Halle Berry, Adrien Brody & Co.
Fluch oder Segen: Wie wirkt sich ein OSCAR®-Gewinn auf die Karriere aus?
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von Silke BurmeisterJessie Buckley, Michael B. Jordan und Amy Madigan (v.l.) haben die Schauspiel-Awards bei der 98. Preisverleihung erhalten. Wird es Auswirkungen auf ihre Karrieren haben?
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress
Gestern Nacht standen sie wieder auf der Bühne des Dolby Theatre in Hollywood - mit zittrigen Händen, Tränen in den Augen und einer goldenen Statue in der Hand. Doch was bringt der OSCAR® wirklich für die Karriere? Wir haben mal nachgeguckt.
Zu den großen Gewinnern des Abends gehörten: Die Favoritin, "Hamnet-Star" Jessie Buckley, setzte sich durch und gewann den OSCAR® in der Kategorie "Beste Schauspielerin".
Michael B. Jordan sicherte sich die Trophäe als bester Schauspieler (in einer Doppelrolle) für "Sinners".
Der Goldjunge für die beste Nebendarstellerin ging an Amy Madigan für "Weapons", bester Nebendarsteller an Sean Penn für seine Rolle in "One Battle After Another".
Und eine absolute Premiere: Für den Film "Sinners" erhielt Autumn Durald Arkapaw als erste Frau den Oscar in der Kategorie "Beste Kamera".
Der Film "One Battle After Another" von Regisseur Paul Thomas Anderson gewann bei der Oscar-Verleihung insgesamt sechs OSCARS®, unter anderem für den besten Film und die beste Regie.
In diesem Moment scheint es, als könnte sich ein ganzes Leben verändern: ein Karrieresprung, größere Rollen, höhere Gagen, mehr Aufmerksamkeit. Aber stimmt das wirklich?
Ein Blick auf verschiedene OSCAR®-Gewinner:innen zeigt, wie unterschiedlich so eine Auszeichnung die weitere Laufbahn verändern kann.
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Wenn der OSCAR® eine Karriere weiter antreibt: Emma Stone
Ein perfektes Beispiel ist Emma Stone. Die Schauspielerin, die viele aus "The Amazing Spider-Man" kennen, gewann 2017 ihren ersten OSCAR® für "La La Land". Vor zwei Jahren folgte ihre zweite Ehrung für "Poor Things", erneut unter der Regie von Yorgos Lanthimos. Auch in diesem Jahr war sie wieder nominiert, blieb diesmal allerdings ohne Gewinn.
Inzwischen ist die 37-Jährige nicht nur vor der Kamera erfolgreich, sondern auch dahinter: 2020 gründete sie zusammen mit ihrem Ehemann Dave McCary eine Produktionsfirma - und landete direkt einen Erfolg mit "A Real Pain".
Bei Emma Stone zeigt sich eine typische OSCAR®-Dynamik: Der Academy Award macht nicht über Nacht alles anders - aber er gibt einer ohnehin erfolgreichen Karriere ordentlich Rückenwind, öffnet neue kreative Möglichkeiten und bringt deutlich mehr Geld.
Wenn der OSCAR® Türen zur Welt öffnet: Christoph Waltz
Für andere Schauspieler:innen kann der OSCAR® tatsächlich ein Türöffner sein. Christoph Waltz war jahrzehntelang ein gefeierter Schauspieler im deutschsprachigen Raum, doch international kannte ihn kaum jemand. Das änderte sich schlagartig mit seiner Rolle in "Inglourious Basterds".
Für den Film von Quentin Tarantino gewann der heute 69-Jährige 2010 den OSCAR® als bester Nebendarsteller. Drei Jahre später folgte der zweite - wieder in einem Tarantino-Film: "Django Unchained".
Plötzlich ist Waltz in Hollywood nicht mehr wegzudenken. Er wird für ungewöhnliche, oft düstere Rollen gebucht, und spielt sie mit seinem ganz eigenen Charme.
Wenn der OSCAR® den mutigen Karrierewechsel krönt: Matthew McConaughey
"Alright, alright, alright." Mit diesen Worten begann Matthew McConaughey seine OSCAR®-Rede 2014 und sicherte sich die goldene Statue als bester Schauspieler für "Dallas Buyers Club".
Der Award war kein Startschuss, sondern eine Bestätigung: Der Texaner hatte seine Rom-Com-Zeit hinter sich gelassen und bewusst einen neuen Weg eingeschlagen. Er lehnte lukrative Angebote ab, um sich auf ernste, komplexe Rollen zu konzentrieren. Filme wie "The Lincoln Lawyer", "Mud" oder schließlich "Dallas Buyers Club" gaben seiner Karriere eine völlig neue Richtung - für letzteres wurde er dann mit dem OSCAR® belohnt. Von da an kamen immer wieder Rollen, die genau zu seinem neuen Kurs passten. Sein mutiger Schritt hatte sich bezahlt gemacht.
In diesem Film hat er kurz vor seinem OSCAR®-Erfolg mitgespielt
Wenn der OSCAR® die Sichtbarkeit verstärkt: Michelle Yeoh
Bei Schauspielerin Michelle Yeoh zeigt sich der OSCAR®-Effekt vor allem als Sichtbarkeitsschub. Sie gewann 2023 den Oscar für ihre Rolle im Film "Everything, Everywhere, All at Once" und ist seitdem präsenter denn je - auf Festivals und in neuen Filmprojekten. Auf der Berlinale 2026 wurde sie gerade erst mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Was viele vor ihrem OSCAR®r nicht wussten: Yeoh war schon lange international erfolgreich. 1997 spielte sie die "James Bond"-Agentin Wai Lin im Film "Tomorrow Never Dies" an der Seite von Pierce Brosnan. Später folgten Highlights wie "Tiger & Dragon", und 2018 wurde sie mit "Crazy Rich Asians" auch bei einem jüngeren Publikum bekannt.
Am Tag nach ihrem OSCAR® konnte Hollywood nicht mehr wegschauen - der Preis setzte Yeoh endgültig ins Rampenlicht.
Der sogenannte "OSCAR®-Fluch": Halle Berry
Nicht jeder Oscar wirkt wie ein Raketenstart. Manche Karrieren geraten nach dem größten Erfolg ins Stocken. In Hollywood spricht man deshalb vom sogenannten "OSCAR®-Fluch". Der Award setzt die Erwartungen extrem hoch, und manchmal werden die Gewinner:innen auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt.
Ein bekanntes Beispiel ist Halle Berry. 2002 gewann sie für "Monster’s Ball" den OSCAR® als beste Hauptdarstellerin - damals als erste Person-of-Colour-Frau und bis heute die einzige in dieser Kategorie. In einem Interview mit dem Magazin "The Cut" sagte Berry später, sie habe erwartet, dass nach dem OSCAR® "ein Lastwagen voller Drehbücher" vor ihrer Tür stehen würde. Stattdessen ging der Kampf um Hauptrollen weiter.
Wenn ein OSCAR® ein Comeback krönt: Brendan Fraser und Adrien Brody
Adrien Brody gewann seinen ersten OSCAR® 2003 für "Der Pianist", als jüngster Hauptdarsteller-Gewinner aller Zeiten. Danach wurde es lange ruhig um ihn.
Erst viele Jahre später folgte das überraschende Comeback: Mit 51 Jahren gewann er seinen zweiten OSCAR® in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für "The Brutalist". In seiner Dankesrede sagte er: "Schauspielerei ist ein sehr zerbrechlicher Beruf. [...] Egal, wo man in seiner Karriere steht, egal, was man erreicht hat, all das kann jederzeit wieder verschwinden."
Auch Brendan Fraser kennt das Rückkehrer-Gefühl. Nach Jahren als Star großer Abenteuerfilme wie "Die Mumie" zog er sich wegen gesundheitlicher Rückschläge weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. 2023 feierte er ein eindrucksvolles Comeback und wurde als bester Hauptdarsteller für "The Whale" gekürt. Sein erster Film nach der Auszeichnung, "Rental Family", wurde erneut von Kritikern gelobt, und bereits jetzt ist eine Rückkehr zur Die Mumie-Reihe geplant.
Ein besseres Comeback als von diesen beiden kann man sich in Hollywood kaum vorstellen.
Daher kennst du Brendan Fraser sicherlich
Wenn der OSCAR® zur Überholspur wird: Kevin Costner
Das extreme Gegenteil erlebte Kevin Costner. 1991 gewann er für "Der mit dem Wolf tanzt" gleich zwei OSCARS® - als bester Regisseur und für den besten Film. Diese Anerkennung aus Hollywood schoss den damals 36-Jährigen in die erste Liga der Stars. Kurz darauf folgten große Produktionen wie "Robin Hood - König der Diebe", "JFK: Tatort Dallas" und später "Bodyguard".
In seinem Fall war der OSCAR® tatsächlich Sprungbrett zum internationalen Superstar.
Wenn ein OSCAR® nur noch Bestätigung ist: Meryl Streep
Und dann gibt es Legenden wie Meryl Streep. Mit 21 OSCAR®‑Nominierungen hält sie den Rekord unter den Schauspielerinnen und Schauspielern und hat gleich drei Academy Awards gewonnen. Ein weiterer Goldjunge würde ihre Karriere wohl nicht neu definieren, sondern nur bestätigen, dass die 76‑Jährige zu den größten Schauspielerinnen der Filmgeschichte gehört.
Fazit: Diese Auswirkungen hat der Award tatsächlich auf die Karriere
Am Ende folgt auch der OSCAR® keiner festen Hollywood-Formel. Für manche wird er zum Karriere-Boost, für andere bleibt die goldene Statue einfach ein Schmuckstück im Regal. Sicher ist: Er verändert etwas, aber niemals auf genau dieselbe Weise.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis von Hollywood: Selbst die größte Auszeichnung der Filmwelt bleibt am Ende ein kleines Rätsel. Für die Gewinner der diesjährigen Oscars beginnt jetzt erst die spannendste Frage: Was verändert diese goldene Statue wirklich?
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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