Teenie-Star, Mönch und Mentor

"Finde es toll, dass wir uns für die Kids zum Affen machen müssen" - Coach Michael Patrick Kelly im Interview

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Michael Patrick Kelly freut sich auf seine neue Rolle bei "The Voice Kids".

Bild: Joyn/Richard Hübner


Michael Patrick Kelly ist zurück in der "The Voice"-Welt. Nun wird er bei "The Voice Kids" coachen. Wie er dafür seine eigenen Erfahrungen als Kinder- und Teenie-Star (sowie als Mönch) einbringen will, erzählt er im Interview.


Die bisherigen Folgen gibt es online:


Nach "The Voice of Germany" und "The Voice Senior” bist du jetzt Coach bei #VoiceKids - wie fühlt es sich an, das "The Voice"-Triple vollzumachen?

Michael Patrick Kelly: Was die Jugendförderung beim DFB für die Zukunft des Fußballs ist, ist "The Voice Kids" ein bisschen für die Musikwelt. Hier bekommen die zukünftigen Stars ihre erste große Bühne. Ich finde es toll, dass wir Coaches um sie kämpfen und uns auch - auf humorvolle Art - für sie zum Affen machen müssen. Es ist für mich eine der bisher schönsten Aufgaben, hier meine Erfahrungswerte weitergeben zu können. Ich habe ja als Kind und Jugendlicher selbst auf Bühnen gestanden und diese ersten Erfahrungen sind sehr prägend. Deswegen fühlt es sich für mich sehr vertraut an. Nach "The Voice of Germany" und "The Voice Senior" jetzt Coach bei "The Voice Kids" zu sein, ist ein schöner Full-Circle-Moment.

Du coachst zum ersten Mal Kids - wie gehst du das an?

Ich werde versuchen, den Kids immer auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht von oben herab, wie ein Oberschullehrer. Sondern ich nehme die Kids ernst und möchte jedem etwas Positives mitgeben, auch wenn das Talent nicht gebuzzert werden sollte. Ich glaube, bei "The Voice Kids" gibt es viele Talente, die schon ganz selbstsicher wie ein Fisch im Wasser schwimmen und für die es kein Problem ist, auf diese große Bühne zu treten. Sie denken nicht so viel nach, wie wir Erwachsenen. Andere Kids hingegen muss man ein bisschen mehr an die Hand nehmen, damit sie sich trauen, ihr volles Potenzial zu zeigen.

Man möchte den Kids als Coach auch keine Illusion verkaufen - denn nicht jeder, der Musiker werden will, schafft auch eine langfristige Karriere. Den Beruf als Musiker aufzubauen ist nicht leicht und vor allem ist es tough, den Job erfolgreich über 20, 30 oder gar 40 Jahre aufrechtzuerhalten. Selbst Weltstars haben Höhen und Tiefen, Platten, die getoppt und gefloppt sind. Man muss als Coach realistisch sein und die Talente mit ihrer Leidenschaft und ihrem Willen, ihren musikalischen Weg zu finden, fördern, aber nicht drängen, nicht pushen. Wir wollen sie mit Respekt und Empathie dazu ermutigen."

Was nimmst du aus deiner eigenen Lebenserfahrung mit ins Coaching?

Für mich steht der Mensch an erster Stelle. Denn deine Performance ist der Ausdruck davon, wer du bist. Ich selbst war erst Kinderstar, Teenie-Star, dann war ich Mönch und jetzt bin ich mit ein paar Jahren auf dem Buckel vielleicht ein bisschen gereift und Solo-Künstler. Aber ich bin mehr als "nur" Künstler: Ich bin Mensch. Man definiert sich für mich nicht anhand von Erfolg, Beruf, Geld oder Ruhm. Für mich ist es wichtig, dass meine Musik Inhalte hat, die Menschen guttun, ermutigen und helfen können, also dass die Kunst einen Sinngehalt hat. Deswegen versuche ich einfach, die Kinder ernst zu nehmen und ihnen auch schon in ihren jungen Jahren einfach als Menschen in einer bestimmten Entwicklungsphase zu begegnen und sie hoffentlich zu stärken.

Was würdest du sagen, ist deine Aufgabe bei "The Voice Kids"?

Als Coach bist du vor allem Mentor für die Talents. Du versuchst ihnen bei ihren ersten Steps in der Musikwelt zu helfen, ihnen zu zeigen, wie man auf einer großen Bühne performt und wie man mit dem Publikum connectet. Aber vor allem, wie man das meiste aus seiner Stimme herausholt. Ich habe ja meinen ersten Bühnenauftritt mit nur zehn Tagen im Arm meiner Mutter gehabt, und von da an war die Bühne mein Spielplatz, auf dem ich viel gelernt habe. Mein Ziel ist es, den jungen Stimmwundern meine Erfahrungen weiterzugeben, ihnen zu ermöglichen, in die professionelle Musikwelt reinzuschnuppern - und das Ganze auf eine Art, die Spaß macht. So wie ein unvergessliches Sommercamp. Die Sendung ist eine echte Chance für die Kids.


Ihr seid jetzt eine ganz neue "Coach-Truppe" - kanntet ihr euch schon vorab?

Alvaro und ich kennen uns schon einige Jahre. Wir haben auch schon zusammen live performt und schätzen einander sehr. Er ist ein echter Vollblutmusiker, der seine Songs auch selbst schreibt. Leony habe ich bei Award Shows und Festivals kennengelernt. Sie ist eine begabte Musikerin mit einem großen Herzen. Nur HE/RO kannte ich noch nicht persönlich. Ich finde es immer eine coole Challenge, wenn man verschiedene Artists zusammenbringt; da passiert was. Da entsteht eine Chemie, eine Harmonie oder auch mal eine Disharmonie. Wir sind ja alles starke Charaktere. (lacht) Das ist wie eine Überraschungskiste. Man weiß nicht, wie das ausgeht, aber es ist spannend zu beobachten.

Alvaro hat bisher die meisten Staffeln #VoiceKids unter euch Coaches begleitet - ist er dadurch auch automatisch dein stärkster Coach-Konkurrent?

Gute Frage. Gegenfrage: Hat Alvaro gewonnen? (lacht) Aber ja, wahrscheinlich ist Alvaro mein stärkster Konkurrent, weil er die meiste #VoiceKids-Erfahrung hat. Gleichzeitig würde ich Leony nicht unterschätzen, weil ich glaube, dass viele Kids, vielleicht auch besonders Mädchen, voll Leony-Fan sind und zu ihr gehen, obwohl ich vielleicht mehr musikalische Erfahrung hätte, wenn man unser Alter vergleicht. Aber sie ist natürlich auch eine gute Stage-Performerin, die weiß, wie sie ihren Charme und ihr Können einsetzt, wenn sie etwas will.

Ich unterschätze die HE/RO-Zwillinge auch nicht. Dieser Doppelpack strahlt etwas aus, das fühlt sich so nach mehr an und sie haben auch eine große Fanbase und einen starken Willen zu gewinnen. Die Stimmung unter uns Coaches ist sehr harmonisch bis zu dem Moment, wo es um ein Talent geht, um einen Vierer-Buzzer zum Beispiel. Wenn alle dieses Talent im Team haben wollen, da hört die Freundschaft auf. (lacht) Das ist dann wie ein gesunder olympischer Wettkampf, weil wir alle ehrgeizig sind. Wir spielen alle zusammen für die Talente, quasi wie Team Deutschland, aber untereinander gibt es trotzdem ein bisschen: 'Wer ist der Schnellste am Buzzer? Wer ist der überzeugendste Coach? Wer ist der Beste? Wer coacht seine Talente zum Sieg?' Das gehört doch dazu!“


Weitere großartige Stimmen gibt's bei "The Voice of Germany"


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.

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