"Wenn kein Geld rauskommt, ist es ein Hobby"

Rekordinvestments, Gründerfehler und unterschätzte Zukunftsmärkte - Investor Christian Jäger im ehrlichen Interview

Veröffentlicht:

von Sandra Kausl

Der "2 Minuten 2 Millionen"- Investor ist bekannt für ehrliche Worte, millionenschwere Investments und den Anspruch auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Bild: Gerry Frank


Wenn es um Millionen-Deals, harte Entscheidungen und klare Worte geht, gehört Christian Jäger zu den prägendsten Persönlichkeiten der heimischen Start-up-Szene. Als Investor bei "2 Minuten 2 Millionen" ist er bekannt für spontane Bauchentscheidungen, schonungslose Ehrlichkeit und Rekordinvestments, die international für Aufsehen sorgen. Im Gespräch spricht er über typische Gründerfehler, unrealistische Bewertungen und die Dynamik hinter großen Deals. Er erklärt weshalb Investoren genauso Fehler machen wie Gründer und warum Erfolg für ihn heute mehr bedeutet als reine Monetarisierung: nämlich auch die Verantwortung, mit dem Erreichten etwas zurückzugeben.

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...wenn man zurückgeht – 20, 30 Jahre – da war das der totale Fokus: Geld verdienen, Geld verdienen, Geld verdienen.

Christian Jäger

Redaktion: Herr Jäger, Sie sind Unternehmer, Investor und jemand, der sehr klare Kante zeigt. Bevor wir ins Detail gehen: Was bedeutet Erfolg für Sie heute – und was bedeutete er vor 20 Jahren?

Jäger: Erfolg im geschäftlichen Bereich hat sich nicht verändert. Erfolg im geschäftlichen Bereich ist einfach eine Idee, etwas, was man machen will, zu monetarisieren, weil wenn kein Geld dabei rausschaut, ist es ein Hobby. Es hat sich nicht verändert, von Anfang an – immer der ganz klare Blick: Wenn ich geschäftlich etwas beginne, muss es am Ende des Tages Geld bringen, sonst brauche ich es in diesem Bereich nicht machen.

Was sich aber absolut sicher geändert hat,  wenn man zurückgeht – 20, 30 Jahre – da war das der totale Fokus: Geld verdienen, Geld verdienen, Geld verdienen. Mittlerweile gibt’s für mich einen zweiten Erfolg, und das ist, dass man was zurückgeben kann.
Dass man anderen Leuten, jungen Menschen, wie jetzt zum Beispiel bei Start-up Shows wie "2 Minuten 2 Millionen" eventuell was beibringen kann, aber vor allem, dass man ein bisschen Geld übrig hat und soziale Projekte unterstützen kann, so wie ich jetzt eben die Dr. Manfred Jäger Educational Center in Afrika baue. Also was ist der große Unterschied: Früher nur Geld, Monetarisierung einer Idee, heute zweiter Erfolg: dass man mit dem Erreichten Gutes tun kann, und das ist absolut auch Erfolg.

...dass man mit dem Erreichten Gutes tun kann, das ist absolut auch Erfolg.

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Redaktion: Gab es einen bestimmten Moment, als diese Veränderung kam?
Jäger: Vorher war die Möglichkeit einfach nicht gegeben. Wenn man grad so anfängt und das erste Geld verdient, kann man nicht gleich an ein soziales Projekt denken – da ist man selbst sein eigenes Sozialprojekt.

Ein Blick hinter die "2 Minuten 2 Millionen"-Kulissen

Redaktion: Sie sind Teil der 13. Staffel von "2 Minuten 2 Millionen". Wie erleben Sie diese Staffel bisher, auch im Vergleich zu früheren?

Jäger: Die Start-ups dieser Staffel waren gut, aber das Besondere an dieser 13. Staffel, ist das Zusammenspiel. Wir, als Investoren sind ja gegenüber der 12. Staffel gleichgeblieben, man lernt sich ein bisschen besser kennen und dadurch ist das Zusammenspiel schöner, aber auch in der Härte, deutlich intensiver und spürbarer geworden. Also absolut cool, macht richtig Spaß und das merkt man, glaub ich, ab der 1. Folge der 13. Staffel, dass man sich auch schon sehr hart anpackt, aber man trotzdem wieder reden und lachen kann miteinander.

Redaktion: In der ersten Folge kam es zu einigen Diskussionen und Wortgefechten zwischen den Juror:innen – wie stark beeinflusst die Dynamik einer TV-Show solche Entscheidungen? Und wo ziehen Sie für sich eine klare Grenze zwischen echter Überzeugung und Inszenierung – auch bei Diskussionen zwischen Investor:innen?

Jäger: Bei mir ist es sowieso so, ich bin ein sehr authentischer, aber auch spontaner Mensch, deshalb fällt die Inszenierung meistens weg. Ich hau' eher raus und denk' nicht darüber nach. Eine Inszenierung, die ist überlegt, das gibt es bei mir nicht. Natürlich, wenn eine Dynamik ausbricht, dann reißt es einen mit, wenn man merkt, die anderen sind auch richtig scharf auf einen Deal, den man grundsätzlich schon mal ins Auge gefasst hat. Also wenn man es von vorne herein als nix empfindet, dann ist mir das wurscht, was die anderen tun. Nicht so wie in Folge eins, wo ich zum Mathias gesagt hab, was er für ein Sackgesicht ist.

Wenn ich es eh schon gut finde und ich merke, dass es die anderen auch gut finden und dann steigt vielleicht auch noch Tchibo ein, dann tut man dann vielleicht etwas, was man vorher so nicht vorgehabt hat. Zum Beispiel in Bezug auf die Höhe des Angebots. Ein bisschen vergleichbar mit einer Auktion: Wenn man irgendwas ersteigern will, nimmt es auf einmal ein Ding an und man pfeift auch oft über sein gesetztes Budget hinaus.

Hier gibt es die intensive Diskussion von Folge 1 zum Nachsehen:

Das tun sie oft...was meinen Kollegen Alex Schütz fast immer schon vom Stuhl runterhaut, weil er die 10 % fast schon nicht mehr hören kann.

Investor Christian Jäger über Erwartungshaltungen

Redaktion: Unabhängig von der Idee: Welche Fehler machen Gründerinnen und Gründer in der Show besonders häufig und woran scheitern sie am Ende?

Jäger: Naja, scheitern können sie in dem Sinne nur, indem sie eventuell kein Angebot bekommen. Das tun sie sehr, sehr oft, indem sie reinkommen und schon einmal eine riesen Bewertung aufpfeiffen und immer nur diese obligatorischen 10 % anbieten, was meinen Kollegen Alex Schütz fast immer schon vom Stuhl runterhaut, weil er die 10 % fast schon nicht mehr hören kann. Und dann auch oft die Erwartungshaltung: Manche kommen rein und denken sich, sie bekommen Geld, geben 10 % ab und dann soll aber der Investor nicht nur Investor sein, sondern eigentlich Co-Unternehmer: Das spielt es natürlich nicht – die Zeit haben wir gar nicht, wir können ein Netzwerk miteinbringen, wir können Tipps geben und ab und zu ein Meeting machen, aber wir können nicht das Unternehmen für sie führen.
Das Größte, woran man scheitern kann, ist, wenn aus unserer Sicht die Bewertung völlig unrealistisch ist.

Ein Fehler ist zum Beispiel, dass wir ein Angebot geben, wo wir uns im Nachhinein denken: "Um Gottes Willen, warum haben wir das gemacht...

Redaktion: Gibt es auch Fehler, die die Investoren machen?

Jäger: Es wäre sehr vermessen, wenn ich sagen würde, dass wir keine Fehler machen, wobei ich das schon irgendwie gerne so sagen würde. Natürlich machen wir Fehler, wir machen laufend Fehler. Ein Fehler ist zum Beispiel, dass wir ein Angebot geben, wo wir uns im Nachhinein denken: "Um Gottes Willen, warum haben wir das gemacht, das Geld hätten wir lieber gespendet." Und das merke ich sehr oft, das habe ich bei Dominic Heinzl auch gesagt, wo er mich auf das Rekordinvestment angesprochen hat – ich glaube, dass das richtig gut wird und diejenigen mit 50 und 100 Tausend, das wird oft nix – das ist oft so kleinteilig und da ist sicherlich oft der Fehler bei uns, wo man sich das Geld manchmal sparen hätte können.

...wäre gelogen, dass man nicht da oder dort drüber nachdenkt und sagt: "ach so ein sch***.

Redaktion: Gab es nach einem Deal schon einmal einen Moment des Zweifelns? Und wie gehen Sie persönlich mit solchen Gedanken um?

Jäger: Natürlich gibt es sowas, das ganze Leben, wenn man Entscheidungen trifft, stellt man sich trotzdem noch sehr oft auf eine Waage – aber es nutzt ja nichts.
Man braucht dann nicht "herum-zarteln", weil sonst komme ich wieder nicht weiter. Die Tage sind lang, wir sind durchgetaktet, haben viele Firmen, eine Riesenverantwortung, wenn ich jede Entscheidungen, die ich treffe, hinterher immer zerdenke, das wird dann nix. Aber wäre gelogen, dass man nicht da oder dort drüber nachdenkt und sagt: "ach so ein sch***." Aber das muss man deshalb machen, dass man es nicht wiederholt. Der Dodl ist nicht der, der einmal was Falsches macht, sondern der Dodl ist der, der Gleiches zwei Mal falsch macht.

Redkation: Mit Blick auf die Gegenwart: Welche (technologische) Entwicklung wird Ihrer Meinung nach überschätzt – und welche völlig unterschätzt?

Jäger: Ich persönlich glaube, dass die Bewertungen im KI-Sektor abartig sind – die Technologie ist gewaltig und geht voran, aber da hat das eine mit dem anderen ja nicht immer unbedingt was zu tun. Also ich denke schon, dass es da Korrekturen geben wird.

Was ich glaube, was unheimlich wichtig ist und vielleicht das etwas noch unterschätzt wird, ist der ganze Bereich Longevity und Gesundheit. Das wird jetzt so langsam erst in die Köpfe reinkommen und es gibt ja den amerikanischen Ausdruck der Silver Society und das ist schon ein riesen Markt, aber es ist noch nicht überall angekommen, dass es begreiflich ist.
Im Grunde für die Menschheit gleich wichtig, wie das ganze KI-Thema. KI wird halt so gehyped, aber was nutzt uns das, wenn wir im Alter alle krank und schwach sind. Dann kann man zwar die KI fragen, warum es so ist, und die KI antwortet, weil man das ganze Leben kein Performance-Training, Muskelaufbau usw. gemacht hat und dann sagt sie vielleicht noch, dass man jetzt noch starten kann.

Wenn ich jemanden sch*** find, dann sag ich’s auch vor der Kamera.

Redaktion: Sie sind bekannt für sehr ehrliche Worte und Taten – etwa, wenn Sie mitten im Pitch aufstehen. Authentisch. Gibt es Fragen, die Sie Gründer:innen gerne stellen würden, wenn keine Kameras laufen würden?

Jäger: Nein, das ist mir komplett wurscht. Also das, was ich fragen will, frage ich. Und das andere tue ich trotzdem nicht. Ich meine, bei all dem, was ich raushaue, werde ich nie zu sehr persönlich und das würde ich ohne Kameras genau so machen. Wenn ich jemanden sch*** find, dann sag ich’s auch vor der Kamera.

Redaktion: Gibt es etwas, das Sie als Investor noch machen möchten? Also gibt es ein Investment in einem bestimmten Bereich von dem Sie noch absolut träumen?

Jäger: Ich bin relativ breit aufgestellt schon. Träumen tue ich relativ wenig von Investments – Gott sei Dank. Da gibt es bessere Träume, ohne weiter drauf einzugehen.

Jäger und Haselsteiner verlassen das Studio während des Pitches:

Wenn ich mich so gerne im Fernsehen sehen würde, dass ich 4 Millionen Euro ausgebe, nur weil Kameras laufen, dann drehe ich eher einen Spielfilm...

Das Rekordinvestment bei "2 Minuten 2 Millionen"

Redaktion: Bei Sun Minimeal haben Sie die höchste Summe investiert, die jemals in einer Start-up-Show weltweit zugesagt wurde. Was war in diesen zwei Minuten ausschlaggebender: die Idee, das Team oder Ihr Bauchgefühl?
Jäger: Uuhh … (denkt nach) Die Kombi war es dann Ende des Tages. Die Idee ist vielleicht sogar ein bisschen so als Letztes gekommen, weil du brauchst immer so zum Sacken lassen ein paar Minuten und das kommt dann so richtig erst raus, in der Fragerunde innerhalb der nächsten Viertelstunde. Beim Team merkst du gleich, ob was da ist oder nicht. Daher würde ich sagen, dass es wirklich alle 3 Faktoren sind.

Redaktion: Abschließend ganz ehrlich: Hätten Sie dieselbe Rekordsumme auch investiert, wenn keine Kameras gelaufen wären, oder braucht große Überzeugung manchmal auch eine große Bühne?

Jäger: Wenn ich mich so gerne im Fernsehen sehen würde, dass ich 4 Millionen Euro ausgebe, nur weil Kameras laufen, dann drehe ich eher einen Spielfilm oder eine Serie für 4 Millionen. Also nein, natürlich haben die Kameras dort nicht den Ausschlag gegeben.

Christian Jägers Rekord-Investment bei "2 Minuten 2 Millionen"

Redaktion: Sagen Sie mir bitte abschließend immer den ersten Gedanken, der Ihnen zu den folgenden Fragen einfällt:

Was war die beste Investition Ihres Lebens, die nichts mit Geld zu tun hatte?
Jäger: Meine Familie!

Redaktion: Gibt es ein Sprichwort oder Lebensmotto, hinter dem Sie vollkommen stehen?
Jäger: Durchhalten!

Redaktion: Viele junge Menschen haben gute Ideen, aber große Angst vor Risiko oder Verantwortung. Welchen Rat geben Sie ihnen, ganz konkret?
Jäger: Mutig sein! Was soll denn passieren? Immer schauen, was ist das Schlimmste, was passieren kann, und meistens ist das gar nicht so schlimm!

Redaktion: Was möchten Sie, dass Menschen über Sie als Investor sagen – unabhängig vom finanziellen Erfolg?
Jäger: Ich sage zuerst, was ich auf keinen Fall möchte, und zwar, dass die Leute sagen, dass ich ganz nett bin. Weil das ist die größte Sch*** aller Zeiten. Sie sollen sagen, der ist authentisch, der ist hart, aber der hat auch ein richtiges Herz. Mir ist es tausendmal lieber, wenn ich polarisiere, wie ein ganz Netter, das ist ganz fürchterlich.
Und im Geschäftsleben, das hab ich mir hart erarbeitet, da möchte ich, dass sie sagen – aber das sagen sie eh – ein super verlässlicher Partner.


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Joyn.at ('Behind the Screens' Österreich) veröffentlicht.

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