wie echte Menschen erscheinen. Da kommen Widersprüche, Unsicherheiten oder Brüche oft zu kurz. Und Filme vermitteln uns ein Bild von der Liebe, das zwar ansprechend ist, sich aber nicht echt anfühlt. Doch das gilt natürlich nicht für alle von ihnen...
Was ist überhaupt Kitsch?
Kitsch hängt weniger vom Thema ab, als davon, wie Gefühle erzählt werden. Nicht jeder Liebesfilm ist automatisch kitschig. Kitsch entsteht dort, wo Emotionen vereinfacht oder gezielt verstärkt werden, um schnell die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Musik, Bilder und Dramaturgie lenken dann deutlich, was das Publikum fühlen soll. Ein Beispiel: Filmende. Zwei Figuren haben sich lange verpasst, denn zahlreiche Missverständnisse standen zwischen ihnen. Im letzten Moment läuft eine Person durch den Regen oder über einen Bahnhof, während die Musik anschwillt. Gerade noch rechtzeitig erreicht sie die andere, es kommt zu einem klaren Liebesgeständnis, oft gefolgt von einer Umarmung oder einem Kuss. Alle Zweifel sind plötzlich ausgeräumt, und es ist eindeutig, was das Publikum fühlen soll.
Das ist nicht grundsätzlich negativ zu verstehen. Kitsch kann beim Schauen Orientierung geben und für emotionale Sicherheit sorgen. So können sich Zuschauende besser auf das Geschehen einlassen, ohne sich mit offenen Fragen oder den unangenehmeren Aspekten der Liebe beschäftigen zu müssen. Gerade im Liebesfilm kommt diese Erzählweise häufig vor, weil starke Gefühle im Mittelpunkt stehen. Kitsch bedeutet daher nicht unbedingt "zu viele Emotionen", sondern eher, dass wenig Raum bleibt, Gefühle selbst zu entdecken.
Herz mit Schmerz: Diese romantischen Dramen haben es in sich
Umso schöner ist es da, wenn Filme fernab der gängigen Kitsch-Formel von Liebe erzählen. Einer der bekanntesten unkitschigen Liebesfilme der letzten Jahre ist "Blue Valentine". Der Film erzählt keine große Romanze, sondern seziert eine Beziehung zwischen Anfang und Ende, wenn aus Verliebtheit langsam aber sicher emotionale Erschöpfung wird. In verschiedenen Zeitebenen zeigt Regisseur Derek Cianfrance, wie Nähe entsteht und wie sie langsam wieder verschwindet. Das Besondere: "Blue Valentine" verweigert sich klaren Schuldzuweisungen und einfachen Erklärungen, sodass Liebe hier als etwas Fragiles erscheint, das im Alltag schnell zerbrechen kann.
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Einen ebenso kompromisslosen Blick auf Liebe wirft das französische Drama "Blau ist eine warme Farbe". Der Film begleitet die Beziehung zweier junger Frauen über mehrere Jahre hinweg und nimmt sich dabei viel Zeit für Nähe, Begehren und emotionale Abhängigkeiten. Statt auf eine klare Dramaturgie setzt der Film auf eine fast dokumentarische Beobachtung, die Intimität ebenso zeigt wie Entfremdung. Liebe erscheint hier nicht als romantisches Ideal, sondern als intensive Erfahrung, die ebenso bereichernd wie erschöpfend sein kann. Vor allem diese Schonungslosigkeit macht den Film zu einem der eindringlichsten - und zugleich unbequemsten - Liebesdramen seiner Zeit.
Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos im französischen Liebesdrama "Blau ist eine warme Farbe" (2013).
Bild: ZUMA Press Wire
Einen besonders nachhaltigen Blick auf Liebe über Zeit hinweg wirft Richard Linklaters "Before"-Trilogie. In "Before Sunrise", "Before Sunset" und "Before Midnight" begleitet die Reihe ein Paar über fast zwei Jahrzehnte hinweg und zeigt, wie sich die Gefühle nach und nach verändern. Die Filme verzichten dabei auf große dramatische Ereignisse und konzentrieren sich fast ausschließlich auf Gespräche, Blicke und Zwischentöne. Liebe entsteht hier ganz unaufgeregt im gegenseitigen Austausch. Gerade diese Nüchternheit macht die Trilogie so außergewöhnlich, denn sie erzählt keine perfekte Romanze, sondern eine Beziehung, die sich ständig neu entwickeln muss.
Herz mit Witz: Diese RomComs kommen ganz ohne Kitsch aus
Eine der für mich ehrlichsten romantischen Komödien der letzten Jahre ist "Dating Queen". Der Film verzichtet auf das Motiv des "perfekten Dates" und romantische Idealisierung. Stattdessen erzählt er von den Unsicherheiten, Selbstzweifeln und peinlichen Momenten, die wir alle in der Liebe so oder ähnlich schon erlebt haben dürften. Gerade diese Unbeholfenheit fühlt sich vertraut an. Die Beziehung zwischen Amy und Aaron entwickelt sich nicht entlang klassischer RomCom-Muster, sondern aus Missverständnissen und Verletzlichkeit heraus. Und anstatt über seine Figuren lachen wir bei "Dating Queen" lieber über all die romantische Erwartungen, die so viele kitschige Romanzen bereits in uns entfacht haben.
Zu guter Letzt ist "The Big Sick" ein kleiner, oft übersehener Geheimtipp unter den romantischen Komödien. Obwohl der Film viele vertraute Zutaten mitbringt, entscheidet er sich konsequent für Ehrlichkeit statt Vereinfachung. Der Humor entsteht aus kulturellen Missverständnissen, Unsicherheiten und sehr konkreten Alltagsbeobachtungen heraus. Nicht aus überzeichneten Figuren oder kalkulierten Pointen. Gleichzeitig behandelt "The Big Sick" seine schwereren Themen mit spürbarem Respekt, ohne sie für emotionale Zwecke auszuschlachten. Gerade diese Balance aus Leichtigkeit und emotionaler Tiefe wirkt ungewöhnlich reif. Der Film vertraut darauf, dass Nähe auch dann berühren kann, wenn sie kompliziert, widersprüchlich und alles andere als perfekt ist.
Bill Hader trifft Amy Schumer
"Blue Valentine", "Dating Queen" und zahlreiche weitere tolle Filmromanzen findet ihr auch in der Joyn-Mediathek.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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