Nie ohne Nervenkitzel
"Tatort"-Pause: Die besten Alternativen für Krimifans im Sommer
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von saroKein Grund zur Sorge: auch im Sommer gibt es Krimi-Stoff!
Bild: ARD Degeto Film/Tivoli Film/Nikolaas von Schrader, Joyn, rbb/ARD Degeto/ITV Studio
Keine Leiche, keine Spurensicherung, kein "Wir müssen noch mal mit dem Nachbarn sprechen": Für Krimifans beginnt die härteste Zeit des Jahres. Wer jetzt nicht auf dem Trockenen sitzen will, braucht dringend neue Fälle.
In diesem Jahr begann die Sendepause von "Tatort" und "Polizeiruf 110" außergewöhnlich früh am 3. Mai (ein Teil der Geduldsprobe ist also schon geschafft). Und sie endet erst am 13. September. Für einen Fan von charakterstarken Ermittlerfiguren, die hinterlistige Verbrechen klären, klingt das wie eine mehrmonatige Fahndung ohne heiße Spur. Blutige Alternativen sind gefragt, damit der Sommer doch noch mörderisch gut wird.
Krimi-Expertin Sabine hat in ihrem Leben schon rund 3000 Morde gesehen in Lieblingsserien wie "Der Pass", "Dogs of Berlin", "Black Doves" und "Lupin". Während Thiel und Boerne Urlaub machen, setzt sie nicht auf Wiederholungen, sondern rettet sich mit diesen fünf Serien durch die "Tatort"-Pause.
"23 Morde"
Nach der ersten Folge von "23 Morde" will man eigentlich nur noch eins: sofort weitergucken. Wie gut, dass das auf Joyn besser funktioniert als zur fixen "Tatort"-Stunde am Sonntag. Die Serie zieht einen mit einer Wucht hinein, die deutsche Krimis viel zu selten erreichen. Kein ödes Ermittler-Geplänkel, keine irgendwie unecht wirkenden TV-Kommissar:innen, sondern düstere Spannung und Figuren, die permanent das Gefühl vermitteln, dass gleich alles eskaliert.
Es geht um einen Mann, der bereits 23 Morde gestanden hat: der ehemalige wissenschaftliche Assistent Maximilian Rapp (Franz Dinda), der einst in der Asservatenkammer des BKA arbeitete. Doch schnell wird klar, dass er unmöglich für alle Taten verantwortlich sein kann. Während die Ermittler:innen Tara Schöll und Henry Kloss heimlich nach dem tatsächlichen Täter suchen, wird ausgerechnet der verurteilte Mörder zu ihrem wichtigsten Berater.
Vor allem Franz Dinda macht die Serie so sehenswert. Er spielt die Hauptrolle mit einer faszinierenden Mischung aus eiskalter Präzision und unterschwelliger Aggression. Man kann den Blick kaum von ihm lösen. Tatsächlich erinnert seine Präsenz verblüffend an den jungen Christoph Waltz.
Fun Fact: Der TV-Sender SAT.1 strahlte die eigens produzierte sechsteilige Krimiserie niemals aus. Man munkelte 2016, dass sie zu düster für den Sender sei. Joyn hat sie nun in den Stream genommen.
Für Fans der "Tatort"-Kommissare: Klaus Borowski (Kiel), Lena Odenthal (Ludwigshafen) und Felix Murot (Wiesbaden)
"Kommissar Rex"
Fast wie Kriminalhauptkommissar Franz Kappl aus Saarbrücken, nur mit Schäferhund in Wien: Schauspieler Maximilian Brückner ist einfach eine Idealbesetzung für Ermittlerrollen. In "Kommissar Rex" übernimmt er seit dem Neustart 2026 die Rolle des Wiener Chefinspektors Max Steiner und jagt gemeinsam mit Schäferhund Rex Kriminelle durch die österreichische Hauptstadt. Die Fälle sind spannend erzählt, Wien sieht fantastisch aus und im Kommissariat entsteht genau die Mischung aus Leichtigkeit und trockenem Humor, die man besonders im Sommer so mag. Wer die Folgen auf Joyn im Wochenrhythmus sparsam dosiert, hat immerhin die Ferien überbrückt.
Für Fans der "Tatort"-Kommissare: Franz Kappl (Saarbrücken), Thorsten Falke (Hamburg) und Max Ballauf und Freddy Schenk (Köln)
Kommissar Rex
Alle Folgen anschauen
Gemeinsam mit Kommissar Max Steiner, Inspektor Felix Burger und deren Chefin Major Evelyn Leitner ermittelt Schäferhund Rex in der Wiener Mordkommission. Für Max ist Rex mehr als ein vierbeiniger Kollege. Der Ermittler ist Single und leidet noch immer unter der Trennung von Ex-Frau Sarah. Und als Max' erwachsene Tochter Anna aus Südamerika zurückkehrt, bringt das weitere emotionale Herausforderungen mit sich.
"Mord auf Shetland"
Wer beim "Tatort" am liebsten die leisen Fälle schaut, dürfte bei "Mord auf Shetland" sehr schnell hängen bleiben. Die Serie spielt auf den abgelegenen Shetlandinseln im Norden Schottlands und entwickelt gerade aus dieser Abgeschiedenheit ihre enorme Spannung. Keine Großstadt-Hektik, keine Action-Überdosis, keine Schießereien - sondern raue Küsten, dichter Nebel und Ermittlungen, die sich langsam, aber gnadenlos zuspitzen. Jede:r kennt jede:n und jede Lüge fällt irgendwann auf - ziemlich realistisch also. Vor allem Douglas Henshall als Detective Jimmy Perez machte die Serie über Jahre so stark: ruhig, aufmerksam, nie geschniegelt oder cool und gerade deshalb so glaubwürdig. Nach seinem Ausstieg 2023 übernahmen Ashley Jensen und Alison O’Donnell die Ermittlungen. Aber auch diese neue Dynamik funktioniert überraschend gut.
Fun Fact: Die Serie basiert auf den Romanen der preisgekrönten Krimiautorin Ann Cleeves. Gedreht wurde allerdings nur teilweise auf den echten Shetlandinseln, weil das Wetter die Produktion regelmäßig lahmlegte. Viele Szenen entstanden deshalb auf dem schottischen Festland rund um Glasgow.
Für Fans der "Tatort"-Kommissare: Thorsten Falke (Hamburg), Klaus Borowski (Kiel) und Charlotte Lindholm (Göttingen)
"Blind ermittelt"
Ein blinder Ex-Kommissar, der Morde aufklärt - eigentlich klingt das nach einer Idee, die schnell konstruiert wirken könnte. Die ARD-Serie schafft aber das Gegenteil. Sie nutzt die Einschränkung ihres Hauptcharakters nicht als geschmackloses Gimmick, sondern als echten Spannungsmotor. Alexander Haller analysiert Stimmen, Geräusche und kleinste Reaktionen oft genauer als sehende Ermittler:innen. Niko Falk (Andreas Guenther) ist ebenfalls ein Grund, warum "Blind ermittelt" so eine große Fan-Gemeinde hat. Der ehemalige Berliner Taxifahrer rettet Haller im ersten Film das Leben, wird zu seinem Assistenten und später zu seinem engsten Freund. Aus dieser Zufallsbekanntschaft entsteht ein Ermittlerduo, das eher an ein Buddy-Movie als an einen klassischen TV-Krimi erinnert. Dazu kommt Wien als Kulisse: mal elegant, mal morbide, immer atmosphärisch.
Im Sommer 2026 zeigt Das Erste gleich zwei neue Fälle zur Primetime: "Tod im Weinberg" läuft am Donnerstag, 11. Juni, um 20:15 Uhr, "Tod an der Donau" folgt eine Woche später am 18. Juni - ebenfalls um 20:15 Uhr.
Fun Fact: Für seine Rolle als blinder Ermittler Alexander Haller besuchte Philipp Hochmair die Ausstellung "Dialog im Dunkeln" und absolvierte zusätzlich ein Langstocktraining. Später bezeichnete er die Erfahrung in völliger Dunkelheit sogar als das "Schlüsselerlebnis" für seine Figur.
Für Fans der "Tatort"-Kommissare: Klaus Borowski (Kiel), Charlotte Lindholm (Göttingen) und Frank Thiel (Münster)
"Der Zürich-Krimi"
Eigentlich ist Thomas Borchert gar kein richtiger Ermittler. Der frühere Wirtschaftsanwalt wollte nach einem persönlichen Tief eigentlich nur noch seine Ruhe in Zürich haben. Stattdessen gerät er ständig in Mordfälle, Intrigen und Familiendramen hinein. Christian Kohlund spielt Borchert seit immerhin schon 24 Folgen mit einer Mischung aus Gelassenheit, Schärfe und trockenem Humor, die der Serie so guttut. An seiner Seite: Ina Paule Klink als Dominique Kuster, die als resolute Anwältin nicht nur regelmäßig Borcherts Fälle rettet, sondern ihm auch menschlich ordentlich Paroli bietet. Die Rolle des Sidekicks eines Dauer-Ermittlers hat die Schauspielerin offenbar für sich gepachtet, stand sie doch auch jahrelang ZDF-Detektiv Georg Wilsberg zur Seite. Am 30. Juni um 20:15 Uhr zeigt Das Erste "Borchert und die bittere Medizin".
Fun Fact: Hauptdarsteller Christian Kohlund lebt selbst seit vielen Jahren in der Schweiz und gilt dort längst als TV-Institution. Viele Zuschauer:innen nennen die Reihe deshalb inzwischen schlicht nur noch "den Borchert".
Für Fans der "Tatort"-Kommissare: Max Ballauf und Freddy Schenk (Köln), Charlotte Lindholm (Göttingen) und Klaus Borowski (Kiel)
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
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