Töten Frauen anders?
"Die Opfer von Frauen sind meistens in ihrem Umfeld": Interview mit "Sisters in Crime"-Moderatorin Jule Gölsdorf
Aktualisiert:
von Maximilian KayserGemeinsam mit Karolin Kandler (l.) moderiert Jule Gölsdorf das neue True-Crime-Format auf Kabel Eins.
Bild: Kabel Eins
Was bringt Frauen dazu, zu Mörderinnen zu werden? Diese Frage stellt der Podcast "Sisters in Crime" - mittlerweile auch als True-Crime-Show auf Kabel Eins. Im Interview verrät Moderatorin Jule Gölsdorf, wie die Idee zum Podcasts entstand und welche Taten sie besonders schockiert haben.
Von ":newstime" über einen Podcast zur eigenen Freitagabendshow: Das ist der Werdegang der beiden Moderatorinnen Karolin Kandler und Jule Gölsdorf. Sie sind seit dem 13. Februar jeden Freitag um 20:15 Uhr auf Kabel Eins mit "Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime" zu sehen. Darin führen sie ihren Erfolgspodcast als spannende True-Crime-Show weiter.
Mit Expert:innen analysieren sie Fälle mit Täterinnen und untersuchen weibliche Kriminalität. Im Interview mit Joyn verrät Jule Gölsdorf, was genau weibliche von männlichen Mördern unterscheidet, welche Fälle für sie besonders spannend waren und ob manche Taten auch sie nicht mehr loslassen.
Die True-Crime-Serie "Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime" freitags um 20:15 Uhr bei Kabel Eins
"Sisters in Crime": Davon handelt der Podcast von mordenden Frauen
Wie kommen Karo und du von ":newstime" zu "Sisters in Crime"?
Jule Gölsdorf: Karo und ich saßen im ":newstime"-Büro zusammen und haben uns oft über unsere True-Crime-Leidenschaft unterhalten. Ich habe zwei Krimis geschrieben, die in Monaco spielen und Karo hatte schon einen Podcast mit Dr. Alexander Stevens, [Rechtsanwalt; Anm. d. Red.] das war auch schon True Crime. So haben wir dann festgestellt, dass uns beide dieses Thema so fasziniert. Und irgendwann haben wir dann gesagt: Komm, lass uns doch zusammen einen Podcast machen.
Wie kam die Idee, den Podcast auf Frauen auszurichten und was genau unterscheidet weibliche Täterinnen von männlichen Tätern?
Jule Gölsdorf: Es sind deutlich weniger Frauen, die Morde begehen. Es sind zehn bis 15 Prozent. Aber: Wenn du dir die realen Zahlen anguckst, sind das immer noch ganz schön viele. Wir haben zum Beispiel eine Studie gelesen, dass Frauen häufig weniger verdächtigt werden, weil man es ihnen nicht zutraut, zu morden. Und das bedeutet natürlich auch, dass Frauen häufiger mit ihren Verbrechen durchkommen.
Das fanden wir spannend. Frauen, die töten, hatte zu dem Zeitpunkt noch kein anderer behandelt. Das ist spannend - und es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männliche Gewalt spielt sich auch im öffentlichen Raum ab, bei Frauen ist es eher zu Hause.
Wenn Frauen töten, dann sind die Opfer meistens im Umfeld. Es kann ein Familienmitglied sein, es können Kinder sein, Partner, Expartner oder Freunde. Das ist schon faszinierend. Bei Männern ist es dann oft auch so, dass Straftaten auch sexuell motiviert sind. Frauen dagegen wollen sich häufig vom Partner lösen und versuchen zum Beispiel, aus einer gewalttätigen Beziehung rauszukommen.
Das ist aber auch nicht immer so, was wir überraschend fanden. Es gibt tatsächlich auch Frauen, die einfach aus Gier oder Sadismus töten.
Noch mehr "Sisters in Crime": Alle Infos zu einzelnen Fällen
Hat sich Euer Blick auf mordende Frauen nach dem Start eurer True-Crime-Formate verändert?
Jule Gölsdorf: Ein bisschen denkt man: Die Frau ist lieb, nett und umsorgend und kümmert sich immer um alle. Ehrlich gesagt, ein bisschen hatten wir dieses Bild von Frauen auch. Jetzt haben wir gemerkt: Ganz so ist es dann doch nicht. Was ich besonders überraschend fand, ist, dass es auch Frauen gibt, die aus sexuellen Gründen töten. Das ist super selten, aber gibt es auch.
Was wir super schockierend fanden, natürlich gerade Karo als Mutter: Dass es auch viele Frauen gibt, die ihre Kinder töten. Das sind schlimme Fälle. Im Detail hatten wir das vorher nicht auf dem Schirm. Aber wenn du dich den ganzen Tag damit befasst, dann verändert sich dann schon deine Wahrnehmung.
Die härtesten Fälle bei "Sisters in Crime"
Die Themen sind teilweise sehr hart. Gab es Fälle, die dich länger nicht losgelassen haben? Oder fällt es dir leicht, nach der Arbeit abzuschalten?
Jule Gölsdorf: Der große Vorteil ist, dass wir aus den Nachrichten kommen. Das heißt, wir müssen sowieso so eine gewisse Distanz haben zu den Themen. Ich werde super oft gefragt: "Wie kannst du so harte Nachrichten jeden Tag moderieren, wenn es Kriege gibt und dauernd Leute sterben?" Ein bisschen Distanz habe ich schon - und das funktioniert ehrlich gesagt auch bei den Fällen ganz gut.
Aber klar gibt es auch Sachen, die einem im Kopf bleiben. Zum Beispiel die Influencerin Ruby Franke, die ihre Kinder missbraucht hat. Sie hat sie benutzt, um Geld zu verdienen - am Ende waren die Kinder total abgemagert und wirklich heftig missbraucht. So was bleibt einem dann schon ein bisschen im Kopf. Oder einfach ganz brutale Fälle.
Was ich auch überraschend finde, ist, dass Frauen nicht hauptsächlich zu Gift greifen. Das ist ein Vorurteil. Früher war das vielleicht so, dass viele auf diese Art gemordet haben. Mittlerweile kann man das besser nachweisen. Deshalb nehmen die Giftmorde insgesamt ab. Frauen greifen tatsächlich zu harten Tatwaffen, also zum Messer, zur Pistole, aber auch zur Kettensäge. Das haben wir erst jetzt auf dem Schirm.
Kommen wir zur Kabel-Eins-Show "Weiblich. Tödlich: Sisters in Crime": Gab es da einen Fall, den Ihr besonders krass oder kurios fandet?
Jule Gölsdorf: Einen Fall fand ich besonders spannend. Da wurden die Eltern eines Mannes ermordet, relativ schnell geriet seine Ehefrau ins Visier und die hatte auch ein Motiv. Es ging um Geld, um eine Erbschaft. Und es gab tatsächlich keine anderen Verdächtigen. Die Frau wurde auch verurteilt. Aber der Mann hält bis heute zu ihr - das fand ich total faszinierend. Der besucht sie nach wie vor im Gefängnis. Auch die Kinder halten zu der Frau, weil alle davon überzeugt sind, dass sie unschuldig ist. Ich denke mir: Ist er total verblendet? Weil es keine anderen Verdächtigen gibt. Auch kein anderes Motiv.
Sie wurde verurteilt und trotzdem hält er zu der Frau. Das fand ich interessant. Da habe ich mich besonders gefragt: Was ist da eigentlich passiert? Denn es war ein Indizienprozess. Aber falls es doch noch irgendwann handfeste Beweise geben sollte oder die Frau es irgendwann zugibt, will ich wissen, was die Familie dann sagt, nachdem sie über Jahre die Frau im Gefängnis unterstützt hat.
"Schwer, den perfekten Mord zu begehen"
Ihr habt über so viele Morde recherchiert - da müsstet Ihr doch mittlerweile wissen, wie man einen perfekten Mord begeht?
Jule Gölsdorf: Sind wir die perfekten Mörderinnen? (lacht) Wir haben eher die Erkenntnis gewonnen, dass es einfach schwierig ist, mit einem Mord davonzukommen. Und das ist ja auch gut so! Was ich total überraschend finde, ist, dass die Leute in unseren Fällen sehr oft googlen. Wir sagen dann: Schon wieder jemand, der so blöd ist, und auf seinem eigenem Gerät googled, welche Pilze tödlich sind, wie lange eine Leiche verwest oder wie man sie besonders gut vergraben kann. Ich denke mir: Geh lieber ins Internetcafé! Oder nimm das Handy von der bösen Schwiegermutter. Wobei: Wir wollen keine Tipps geben.
Es ist schon wirklich schwer, den perfekten Mord zu begehen, weil es so viel Kameraüberwachung gibt, weil alle deine Geräte getrackt werden können. Aber ich könnte und wollte nicht den perfekten Mord begehen.
Sind Frauen andere Täterinnen, weil man sie unterschätzt? Werden ihre Fälle seltener aufgeklärt?
Jule Gölsdorf: Es gibt einen Ausspruch von einen Hamburger Gerichtsmediziner, der gesagt hat: "Wenn auf jedem Grab auf dem Friedhof eine Kerze brennen würde, bei dem nicht erkannt wurde, dass es ein Mord war, dann würde es auf den Friedhöfen in Deutschland sehr hell leuchten." Das fand ich heftig. Offensichtlich wird relativ oft keine Obduktion durchgeführt und dann gehen viele Morde unter.
Ob das dann bei Frauen noch häufiger ist? Vielleicht schon. Frauen morden oft im Umfeld. Schleichende Gifte gibt es auch, welche über Tage und Wochen erst wirken. Wenn ein Arzt sagt, die Person war alt oder ist eines natürlichen Todes gestorben, dann wird so was nicht aufgeklärt.
In eurer Show werden sehr vielseitige Mordfälle behandelt. Was habt ihr für die Zukunft noch geplant? Welche Folgen würdet ihr gerne noch machen?
Jule Gölsdorf: "Weiblich. Tödlich." Hat in der ersten Staffel fünf Folgen. Aber bislang sind es nur deutsche Fälle. Wir hoffen natürlich sehr, dass es eine zweite Staffel geben wird. Dann könnten wir auch internationale Fälle angehen. In unserem Podcast "Sisters in Crime" machen wir das. Es gibt viele Frauen, die Morde begangen haben, die man gar nicht glauben kann - und die würden sich für Fernsehen natürlich bestens eignen.
Alle Folgen "Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime" jetzt streamen!
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.de ('Behind the Screens' Deutschland) veröffentlicht.
Mehr entdecken

"Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime"
Der Fall Elisabeth D: Durchbruch durch puren Zufall

Ganz privat
"Im Unterschied zu mir ist sie keine Tussi" Angelika Niedetzky über ihr "SOKO Linz"-Alter Ego

Regionale Krimis aus Österreich
"LandKrimi": Darum ist die Reihe ein Muss für jeden Filmabend

"Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime"
Der Macheten-Mord von Chemnitz: Fall nimmt unerwartete Wende

LKA gibt Update zur Sendung
"Aktenzeichen XY… ungelöst": Zu diesen Fällen gibt es neue Hinweise

Auf einen Plausch mit Lilian Klebow
"Ich bin der Fels in der Brandung": SOKO-Star Lilian Klebow über ihre Rolle als Mutter und Schauspielerin

Mordfall Seckin Caglar
Neue Hinweise nach 35 Jahren? "Aktenzeichen XY ... Ungelöst" rollt bewegenden "Cold Case" aus Köln neu auf

Abwechslung garantiert
Spiele, Spaß & Spitzenpolitik: Die Februar-Hits auf Joyn

Täterinnen im Fokus
Neue True-Crime-Reihe über Mörderinnen: "Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime" heute




