"JENKE.CRIME - Im Schattenreich der Triaden"
Zwangsarbeit in Scam‑Fabriken: Jenke deckt Menschenhandel bei Online‑Betrug auf
Veröffentlicht:
von Claudia FrickelEine ehemalige Scammerin erzählt Jenke, wie sie Opfer von Menschenhandel wurde.
Bild: ProSieben
Scams im Internet sind nicht nur lästig, sie können auch teuer werden. Was viele nicht wissen: Die Scammer sind oft ebenfalls Opfer, die zum Online-Betrug gezwungen werden. Jenke von Wilmsdorff begibt sich auf Spurensuche - und trifft eine Scammerin, die entkommen konnte.
"Brutale Bedingungen" und Schläge in den Scam-Fabriken
Fake-Shops und -Investmentportale, Krypto-Abzocke, Identitätsdiebstahl, Phishing oder Romance-Scams: Über 70 Prozent der Deutschen haben in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen solchen Online-Betrugsversuch erlebt, so eine Studie von Mastercard. Ein Viertel der Befragten fiel darauf herein.
Aber nicht nur die Betroffenen sind Opfer: Die Scammer:innen selbst werden häufig dazu gezwungen, skrupellose Betrugsmaschen auszuführen. So wie Yu Tang aus Taiwan, die Jenke von Wilmsdorff für seine Reportage "JENKE. Crime. Im Schattenreich der chinesischen Triaden" trifft.
Jemand bietet ihr über das Internet einen Job in einem Spielcasino in Kambodscha an. Die Konditionen klingen gut, das Flugticket muss sie nicht selbst zahlen. Doch gleich nach der Landung am Airport wird ihr der Pass abgenommen. Zu Jenke sagt sie:
In diesem Moment wurde mir klar, dass es sich um Betrug handelt.
Ihre Kidnapper "machen unmissverständlich klar, dass wir verkauft worden waren", erzählt Yu Tang. Um freigelassen zu werden, müsse sie 10.000 US-Dollar zahlen. Sie wird gezwungen, in einer Scam-Fabrik Online-Betrügereien zu begehen, unter anderem mit Fake-Investment-Portalen. Das Gebäude ist mit Eisengittern und Stacheldraht gesichert.
In solchen Scam-Zentren sind oft Hunderte von Menschen unter "unmenschlichen, brutalen Bedingungen" tätig, wie Jenke sagt. "Diejenigen, die nicht gut genug arbeiten, werden mit Elektroschockern oder Stöcken geschlagen", berichtet Yu Tang.
Sharlene Chen ist Expertin im Bereich moderne Sklaverei, Cyberbetrug und Zwangskriminalität in London. Sie hat einige Opfer getroffen und sagt:
Eine der Strafen bestand darin, dass jemand vor den Augen aller lebendig begraben wurde, mit den Worten: Wagt es nicht zu fliehen.
Einige der Zwangsarbeiter:innen sterben sogar. Was Yu Tang erlebte, wie sie entkam und warum Jenke die Scam-Fabriken mit Gefängnissen vergleicht, siehst du in der Reportage. Außerdem zeigt die Sendung geleakte Aufnahmen von der brutalen Behandlung der Scammer:innen.
Menschenhandel in Scam-Fabriken: Wer steckt dahinter?
Es gibt unzählige Scam-Betrugszentren in Südostasien. Amnesty International hat allein in Kambodscha 53 Scam-Fabriken ausgemacht, weitere 40 Einrichtungen gelten als verdächtig. Außer in diesem Land befinden sich die Zentren hauptsächlich in Laos und Myanmar.
Das US-Magazin "Jacobin" spricht von geschätzten 220.000 Opfern in den Fabriken. Ende 2025 wurden in Myanmar Tausende Menschen aus Scam-Fabriken befreit, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Für die Betreiber ist das Geschäft hochprofitabel::
Durch den massenhaften Einsatz von Scammern wächst der Gewinn rasant und erreicht schnell dreistellige Millionenbeträge.
Viele der Scam‑Zentren werden von Verbrechernetzwerken betrieben oder finanziert - meist von chinesischen Triaden. Laut Ex-Scammerin Yu Tang gehörten einige der Betreiber des Betrugszentrums zur berüchtigten Bamboo Union, einer taiwanesischen Triade.
Jenke von Wilmsdorff schafft es, einen der ehemaligen Bosse der Bamboo Union zu interviewen. Was Triaden eigentlich sind, wie sehr sie im Schattenreich agieren und mit welchen Geschäften sie noch Geld verdienen, siehst du bei "JENKE. Crime. Im Schattenreich der chinesischen Triaden".
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