Psychothriller im Vergleich

"Gone Girl": Wird der Film dem Buch gerecht?

Aktualisiert:

von Rebecca N.
Auf einer Collage ist Rosamund Pike in zwei Szenen von "Gone Girl" abgebildet. Eine Beschriftung zeigt die Worte "Buch" und "Film" mit jeweils einem Pfeil.

Besonders am Charakter der Amy Dunne (Rosamund Pike) lassen sich Stärken und Schwächen im Film "Gone Girl" erkennen.

Bild: Twentieth Century Fox Film Corporation / Adobe Stock / thebeststocker


Buchverfilmungen sind für glühende Fans der literarischen Vorlage oft enttäuschend und geraten deswegen schnell in die Kritik. Als "Gone Girl" 2014 in die Kinos kam, war der Film ein echter Erfolg. Kann er mit der Buchvorlage mithalten?

Sympathie und Abscheu liegen in "Gone Girl" nah beieinander: Autorin Gillian Flynn hat Charaktere geschaffen, die uns gleichermaßen faszinieren und verstören. David Finchers Filmadaption von 2014 hält sich über weite Strecken an die Struktur der Story des Bestsellers. Die Geschichte von Amy und Nick Dunne wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und überrascht mit einem fulminanten Plot-Twist. Doch wo entfaltet die spannende Story besser ihre Wirkung: im Buch oder im Film?

+++ ACHTUNG, JETZT KOMMEN SPOILER +++

Wir spulen nochmal zurück: Amy Dunne ist verschwunden und ihr Ehemann Nick gerät unter Verdacht, sie ermordet zu haben. Dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan. Amy hat falsche Fährten gelegt und zeichnet unter anderem in gefälschten Tagebucheinträgen das Bild eines tyrannischen, gewalttätigen Ehemanns. Unterdessen merkt Nick, dass seine Frau gar nicht verschwunden ist, sondern im Hintergrund die Fäden zieht.

Pro-Buch: Amys manipulative Brillianz

Was die Darstellung des Charakters Amy angeht, kann das Buch punkten. Hier sind ihre Tagebucheinträge in voller Länge zu lesen. Sie zeigen eindrücklich, wie Amy wirklich tickt. 
Ein Beispiel: Sie spielte ein Jahr lang allen in ihrem Umfeld vor, dass sie absolut kein Blut sehen könne. Als dann nach ihrem Verschwinden Blutspuren im Haus gefunden werden, hält die Polizei es für ausgeschlossen, dass Amy sich absichtlich verletzt haben könnte. Im Film kommt dieser Handlungsstrang gar nicht vor.

Pro-Film: Die Performances - besonders von Rosamund Pike als Amy

Nick und Amy Dunne (Ben Affleck und Rosamund Pike) stehen in einem Buchladen.

Als Nick Dunne (Ben Affleck) sein Herz an Amy (Rosamund Pike) verliert, ahnt er nicht, dass sie hemmungslos ihre Ziele verfolgt.

Bild: Twentieth Century Fox Film Corporation


Die Filmadaption punktet vor allem mit dem Casting. Rosamund Pike verkörpert Amy mit einer Intensität, die den Charakter zum Leben erwachen lässt. Ihr berühmter "Cool Girl"-Monolog wurde für den Film zwar etwas abgewandelt, bleibt aber genauso kraftvoll. Es läuft einem kalt den Rücken herunter, wenn sie sagt: "Wenn du nicht mehr genug 'Cool Girl' bist - dann ist er enttäuscht". Film-Amy wirkt noch abgeklärter als Buch-Amy. Das passt zum Ton der Leinwandadaption, bleibt aber gleichzeitig der Vorlage treu.

Auch Ben Affleck überzeugt als Nick. Sein gruseliges Lächeln bei der Pressekonferenz zu Amys Verschwinden verstärkt dein Eindruck seiner Schuld und wirkt eindringlicher als im Buch.

Wenn du nicht mehr genug 'Cool Girl' bist - dann ist er enttäuscht.

Amy Dunne (Rosamund Pike) in "Gone Girl" (2014)

Pro-Buch: Nicks Spurensuche

Anders als der Film hat das Buch in der ersten Hälfte - bis zum Plot-Twist - eine Krimi-Atmosphäre. Die Leser:innen werden zu Detektiv:innen, die anhand von Nicks Verhalten und Amys alten Tagebucheinträgen ermitteln. Mit jedem neuen Hinweis setzt sich das Bild von Nicks und Amys Beziehung weiter zusammen. 
Der Film hingegen rückt Nick schnell als offensichtlich verdächtig in den Fokus. Die Möglichkeit, dass auch andere Personen in Amys Verschwinden verwickelt sein könnten, wird kaum aufgegriffen. Erst Amys Enthüllung, dass sie am Leben ist, befreit das Publikum aus dieser einseitigen Perspektive.

Pro-Film: Düster, düsterer, David Fincher

Ein Mann in Polizei-Uniform steht am Fuße einer Treppe, daneben leuchtet eine Frau mit einer Taschenlampe.

Als die Detectives Boney (Kim Dickens) und Gilpin (Patrick Fugit) Amys Tagebuch finden, steht der Mörder für sie fest: Ehemann Nick!

Bild: Twentieth Century Fox Film Corporation


Während sich die Atmosphäre im Buch durch innere Monologe und Tagebucheinträge entwickelt, hat Regisseur David Fincher audio-visuelle Mittel zur Verfügung. Von den kalten Farben über die minimalistischen Sets bis hin zur unheilvollen Musik erzeugt Fincher eine Welt, in der Misstrauen und Paranoia allgegenwärtig sind. Die düstere Grundstimmung entfaltet auf der Leinwand eine noch größere Intensität. Thriller-Feeling der Extraklasse!

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Das Problem von Filmadaptionen

"Gone Girl" zeigt, was oft bei Filmadaptionen passiert: Das Buch hat mehr Raum, um Amys und Nicks komplizierte Gedanken genau darzustellen. Der Film hingegen überzeugt mit seiner bedrückenden und düsteren Stimmung. In vielen Bereichen bleibt der Film dabei etwas oberflächlich. Wer die Charaktere noch besser kennenlernen möchte, findet im Buch ihre ganze Geschichte.


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