Abseits der Kamera

Ist sie privat auch so nervig? Uschi Glas spricht über ihre "Fack ju Göhte"-Rolle

Veröffentlicht:

von Annalena Graudenz

Auch mit fast 82 Jahren noch gern vor der Kamera: Schauspielerin Uschi Glas

Bild: IMAGO/HMB-Media


Es gibt nicht viele 81-jährige Schauspieler:innen, die von Zehnjährigen erkannt werden. Uschi Glas gehört jedoch zu diesen seltenen Film-Ikonen, die Generationen verbinden. Doch wie viel von der Rolle der genervten Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr in "Fack ju Göhte" steckt privat in ihr?

Seit Mitte der 1960er-Jahre ist Uschi Glas im Kino zu sehen, ihre Zielgruppe ist dementsprechend mit ihr gealtert. Und trotzdem hat sie es dank einer ihrer Rollen geschafft, dass sie auch von den Jüngsten sofort erkannt wird. Etwas, das nicht viele ihrer Kolleg:innen von sich behaupten können.

In "Fack ju Göhte" zeigt Uschi Glas ihr Comedy-Talent

"Privat bin ich viel entspannter"

Als Teil der Erfolgs-Filmreihe "Fack ju Göhte" wurde Uschi Glas für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Beste darstellerische Leistung - weibliche Nebenrolle" nominiert und wird bis heute von klein und groß erkannt.

Bei einer Veranstaltung für den von ihr mitbegründeten Verein "brotZeit" wird sie von den Sängern eines Knabenchors daher auch direkt gefragt, ob sie wirklich wie "diese Frau" sei - also wie ihre Rolle der überforderten Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr. "Nein, privat bin ich viel entspannter", antwortet sie mit einem herzlichen Lachen. Keine Dauer-Empörung, kein pädagogischer Zynismus, sondern Humor, Ruhe und ein gesunder Abstand zu allem, was nicht wirklich zählt. Mit der Filmfigur hat Uschi Glas als Privatperson nur wenig gemeinsam.

Die Schauspielerin wirkt wie jemand, der sich selbst und auch anderen längst nichts mehr beweisen muss. Nach rund 60 Jahren im Showgeschäft kennt sie den Unterschied zwischen Rolle und Realität ganz einfach und lebt ihn konsequent.

Disziplin gehört zum Geschäft

Ganz ohne Fleiß hätte sie es allerdings nicht zu ihrem über Jahrzehnte andauernden Erfolg geschafft. Auch das räumt sie offen ein. Drehs bedeuten oft harte Arbeit. "Manchmal wiederholen wir eine Szene bis zu 13 Mal", gibt sie vor den jungen Sängern offen zu. Perfektionismus gehört für Uschi Glas zum Beruf dazu.

Bis heute strukturiert sie ihren Alltag bewusst und freut sich über das Älterwerden. "Ich ärgere mich, wenn sich jemand beschwert, Geburtstag zu haben oder älter zu werden. Ich finde das unbegreiflich", sagt sie in einem Brisant-Interview. Um fit zu bleiben, läuft sie viel zu Fuß, setzt auf tägliches Stretching und integriert Krafttraining. Für sie gehöre Altern zum Leben dazu.

Uschi Glas abseits der Kameras

Seit 20 Jahren glücklich verheiratet: Uschi Glas und ihr Partner Dieter Hermann.

Bild: picture alliance/dpa


Ein wichtiger Teil in ihrem Leben sind ihre Familie, vertraute Menschen und ein Zuhause, das Rückzugsort ist. So wie viele Menschen zieht auch Uschi Glas viel aus dem Gefühl, gebraucht zu werden. Sei es von der eigenen Familie oder durch ihre Arbeit, die sie auch mit über 80 Jahren immer noch leidenschaftlich ausübt.

Statt sich an ewiger Jugend festzuklammern, feiert sie das Leben mit all seinen Facetten. Auch Schönheit definiert sie nicht über Faltenfreiheit, sondern über ihre Ausstrahlung - und die hat sie heute genauso wie vor 60 Jahren.

Engagement mit Herz

Ein zentraler Teil ihres Lebens ist seit Jahren auch ihr soziales Engagement. Während ihre Filmfigur als Lehrerin arbeitet und konstant überfordert ist, setzt sie sich privat mit Hingabe für die Jüngsten ein. Besonders am Herz liegt ihr der Verein "brotZeit", der Frühstücksangebote an Schulen ermöglicht. Für Glas ist das keine PR-Wohltätigkeit, sondern eine echte Herzensangelegenheit.

Mehr als eine Kult-Rolle

Ingrid Leimbach-Knorr war genervt, überfordert und herrlich überzeichnet. Uschi Glas hingegen wirkt privat sehr viel ausgeglichener, reflektiert und zugewandt. Die Rolle war ein riesengroßer Erfolg, sie selbst hingegen scheint nur wenig mit der Person vor der Kamera gemeinsam zu haben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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