Die Schauspielerin im Porträt
Beim Abschied der Münchner "Tatort"-Kommissare: Lisa Wagner feiert ihr Comeback
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von teleschauGesicht des Erfolgs: Lisa Wagner wurde 2017 mit der Goldenen Kamera für ihre Hauptrolle in "Letzte Ausfahrt Gera - Acht Stunden mit Beate Zschäpe" ausgezeichnet.
Bild: 2017 Getty Images/Getty Images
Zum Abschied ihrer "Tatort"-Kollegen Batic und Leitmayr, den Münchner "Tatort"-Legenden, schaute Lisa Wagner noch mal vorbei. Sie kehrte ein letztes Mal in die Rolle der Christine Lerch zurück. Mittlerweile hat sie mit Krimis weniger am Hut. Mit großen Rollen aber umso mehr.
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Lisa Wagner ist eine Frau für besondere Fälle. Die "Süddeutsche Zeitung" nannte sie unlängst "Kamikazeschauspielerin zwischen Drama und Comedy". Da ist was dran, denn die 46-jährige gebürtige Rheinland-Pfälzerin brillierte in allen Segmenten. Das lässt sich wörtlich sehen: Sie wurde in ihrer 20-jährigen Karriere mit etlichen Preisen ausgezeichnet, sowohl für dramatische wie auch komische Rollen.
Auch für den "Tatort" bekam sie schon einen, den Grimme-Preis. Allerdings nicht für die Rolle der Christine Lerch, die sie jetzt im zweiteiligen Grande Finale der beiden Münchner "Tatort"-Legenden Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) noch einmal aufnahm. Die beiden Abschiedsfälle laufen am Ostersonntag, 5. April, und Ostermontag, 6. April, jeweils um 20:15 Uhr im Das-Erste-Livestream auf Joyn.
Nein, ausgezeichnet wurde Wagner 2011 für ihre Leistung in "Nie wieder frei sein". Auch das war ein Münchner "Tatort", aber sie spielte die ehrgeizige Pflichtverteidigerin Regina Zimmer - und wie. Neben dem Grimme-Preis gab's zudem den Deutschen Fernsehkrimipreis und den Bayerischen Filmpreis. Außerdem war sie für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auch die Fans honorierten die Leistung: "Nie wieder frei sein" stand auf der Webseite "Tatort-Fundus" noch 2022 an Nummer eins unter allen bis dahin gesendeten "Tatort"-Folgen.
Das Beste: Es war erst Lisa Wagners fünfte Rolle. Sie wurde zum Trampolin in eine atemberaubende Karriere.
Eine Jugend ohne Fernsehen und "Bravo", aber mit Nachbarskühen
Dass Lisa Wagner ausgerechnet in Film und Fernsehen Kariere machte, war nicht selbstverständlich. Denn als sie mit einem älteren und einem jüngeren Bruder als Kinder eines Akademiker-Ehepaars aufwuchs, war der Fernseher meist aus. "Wir sind ziemlich streng erzogen worden, außer einmal wöchentlich 'Die Sendung mit der Maus' durfte ich nicht fernsehen", verriet sie in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Immerhin durfte sie mal gucken. "Bravo" lesen war dagegen unmöglich. Die sei "tabu gewesen bei meinen Eltern", erzählte sie. "Ich hatte zwar Poster, aber mehr so was Tierartiges." Das wiederum war okay, denn im direkten Umfeld gab es viele Tiere. Sie wuchs in einem Dorf mit "gerade mal 80 oder 100 Einwohnern" auf, schilderte sie. "Der Nachbar hatte noch Kühe, wir haben mit der Kanne bei ihm unsere Milch geholt."
Trotzdem brachte sie ihr Vater zur Schauspielerei. Mit vier Jahren stand sie bei einem Sommerfest ihres Vaters erstmals auf der Bühne, später sammelte sie während der Gymnasialzeit als Statistin am Pfalztheater in Kaiserslautern erste schauspielerische Erfahrungen. Nach dem Abi begann sie ihre Schauspielausbildung und hatte schon währenddessen Engagements an Theatern in München. Dort lebt sie seither.
"Lieber einen geilen Film machen als drei 08/15-Filme"
Gleich ihr Kinodebüt "Shoppen" (2006) wurde für den Deutschen Filmpreis nominiert. Und Lisa Wagner blieb den besonderen Filmen treu und legte von früh an Wert auf Abwechslung. Sie spielte in dem beklemmenden Kriegsdrama "Das Glaszimmer", in der Komödie "Vorstadtrocker" und auch im Drama "In Liebe, deine Hilde" - aber immer überzeugend. "Lieber einen geilen Film machen als drei 08/15-Filme", sagte sie in einem Interview mit der "Welt".
2013 bekam sie mit "Kommissarin Heller" ihre eigene Serie - und stieg nach zehn Folgen freiwillig wieder aus, um nicht auf die Rolle und das Genre festgelegt zu werden. Auch von der Rolle der Christine Lerch im Münchner "Tatort" verabschiedete sie sich damals nach fünf Folgen. Dafür spielte sie in einer Staffel von "Ladykracher" mit - und erhielt mit dem Ensemble den Deutschen Comedypreis.
Zwar spielte sie seitdem durchaus noch Episodenrollen in Krimis, aber sie suchte sich "Farbtupfer"-Rollen heraus. So spielte sie in "Tatortreiniger" oder war in zwölf Folgen der ARD-Serie "Weissensee" zu sehen. 2016 gab es ein weiteres Karriere-Highlight: Sie spielte die Hauptrolle im Dokudrama "Letzte Ausfahrt Gera - Acht Stunden mit Beate Zschäpe" und wurde dafür 2017 mit dem eingangs erwähnten Grimme-Preis ausgezeichnet.
Rückkehr ans Residenztheater in München
Lisa Wagner, die ihr Privatleben konsequent unter Verschluss hält, bleibt die wandelnde Vielseitigkeit. Zuletzt begeisterte sie in bislang drei Staffeln der Dramedy-Serie "Die Wespe" (und erhielt dafür 2022 den Deutschen Schauspielpreis), fesselte dann als Staatsanwältin Lena Birkwald in der Drama-Serie "Die Affäre Cum-Ex", die vom "Spiegel" als "furioses Meisterwerk" gelobt wurde und spielte im selben Jahr im Kino die Frau Müller-Riebensehlin in "Bibi Blocksberg - Das große Hexentreffen".
Derzeit ist Lisa Wagner am Residenztheater München zu erleben, wo sie einst während der Ausbildung schon spielte. Im März, April und Mai gibt es Aufführungen von "Die Ärztin" - mit Lisa Wagner in der Hauptrolle.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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